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Kultur

Grooven am Bosporus

Von wegen Bauchtanzfolklore und schnurrbärtige Schnulzenbarden: Wild, verwegen und absolut mutig erobern türkische Punk-Bands und poppige Dancing Queens die europäischen Charts.

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"Küsschen!" von Sertab Erener

Wenn Türken Auto-Korsos bilden, die Hand auf die Hupe legen und "Türkiye, Türkiye" skandierend den Großstadtverkehr lahm legen, haben sie gewonnen. Entweder im Fußball oder bei einem Gesangswettbewerb. Beides passiert nicht sehr häufig. Aber wenn, dann ist kein Halten mehr. "Turkey: twelve points" hieß es letztes Jahr beim "Eurovision Song Contest 2003" in Riga.

Fetziger Schleiertanz

Eine kleine Frau aus Istanbul kam, sang und bescherte der Türkei nach über 35 Jahren den ersten musikalischen Ritterschlag beim Grand Prix. Sertab Erener gewann in Riga mit ihrem Dancefloor-Hit "Every way that I can" und stürmte anschließend die deutschen Singlecharts. Mit laszivem Schleiertanz und einer drei Oktaven umfassenden Stimme katapultierte sie musikalisch ihr Land in die Mitte Europas.

"Wir hatten es einfach satt, ständig Letzte zu werden. Kein Wunder, wir haben bis vor kurzem immer nur unbekannte Nieten zum Grand Prix geschickt. Endlich kann die Welt sehen, was wir drauf haben", jauchzt Kübra Kaynak. Sie ist seit Jahren ein großer Fan von Sertab Erener. Seit dem Erfolg in Riga leihen sich immer mehr ihrer deutschen Kollegen türkische CDs bei ihr aus. Musiksender wie Viva und MTV loben die "New Oriental Power" vom Bosporus.

"Ricky Martin der Türkei"

Neben Sertab Erener stürmte auch Tarkan vor einigen Jahren die europäischen Charts. Sein Hit "Simarik", auch bekannt als Kusslied, wurde 1999 in ganz Europa zum Sommerhit und anschließend sogar von der australischen Sängerin Holly Valance gecovert. Der blauäugige Schönling mit der Samtstimme wurde als "Ricky Martin der Türkei" bezeichnet und erhielt 1999 in Monaco den "Music Award".

Punk vom Bosporus

Doch nicht nur poppige Ethnomusik alla turca schwappt über das Mittelmeer nach Europa. Eine Punk-Ska-Band namens "Athena" wird dieses Jahr die Türkei beim Eurovision Song Contest vertreten. Mit 79 Prozent der Stimmen entschieden sich die Türken für die rotschopfige Männertruppe und den Song "For Real". Eine mutige Entscheidung, wenn man bedenkt, dass selbst das Mutterland des Punk, England, eher mit schmalzigen Balladen als mit provokanten Punksongs auf dem Grand Prix-Parkett glänzt.

Die vier Istanbuler Jungs aus dem asiatischen Stadtteil Kadiköy sind wie Sertab Erener und Tarkan absolute Stars in ihrem Heimatland. Ihre Platten verkaufen sich in Millionenauflage. Statt Liebesschmerz und Herzflattern geht es in ihren Texten um Globalisierungskritik und die Begeisterung für Basketball. Ob sie sich mit dieser Mischung in Istanbul gegen ihre 24 Konkurrenten durchsetzen werden, wird sich zeigen. Den Vertrag mit dem weltberühmten Plattenlabel "Universal" haben sie schon einmal in der Tasche. Und damit die Chance, in Europa eine Punkwelle "made in Turkey" loszutreten.

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