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Afrika

Gruß aus Niamey, Niger

Die Projektmanagerin Sandra van Edig erkennt "ihre" Stadt kaum wieder.

"Warum nehmen wir denn nicht den Weg unten am Fluss entlang?", frage ich den Fahrer, der mich vom Hotel abgeholt hat, um mich zur Deutschen Botschaft in Niamey zu bringen. "Oh der ist gesperrt, dort bauen sie doch jetzt die große Überführung!" "Ach so, das wusste ich nicht", antworte ich gedankenversunken, während mein Blick auf die Straße gleitet, den Verkehr beobachtend. Niamey, elf Jahre habe ich hier gelebt. Ich kenne die Stadt wirklich gut. Oder soll ich sagen: kannte. Denn seitdem ich 2013 nach Berlin gezogen bin, hat sich die Hauptstadt Nigers sehr verändert. Jeden Monat gibt es neue Baustellen, neue Straßen, neue Gebäude und - wie es mir scheint - immer mehr Stau.

Ich bin ungefähr alle zwei Monate in der Stadt. Denn mit der DW Akademie engagieren wir uns seit 2012 mit einem Projekt im Bereich konfliktsensibler Berichterstattung in Niger. Es geht darum, wie man Konfliktthemen journalistisch aufarbeitet und damit zur Verminderung beiträgt. Ich wohne dann immer im Stadtteil Terminus. Früher lebte ich auf der anderen Seite der Stadt. Damals brauchte man für die Fahrt quer durch die Stadt 15 Minuten mit dem Auto.

Straßensperrung in Niamey, Niger (Foto: DW Akademie/Sandra van Edig).

In Niamey führen derzeit nur Umwege ans Ziel


Heute dauert die Fahrt manchmal bis zu zwei Stunden. Baustellen, Stau, Unfälle. Oder Vollsperrung, wenn der Präsident gerade auf dem Weg zum Flughafen ist: Auf allen Hauptverkehrsachsen wird dann der Verkehr gestoppt und Militär säumt die Straßen. Niemand wird durchgelassen. Stattdessen sind die Soldaten deutlich angespannt, wenn der Präsident in seinem Geländewagen begleitet von Radpanzern und Jeeps mit 80 Stundenkilometern an der wartenden Blechlawine vorbeirauscht.

Verknotet im Stau

Mahamadou Issoufou ist seit 2011 gewählter Präsident der Republik Niger. Das ist eine riskante Aufgabe: Bereits zwei Monate nach seiner Amtseinführung hatten politische Gegner mithilfe einiger Militärs versucht, ihn zu beseitigen. Seine Politik - besonders sein Kampf gegen die Korruption - wird nicht von allen Lagern für gut geheißen. Und auch seine Stadtentwicklung ist umstritten, die er zur Chefsache erklärt hat. Niamey, die Hauptstadt des Sahelstaates Niger, soll bis 2017 ein Vorzeigeobjekt an Modernität und Schönheit werden: Niamey Nyala! nennt er das Programm - schönes Niamey! Es ist ein geflügeltes Wort geworden, wenn morgens hunderte von Autos, Taxis und Motorradfahrer wieder im Stau stehen oder sich an einer Ampel vollkommen verknotet haben, da die Verkehrsregelung wegen Stromausfall nicht mehr funktioniert. Und alle Verkehrsteilnehmer nur einen Gedanken haben: So schnell wie möglich ans Ziel zu kommen.

Niamey Nyala: Ausbau von Verkehrsachsen, sozialer Wohnungsbau, moderne Märkte, eine Zugverbindung nach Benin. Das Vorhaben ist enorm. Fertiggestellt sind seither einige Umgehungsstraßen. Sie sind auch mit Solarlaternen versehen. Andere Projekte werden noch viele Jahre Baustellen bleiben. Gleise liegen auf der Ausfallstraße Richtung Westen, Infrastruktur für die künftige Zugverbindung nach Benin. Leider fährt der Zug noch nicht, es gäbe noch Probleme mit den Brücken, heißt es offiziell. Aber alles ist auf dem Weg, man gibt sich in Regierungskreisen optimistisch.

Einzig unverändert: der Fluss

Sandra van Edig, Projektmanagerin der DW Akademie (Foto: DW Akademie).

Sandra van Edig lebte von 1999 bis 2013 in Niamey

Ich bitte den Fahrer hinunter zum Fluss zu fahren, ich möchte die Baustelle der neuen Überführung sehen: Kräne stehen dort hinter dem Bauzaun. Autos fahren fast keine mehr auf der einst belebten Straße. Sie drängen sich stattdessen auf der Umgehung am alten Markt. Chinesische Bauarbeiter gießen Beton auf die zukünftige Fahrbahn. Ab Frühjahr 2017 soll dieser Knotenpunkt den Verkehr fühlbar entlasten, so steht es in der Beschreibung des Bauprojektes.

Auf der anderen Seite der Überführung liegt der Fluss Niger. Das rotbraune Wasser fließt gemächlich Richtung Westen. Der Fluss hat sich nicht verändert, nur das Leben an seinen Ufern: In einigen Jahren wird hier dann hoffentlich nach allen Bauarbeiten die schönste Hauptstadt Westafrikas stehen: Niamey Nyala! Doch bis dahin brauchen die Bewohner der Stadt vor allem noch eins: "Say han kuri!" wie man auf Haussa sagt-auf Deutsch: Geduld!


Sandra van Edig ist seit 2012 Projektmanagerin der DW Akademie und betreut das vom Auswärtigen Amt geförderte Projekt "Konfliktsensible Berichterstattung in Niger". Von 1999 bis 2013 hat sie in der nigrischen Hauptstadt Niamey als freie Journalistin gelebt und gearbeitet. Heute lebt sie in Berlin.

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