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Wirtschaft

Großfusion wirbelt europäischen Mobilfunkmarkt durcheinander

Der spanische Telekom-Riese Telefonica ist auf der Suche nach einem Übernahmekandidaten in Europa offenbar fündig geworden.

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Damals noch ohne Partner: O2 auf der CeBIT 2005.

Auf der Wunschliste der spanischen Telefonica steht offenbar der britische Mobilfunk-Betreiber O2 ganz oben. Das Übernahmeangebot der Spanier für den britischen Konkurrenten beläuft sich nach Berichten vom Montag (31.10.2005) auf umgerechnet rund 26 Milliarden Euro. Das Management von O2 hat der Transaktion bereits zugestimmt. Die geplante Übernahme könnte Telefonica Zugang zu zwei der größten Mobilfunkmärkte Europas verschaffen. Neben einer starken Stellung auf dem irischen Markt hat O2 wichtige Marktanteile in Deutschland und Großbritannien. Zusammen kommen die beiden Unternehmen auf 116 Millionen Mobilfunkkunden.

Spannung durch mögliche Gegengebote

O2-Chef Peter Erskine, der das Unternehmen weiter führen soll, begrüßte den geplanten Zusammenschluss: "Telefonica und O2 sind zwei schnell wachsende Unternehmen, die sich geografisch gut ergänzen". Das Angebot sei "fair und angemessen". O2 galt schon länger als potenzieller Übernahmekandidat. Auch die Deutsche Telekom hatte Interesse an dem britischen Mobilfunkanbieter angemeldet. Sondierungsgespräche des deutschen Konzerns zusammen mit dem niederländischen Unternehmen KPN über einen Kauf von O2 waren im August aber beendet worden, ohne dass ein Angebot vorgelegt wurde.

Telefonzelle der spanischen Telefongesellschaft Telefonica

Starke Stellung in Spanien und Lateinamnerika: Telefonica

Wie Telefonica am Montag mitteilte, sollen 200 Pence für jede O2-Aktie bezahlt werden. Dies entspräche einem Aufpreis von 22 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag. Nach Bekanntgabe des Angebots stiegen O2-Aktien um 25 Prozent auf 205 Pence. Telefonica-Aktien wurden am Montag an der Börse in Madrid vom Handel ausgesetzt. Am Freitag hatten sie bei 13,62 Euro geschlossen. Ein Aktienhändler in London ging davon aus, dass die O2-Anteile in der Erwartung eines Gegengebots auf über 200 Pence noch steigen könnten. Auch andere Branchenexperten rechneten mit Gegengeboten. Auch die deutsche Telekom hatte im August nicht ausgeschlossen, eine neue Offerte für O2 abzugeben, sollte ein Konkurrent den britischen Mobilfunkanbieter übernehmen wollen.

Kein Stellenabbau in Deutschland

Die O2-Übernahme würde den Gewinn je Aktie unmittelbar steigern und bis 2008 zu jährlichen Einsparungen von schätzungsweise rund 239 Millionen Euro führen, teilte Telefonica mit. Einmalige Kosten würden sich auf 39 Millionen Euro belaufen. Die Marke O2 soll erhalten bleiben. Aus Verhandlungskreisen verlautete, Telefonica wolle die Übernahme durch einen Kredit der Citigroup, der Royal Bank of Scotland und von Goldman Sachs finanzieren. Der weltweit fünftgrößte Telekommunikationskonzern hatte sich nach einem jahrelangen Expansionskurs in Lateinamerika verstärkt in Europa nach Übernahmekandidaten umgesehen.

O2 galt seit längerem als begehrter Partner in der europäischen Telekommunikationsbranche, da es eines der wenigen unabhängigen Unternehmen und ein reiner Mobilfunkbetreiber ist. O2 hat 15.000 Mitarbeiter und 24,6 Millionen Mobilfunk-Kunden in Großbritannien, Irland und Deutschland. Das Unternehmen gilt in Branchenkreisen als zu klein, um auf dem europäischen Mobilfunkmarkt allein bestehen zu können. In der deutschen O2-Zentrale in München steht man der geplanten Fusion positiv gegenüber. Die Münchener rechnen mit einem stärkeren Wachstum in Deutschland. Ein Abbau der 4000 Arbeitsplätze sei nicht zu befürchten, hieß es. (sch)

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