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Deutschland

Großer Zapfenstreich für Horst Köhler

Mit einer militärischen Zeremonie ist Horst Köhler nach seinem überraschenden Rücktritt als Bundespräsident offiziell verabschiedet worden.

Horst Köhler beim Großen Zapfenstreich (Foto: apn)

Köhler war sichtlich gerührt beim Großen Zapfenstreich

Die Zeremonie begann um kurz vor 22 Uhr am Dienstag (15.06.2010) mit dem Einmarsch der Ehrenformation der Bundeswehr. Zu den Klängen des Yorckschen Marsches liefen die Soldaten vor dem Berliner Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten, auf. Neben den Angehörigen des Stabsmusikkorps marschierten auch Soldaten unter Gewehr sowie Fackelträger durch den Schlosspark.

Soldaten der Ehrenformation vor dem Schloss Bellevue (Foto: apn)

Die Zeremonie fand vor dem Schloss Bellevue in Berlin statt, dem Amtssitz des Bundespräsidenten

Ein sichtlich bewegter Horst Köhler verfolgte das Zeremoniell. Auch zahlreiche Politiker nahmen an dem Großen Zapfenstreich teil - etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel, Vizekanzler Guido Westerwelle und Bundespräsident Norbert Lammert. Köhlers Ehefrau Eva Luise und seine beiden Kinder Ulrike und Jochen waren ebenfalls zugegen.

Gespielt wurden der "Marsch der Elisabether" von Johann Strauß, ein historischer Marsch aus der Zeit Friedrichs des Großen und der "St. Louis Blues" von William Handy - alle auf Köhlers Wunsch hin. Abgeschlossen wurde die Zeremonie mit der Nationalhymne.

Generalinspekteur der Bundeswehr Wieker, Verteidigungsminister zu Guttenberg, Ex-Bundespräsident Köhler und der kommissarische Bundespräsident Börnsen (Foto: apn)

Generalinspekteur der Bundeswehr Wieker, Verteidigungsminister zu Guttenberg, Ex-Bundespräsident Köhler und der kommissarische Bundespräsident Börnsen (v.l.n.r.)

Keine Erklärungen zum Rücktritt

Für Erklärungen zu Köhlers Rücktritt gab es bei der Zeremonie keinen Raum - Reden oder Grußworte werden beim Großen Zapfenstreich traditionell nicht gehalten. Bei einem Empfang zur offiziellen Verabschiedung am Abend im Schloss Bellevue aber sehr wohl. "Ich habe die Entscheidung getroffen, die ich für richtig hielt und weiterhin halte", sagte Köhler auf diesem Empfang. "Zu den Gründen meines Rücktritts habe ich mich bereits öffentlich geäußert. Dem ist nichts hinzuzufügen", sagte Köhler nach Angaben des Präsidialamtes und unterstrich weiter: "Respekt und Wahrhaftigkeit sollen in der politischen Kultur unseres Landes einen festen Platz behalten. Es war mir eine Ehre, Deutschland zu dienen."

Zuvor hatte sich der 67-Jährige bereits von seinen Mitarbeitern verabschiedet. In einer kurzen Rede dankte er ihnen für "ihre wunderbare Unterstützung in den vergangenen sechs Jahren". Man könne stolz auf die Arbeit des Präsidialamtes sein. Weitere Erläuterungen zu seinem überraschenden Rücktritt machte Köhler aber auch vor den etwa 120 Mitarbeitern nicht.

Wahltermin: 30. Juni

Köhlers Nachfolger wird am 30. Juni durch die Bundesversammlung gewählt. Die schwarz-gelbe Bundesregierung hat dafür den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff von der CDU aufgestellt. SPD und Grüne schicken den ehemaligen Stasi-Beauftragten Joachim Gauck ins Rennen. Für die Linkspartei kandidiert die Journalistin Luc Jochimsen.

Köhler hatte am 31. Mai das höchste Staatsamt aufgegeben, vier Jahre vor dem regulären Ende seiner zweiten Amtszeit. Als Grund gab er Kritik an seinen Äußerungen zum Einsatz der Bundeswehr im Ausland an. Die Amtsgeschäfte führt derzeit kommissarisch der Bremer Regierungschef Jens Böhrnsen. Der SPD-Politiker ist derzeit Präsident des Bundesrats. Böhrnsen sagte zum Abschied Köhlers, dieser habe "wichtige Fragen gestellt und vieles infrage gestellt, was fragwürdig ist". Dafür seien ihm die Bürger dankbar.

Wie alle anderen ehemaligen Staatsoberhäupter bekommt Köhler das gleiche Gehalt wie bisher als Ehrensold. Derzeit sind das 199.000 Euro pro Jahr. Zudem hat er das Recht auf ein eigenes Büro, einen Dienstwagen, einen Büroleiter und eine persönliche Sekretärin. Im Lauf des Monats soll Köhler auch aus seiner Dienstvilla in Berlin- Dahlem ausziehen. Noch nicht bekannt ist, ob er mit seiner Frau Eva Luise in der Hauptstadt bleiben will.

Autor: Frank Wörner (dpa/apn/afp)
Redaktion: Hans Ziegler (kas)

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