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Politik

"Großes Vakuum" im Sudan

Nach dem Tod John Garangs, der in Teilen des Sudan Unruhen auslöste, gehen die Spekulationen weiter: War es ein Unfall, steckt eine Verschwörung dahinter, und welche Auswirkung wird der Tod Garangs haben?

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John Garang: Opfer eines Unfalls oder einer Verschwörung?

Sudan, Karthun Unruhen nach dem Tod des Vizepräsidenten John Garang

Demonstration von Garang-Anhängern in Khartum

Noch immer ist nicht klar, was genau am vergangenen Wochenende geschah, als der sudanesische Vizepräsident John Garang ums Leben kam. Die offizielle Version der Regierung in Khartum lautet, dass sein Hubschrauber auf dem Weg vom Südsudan nach Uganda an einem Berg zerschellte. Die Unglücksursache sei ein Unwetter gewesen. Viele Anhänger des südsudanesischen Freiheitshelden bezweifeln die offizielle Erklärung - sie glauben an eine Verschwörung.

Tod eines "Nationalhelden"

Der Tod des populären Politikers bedeutet auf jeden Fall einen Einschnitt für den Sudan. So wie der Präsident des Landes, Omar al-Baschir als Vertreter für den arabischen, muslimischen Norden stand, so war John Garang die Identifikationsfigur für die christliche Bevölkerung im Süden des größten afrikanischen Landes. Die Menschen dort haben ihm viel zu verdanken: Garang war maßgeblich am Zustandekommen eines Friedensschlusses mit der Regierung in Khartum beteiligt. Das Abkommen vom Januar 2005 beendete einen Bürgerkrieg, der das Land 21 Jahre lang im Griff hatte. Muslimische Regierungstruppen kämpften gegen christliche Rebellen. Zwei Millionen Menschen starben bei den Angriffen, bei Verfolgungen oder an Hunger.

Sudan, Präsident und Vize-Präsident, Omer el Bashir und John Garang

Politische Zwangsehe: Präsident Omar al-Baschir und Vizepräsident John Garang

Weite Teile der südsudanesischen Bevölkerung hegen Zweifel an der offiziellen Version der Regierung, dass ihr "Nationalheld" Opfer eines Unfalls wurde. Als der Tod Garangs am Montag (1.8.) offiziell bestätigt wurde, zog ein Mob durch die Straßen Khartums. Autos brannten, Passanten wurden mit Steinen beworfen, die Einwohner der Hauptstadt verbarrikadierten sich in ihren Häusern. Die Behörden verhängten eine nächtliche Ausgangssperre. Es gab mehr als 100 Tote und mindestens 350 Verletzte, erklärte der sudanesische Rote Halbmond.

"Die Unruhen sind Ausdruck von Verschwörungsängsten, die viele Menschen im Sudan haben", meint der sudanesische Universitätsprofessor Abdulmawli Khangom. "Viele, vor allem verarmte Sudanesen fürchten sich vor dem, was Garangs Tod auslösen könnte. Den Menschen fehlt es an Erfahrung mit Meinungsäußerungen und politischer Partizipation, sie können sich nicht anders ausdrücken."

Politisches Vakuum im Sudan

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen forderte die Anhänger Garangs inzwischen in einer Erklärung zur Ruhe auf. "Alle Parteien im Sudan sind sich darin einig, dass es sich bei dem Tod Garangs um einen Unfall handelt", sagt der Generalkonsul der sudanesischen Botschaft in Berlin, Muawiya al-Bukhari. Seine Regierung habe die Bedeutung Garangs zu schätzen gewusst. "Die Situation im Sudan ist durch den Tod des Vizepräsidenten Garang schwieriger geworden", räumt der Botschafter aber ein. "Er hinterlässt ein großes Vakuum. Aber die Werte, für die er stand, werden weiterleben."

Friedensabkommen in Gefahr

Sudan: Soldaten der Rebellenarmee SPLA

21 Jahre dauerte der Bürgerkrieg zwischen Regierungstruppen und Rebellen im Südsudan

Das stellen viele Sudanesen gerade in Frage. Sie sehen das junge Friedensabkommen in Gefahr. Nach dem Tode Garangs, der sowohl für den Süden als auch für den Norden eine Art Stabilitätsgarant war, könnten alte Feindschaften wieder aufbrechen. Der sudanesische UNO-Berater und Politikwissenschaftler Ezzedin Bakhit schätzt die Situation als ernst ein: "Für Teile der Sudanesischen Volksbefreiungsarmee ist der Tod Garangs eine Gelegenheit, sich nicht mehr an das Friedensabkommen zu halten. Auf der anderen Seite hat auch der sudanesische Präsident Omar al-Baschir einen Konkurrenten weniger, der sich seinen Absichten in den Weg stellen könnte."

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