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Politik

Großer Andrang bei Wahl in Sierra Leone

Die Bürger des westafrikanischen Staates Sierra Leone haben am Samstag ein neues Parlament und einen neuen Präsidenten gewählt. Durch organisatorische Schwierigkeiten öffneten die Wahllokale vielerorts verspätet.

Menschenmenge vor einem Wahlbüro, Quelle: AP

Unzufrieden, weil sie so lange auf ihre Stimmabgabe warten müssen

Nur wenige der mehr als 6000 Einrichtungen öffneten rechtzeitig. Viele Wähler mussten stundenlang Schlange stehen, um ihre Stimme abzugeben. Da einige Lokale als nicht sicher genug für die Aufbewahrung der Wahlunterlagen eingestuft worden waren, brachten Vertreter der Wahlkommission die Papiere erst am Samstagmorgen dorthin. Weil die Straßen durch tagelange Regenfälle aber völlig aufgeweicht waren, führte dies vielerorts zu Verspätungen. Vor allem im unerschlossenen Osten waren Wahlurnen erst in letzter Minute angekommen.

"Wir wollen wählen!"

Viele Menschen warten mit Regenschirm in einer langen Schlange vor einem Wahlbüro, Quelle: AP

Viele der insgesamt 2,6 Millionen Wahlberechtigten hatten sich schon zwei Stunden vor der Öffnung der Wahllokale um 7 Uhr Ortszeit (9 Uhr MESZ) eingefunden und warteten in teilweise hunderte Meter langen Schlangen auf ihre Stimmabgabe. In der Wilberforce-Grundschule in der Hauptstadt Freetown drängten sich Massen von Wählern vor dem Eingang und skandierten: "Wir wollen wählen!" Es zeichnete sich eine hohe Wahlbeteiligung ab.

Die Wahl gilt als entscheidender Test für die junge Demokratie des westafrikanischen Landes, das von 1991 bis 2001 einen grausamen Bürgerkrieg erlebte. 120.000 Menschen wurden dabei getötet, Tausende wurden von brutalen Kämpfern der Rebellen drangsaliert. Finanziert wurden die Rebellen durch den Verkauf von Rohstoffen, weshalb im Zusammenhang mit Sierra Leone oft von "Blut-Diamanten" gesprochen wird. Obwohl das Land über erhebliche Vorkommen an wertvollen Rohstoffen, darunter auch Diamanten, verfügt, wird es von der UNO als das zweitärmste Land der Welt eingestuft.

Parlament und Präsident stehen zur Wahl

Präsident Ahmed Tejan Kabbah spricht während einer Wahlkampfveranstaltung mit seinem Stellvertreter Solomon Berewa, Quelle: AP

Jetziger und zukünftiger Präsident? Ahmed Tejan Kabbah (r.) und Solomon Berewa

Bei den Parlamentswahlen geht es um 112 Sitze des Ein-Kammer-Parlaments, um die sich 566 Kandidaten bewerben. Sieben Kandidaten wollen die Nachfolge von Präsident Ahmad Tejan Kabbah antreten, der nach zwei Amtszeiten nicht mehr kandidieren darf. Kabbah gab seinem bisherigen Stellvertreter und Kandidaten der regierenden Sierra Leone People's Party (SLPP), Solomon Berewa, seine Unterstützung. Aussichtsreichster Rivale Berewas ist Ernest Koroma, Vorsitzender des All People's Congress (APC). SLPP und APC haben das Land seit dem Ende der britischen Kolonialherrschaft 1961 fast ausschließlich regiert.

Der Wahlkampf war von Korruptionsvorwürfen in der Regierung geprägt gewesen. Vor allem jugendliche Wähler hatten angekündigt, ihre Stimme der Opposition zu geben. Sollte keiner der Präsidentschaftskandidaten mehr als 55 Prozent der abgegebenen Stimmen erreichen, gibt es in zwei Wochen eine Stichwahl. Erste Ergebnisse werden frühestens Anfang der Woche erwartet.

Urnengang unter Beobachtung

Häuser neben einer überfluteten Straße, Quelle: AP

Durch starke Regenfälle vor der Wahl kamen viele Urnen erst verspätet an

350 ausländische Wahl-Beobachter wurden von der EU, dem Commonwealth, der Afrikanischen Union und der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS entsandt. Im Südosten des Landes war es im Wahlkampf sporadisch zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen. Auch nach der Wahl schlossen Beobachter Kämpfe in einigen Regionen nicht aus. Es war der zweite Urnengang seit dem Ende des Bürgerkrieges, der erste seit dem Abzug einer 17.500 Mann starken UN-Friedenstruppe im Jahr 2005. (je)

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