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Aktuell Asien

Großfeuer wütet in chinesischer Chemiefabrik

Schwere Turbulenzen in China: In Zhangzhou gab es bei einer Explosion in einer umstrittenen Chemiefabrik etliche Verletzte. Im Norden Chinas erzwingen Tausende die Stilllegung mehrerer Chemiewerke.

In der ostchinesischen Stadt Zhangzhou hat eine schwere Explosion ein Chemiewerk erschüttert und heftige Brände ausgelöst. Dabei wurden mindestens 19 Menschen verletzt. Nach einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua konnten die mehr als 800 Feuerwehrleute die Flammen erst nach Stunden am Dienstag unter Kontrolle bringen. Ausgelaufenes Öl hatte Feuer gefangen und drei Öltanks zur Explosion gebracht. Die Erschütterungen seien noch in 50 Kilometer Entfernung zu spüren gewesen. Fernsehaufnahmen zeigten riesige Flammen über der Fabrikanlage in der Provinz Fujian. Die Anrainer wurden vorsorglich in Sicherheit gebracht. Laut Xinhua war es bereits der zweite schwere Zwischenfall binnen zwei Jahren in dem umstrittenen Werk.

In der Fabrik Goure PX wird die Chemikalie Paraxylol hergestellt, eine brennbare, krebserregende Flüssigkeit, die unter anderem zur Herstellung von Polyesterstoffen verwendet wird. Ursprünglich sollte die Anlage in der nahegelegenen Küstenstadt Xiamen gebaut werden. Nach heftigen Protesten, an denen sich vor acht Jahren tausende Menschen beteiligt hatten, wurde sie an ihrem jetzigen Standort errichtet. Während die Explosion am Dienstag die Diskussionen in den sozialen Netzwerken dominierte, war die Kommentarfunktion zu der Meldung in dem populären Webportal Netease deaktiviert.

Nach der Explosion in dem Chemiewerk stiegen dunkle Wolken in den Himmel (Foto: dpa)

Nach der Explosion in dem Chemiewerk in Zhangzhou stiegen dunkle Wolken in den Himmel

Im März 2014 hatten tausende Menschen tagelang gegen eine weitere Paraxylol-Fabrik in der südchinesischen Stadt Maoming protestiert. Das Umweltministerium erklärte nun, dass künftige Bauprojekte zur Herstellung der Chemikalie auch die Auswirkungen auf die Umwelt berücksichtigen müssten.

Proteste gegen Dreckschleudern

In der autonomen Region Innere Mongolei im Norden Chinas haben gewaltsame Proteste gegen anhaltende Umweltverschmutzung derweil zu drastischen Konsequenzen geführt. Die Behörden kündigten an, mehrere Chemiefabriken einstweilen stillzulegen. Die Arbeit solle bis zum Abschluss einer Untersuchung der Vorwürfe ruhen, sagte ein Regierungsvertreter im Bezirk Naiman Banner. Wieviele Unternehmen in der Raffinerie-Zone davon betroffen sind, sagte er nicht.

Nach Angaben des Informationszentrums für Menschenrechte in der Südmongolei (SMHRIC) mit Sitz in den USA hatten tausende Menschen am Wochenende gegen die Fabriken demonstriert. Diese warfen den Fabrikbetreibern vor, Schadstoffe in das umliegende Weideland abzuleiten und so die Lebensgrundlage örtlicher Viehzüchter zu gefährden. "Gebt uns unser sauberes Wasser und unseren blauen Himmel zurück", forderten die Demonstranten.

2000 Polizisten im Einsatz

Rund 2000 Polizisten gingen demnach mit Wasserwerfern, Schlagstöcken und Tränengas gegen die Demonstranten vor, als die Proteste aus dem Ruder zu laufen drohten. Rund 100 Menschen wurden laut SMHRIC verletzt, vor allem durch Gummigeschosse. Ein Demonstrant starb später im Krankenhaus. 50 Demonstranten seien inhaftiert worden, berichtete die Organisation unter Berufung auf Einwohner.

In China hat die Zahl großer und teils gewaltsamer Demonstrationen gegen Umweltverschmutzung in den vergangenen Jahren zugenommen. Das rasante Wirtschaftswachstum des Landes findet vielerorts auf Kosten der Natur statt, was gerade die stark gewachsene Mittelschicht zusehends nicht mehr hinzunehmen bereit ist. Durch die stärkere Verbreitung sozialer Netzwerke in China steigen der Organisationsgrad und die Häufigkeit derartiger Demonstrationen weiter an.

kle/sti (afp, ape)