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Politik

Großzügigkeit zahlt sich aus

Ungeachtet der angespannten Wirtschaftslage im eigenen Land hilft Russland seinen Nachbarn mit milliardenschweren Krediten. Das Ziel ist, den russischen Einfluss in den ehemaligen Sowjetrepubliken auszuweiten.

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Russland, bislang von hohen Rohstoffpreisen und starkem Wirtschaftswachstum verwöhnt, steckt tief in der Krise. Die Industrie kürzt die Produktion, viele Unternehmen entlassen Mitarbeiter. Der Wirtschaft droht die Rezession, dem Staatshaushalt ein Defizit.

Noch verfügt Moskau zwar über gigantische ausländische Währungsreserven. Doch inzwischen hat der Staat etliche Milliarden von Dollar ausgegeben, um den heimischen Bankensektor und um den Rubel zu stützen. Und dennoch zeigt sich der Kreml sehr großzügig, wenn es darum geht, ehemalige Sowjetrepubliken zu unterstützen.

Geld für den Antikrisenfonds

Alexandra von Nahmen (Quelle: DW)

DW-Expertin Alexandra von Nahmen

Die weißrussische Regierung hat bereits einen Kredit in Höhe von einer Milliarde Dollar bekommen. Weitere Finanzhilfen werden folgen. Armenien soll rund 500 Millionen Dollar von Russland erhalten, Kirgisistan rund zwei Milliarden Dollar. Auch Turkmenistan, Aserbaidschan und andere Länder machen sich Hoffnungen auf Hilfe aus Russland, berichten russische Zeitungen. Zudem beschlossen jüngst mehrere Staatschefs der früheren Sowjetunion in Moskau, einen Antikrisenfonds mit 10 Milliarden US-Dollar einzurichten, der zu zwei Dritteln von Moskau gespeist wird.

Nun darf auch die Ukraine, die sich noch bis Mitte Januar einen erbitterten Streit um Gaspreise mit Russland geliefert hatte, auf einen Kredit aus Russland hoffen. Die Gespräche dauern an, heißt es. Es geht um fünf Milliarden Dollar. Der Ukraine droht der Staatsbankrott, das Land ist wie kaum ein anderes in Europa auf Hilfe angewiesen. Dennoch bleiben viele in Kiew skeptisch. In der Präsidialverwaltung hat man den Verdacht, dass Russland den Kredit nutzen könnte, um die Ukraine zu Zugeständnissen in anderen Bereichen zu zwingen. Moskau gehe es darum, das ukrainische Pipelinenetz zu erwerben, und eine russlandfreundliche Regierung in Kiew zu installieren, mutmaßt man am Dnjepr.

Das Geld fehlt im eigenen Land

In der Tat nutzt Russland die weltweite Krise aus, um seine Einflusssphäre in den ehemaligen Sowjetrepubliken zu stärken. Wirtschaftlich und militärisch. Beispiel: Kirgisistan. Kurz, nachdem das Land eine Kreditzusage von Moskau bekommt, verkündet sein Präsident, Kurmanbek Bakijew: Ein US-Luftwaffenstützpunkt in Kirgisistan werde geschlossen, die Zusammenarbeit mit den Amerikanern soll beendet werden. Kein Zufall, spekulieren russische Medien. Moskau dementiert allerdings jeglichen Zusammenhang zwischen der Auflösung der US-Militärbasis und der Finanzspritze.

Auch Minsk greift der Kreml finanziell unter die Arme. Dafür erklärt sich der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko bereit, den Rubel als Verrechnungs- und Reservewährung zu benutzen und eine gemeinsame Luftabwehr mit Russland zu gründen.

Insofern scheint sich die Großzügigkeit Moskaus politisch auszuzahlen. Langfristig aber könnte sie dennoch gefährlich enden, warnen Experten. Denn die Milliarden, die jetzt verliehen werden, könnte Russland schon bald ganz dringend selbst brauchen.