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Europa/Zentralasien

Gruß aus Kirgisistan

Die DW Akademie hat zusammen mit der OSZE eine Sommerakademie für Journalisten in Bischkek organisiert. Trainerin Lydia Rahnert berichtet von Mut und neuen Freiheiten in der kirgisischen Medienlandschaft.

Lydia Rahnert ist als Ländermanagerin für Kirgisistan zuständig und seit 2005 als Trainerin in verschiedenen Ländern der ehemaligen Sowjetunion für die DW Akademie tätig. 2013organisierte sie gemeinsam mit der OSZE-Akademie eine Sommerakademie für Journalisten in Bishkek; Copyright: DW Akademie

Lydia Rahnert

An einem wunderschönen ruhigen Sommerabend spaziere ich mit drei weiteren Trainern der DW Akademie entlang eines Parks im Stadtzentrum von Bischkek - wir genießen die Frische nach einem heißen Tag in den Trainingsräumen. Plötzlich fängt eine Frau laut an zu schimpfen: Wir sehen eine Gruppe von Polizisten auf einer Wiese stehen, auf dem Boden zerstreutes Spielzeug – grell leuchtende Kugeln, Gummibälle, Spielzeugautos in allen Farben – und mittendrin ein Mann mittleren Alters, der auf dem Boden sitzt. Seine Hände sind mit dem Hosengurt eines Polizisten gefesselt, der ein Ende des Gurtes festhält.

Wir sind schockiert. Und gleichzeitig doch auch positiv überrascht von den Reaktionen der Passanten, vor allem der Frauen. Der einen Frau, die sich mit den Polizisten anlegte, schließen sich immer mehr Frauen an – alte Frauen in ihren bunten Tüchern, junge Frauen in Stöckelschuhen, Frauen mittleren Alters mit Kindern auf dem Arm oder Eis in den Händen. Es wird immer lauter, alle schimpfen durcheinander. Man sieht, dass die Polizisten sich sehr unwohl fühlen – doch der Aufstand bringt nichts. Der Händler wird festgenommen, weil er an einem verbotenen Platz handelte.

Dennoch bestätigt dieser Vorfall ein weiteres Mal, dass die Kirgisen nicht gleichermaßen eingeschüchtert sind wie die Bürger in anderen zentralasiatischen Ländern, wo die Leute es nicht wagen, sich mit Polizisten anzulegen.

Offener Protest gegen die Willkür von Polizisten

Kirgisistan ist in den letzten Jahren viel offener geworden. Die Leute lassen sich Vieles nicht mehr gefallen. Wenn ihnen etwas widerstrebt, wird gestreikt oder demonstriert, wie kürzlich erst in Karakol gegen den von der Regierung neu ernannten Gouverneur. Vor allem jedoch werden immer wieder Straßensperren errichtet, wie Anfang Juli an der stark befahrenen Straße zwischen Karakol und Bischkek bei Tscholpon-Ata am Issyk-Kul-See. Auf diese Weise wurde gegen die Willkür von Polizisten protestiert. Auch die Medien erlauben sich insgesamt vieles, was in anderen zentralasiatischen Ländern unvorstellbar ist. Offen werden die Regierung und das Parlament, der Bürgermeister kritisiert, über Urteile des Obersten Gerichtes gestritten.

Sommerakademie für zentralasiatische Journalisten in Bischkek, Kirgisistan 2013. Organisiert von DW Akademie und der OSZE-Akademie. Fotos: Lydia Rahnert/ DW Akademie Juni 2013

Teilnehmer der Sommerakademie

Dass die Journalisten in Kirgisistan ernster genommen werden als in Kasachstan, Tadschikistan oder Usbekistan, ist den Teilnehmern der Sommerakademie für zentralasiatische Journalisten, die die DW Akademie zusammen mit der OSZE-Akademie ausrichtet, bereits in den ersten Trainingswochen aufgefallen. Bei der Recherche musste auch die Stellungnahme von Ministerien oder Behörden eingeholt werden. Die erste Reaktion der "nicht kirgisischen" Teilnehmer war: "Die werden uns doch nie was sagen". Worauf die kirgisischen Teilnehmer antworteten: "Nur hin. Die werden euch ihren Standpunkt erläutern". Das klappte zwar nicht immer, aber in den meisten Fällen schon.

Lydia Rahnert ist als Ländermanagerin für Kirgisistan zuständig und seit 2005 als Trainerin in verschiedenen Ländern der ehemaligen Sowjetunion für die DW Akademie unterwegs. Zu ihren Schwerpunkten gehören Hörfunk-Journalismus und journalistische Ethik. Lydia Rahnert wurde in Russland geboren war dort als Journalistin tätig.

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