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Ostmitteleuropa

Großer Aufstieg oder ein heikles Problem?

- Polen soll das Kommando über eine der Sicherheitszonen im Irak übernehmen - Die Deutschen sind neidisch

Warschau, 5.5.2003, SUPER EXPRESS, poln.

Der Irak wird in vier Sicherheitszonen aufgeteilt und Polen wird das Kommando über eine der Zonen übernehmen. Es ist wahrscheinlich, dass es sich dabei um die Nord- oder die zentrale südliche Zone zwischen Basra und Bagdad handeln wird.

"Das ist eine neue Herausforderung für unser Land und wir werden uns ihr stellen und sie meistern", versichert Außenminister Wlodzimierz Cimoszewicz. Er verbirgt jedoch nicht, dass es besser wäre, wenn die Entscheidungen über Sicherheitskräfte im Irak vom Sicherheitsrat der UNO getroffen würden. Da es aber keine Chancen dazu gebe, müsse nun die Idee der Amerikaner umgesetzt werden, erklärt Wlodzimierz Cimoszewicz.

Der polnische Präsident Aleksander Kwasniewski ist sich sicher, dass ein Vertreter Polens zu einem der Stellvertreter des amerikanischen Zivilverwalters im besetzten Irak, L. Paul Bermer, gewählt wird.

Nach der ersten Nachkriegskonferenz in London wurde sofort klar, dass die USA ihre Militärpräsenz im Irak so schnell wie möglich reduzieren wollen: "Wir erwecken kein Vertrauen beim irakischen Volk, und ohne dieses Vertrauen ist es völlig unmöglich, eine erfolgreiche Friedensmission durchzuführen. Aus diesem Grunde möchten wir unsere militärische Präsenz auf das Nötige beschränken. Von den insgesamt 130 000 Soldaten, die zur Zeit im Irak stationiert sind, sollten bis zum kommenden Herbst nur noch 30 000 blieben. Die Stellung des amerikanischen Militärs sollte dann von Soldanten aus anderen Staaten übernommen werden. Dies wird die Anschuldigungen vermeiden, dass ‚Amerika den Irak besetzt hält‘, heißt es aus Washington.

Zuerst gab es Gerüchte, dass der Irak in drei Zonen aufgeteilt werden sollte. (...) Gersten Nachmittag nach einer Telekonferenz in Washington sagte jedoch Verteidigungsminister Jerzy Szmajdzinski, dass es doch vier Zonen geben wird.

"Je mehr Soldaten ihr nach Irak schickt, desto mehr werdet ihr zu sagen haben", ist von den Amerikanern in Warschau zu hören. Sie denken dabei an eine ganze Brigade aus Polen, d. h. etwa 4 000 gut geschulte Soldaten mit einer sehr guten Ausrüstung. Wie viele Soldaten jedoch schließlich entsandt werden, wird auf der heutigen Konferenz in Washington entschieden, an der der polnische Verteidigungsminister Jerzy Szmajdzinski teilnehmen wird.

Wenn die Amerikaner die Finanzierung der Entsendung polnischer Soldaten übernehmen sollten, werden wir wahrscheinlich zwischen 2 000 und 3 000 Soldaten nach Irak entsenden. Sechs andere Staaten haben aber schon ihre Bereitschaft angemeldet, das polnische Kontingent mit eigenen Soldaten zu verstärken. Es handelt sich dabei um Spanien, Italien, Dänemark, Bulgarien, Holland und die Ukraine. Konkrete Entscheidungen über die Zahl der Soldaten, die unter polnischem Kommando stehen werden, werden jedoch erst am 22. Mai getroffen.

Die polnischen Einheiten sollten aber so schnell wie möglich nach Irak entsandt werden. "Es gibt eine Idee, nach der unsere Soldaten schon Ende Mai im Irak stationiert werden sollten", gab am Samstag (3.5.) der polnische Außenminister Wlodzimierz Cimoszewicz zu. (...)

"Unser Bündnis hat nach wie vor viel tu tun im Irak. Wir werden in einem Teil des Landes für Ordnung sorgen. Der Weg von einer Diktatur zur Demokratie ist aber schwierig und wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Dies ist jedoch jede Mühe wert. Nachdem unsere Aufgabe erfüllt ist, werden wir einen freien Irak hinterlassen", sagte der amerikanische Präsident George W. Bush.

Am 30. Mai wird George W. Bush seine Reise nach St. Petersburg unterbrechen und in Krakau zwischenlanden. Er wird sich lediglich einige Stunden in Polen aufhalten, weil er den Polen für ihre Beteiligung an dem Krieg im Irak persönlich danken möchte.

Die Deutschen sind neidisch

Christoph Bertram, Vorsitzender der Stiftung für Wissenschaft und Politik:

"Polen hat lediglich 200 Soldaten nach Irak entsandt und leistete damit viel weniger als die Bundesrepublik Deutschland. Polen benimmt sich jedoch jetzt so, als ob es die dritte Großmacht neben den USA und Großbritannien wäre."

Friedbert Pflüger, Spitzenpolitiker der CDU und Experte für internationale Angelegenheiten:

"Polen ist in die Extraklasse aufgestiegen, während Deutschland in die Dritte Liga abgestiegen ist." (...) (Sta)

  • Datum 05.05.2003
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  • Permalink http://p.dw.com/p/3bSO
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