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Politik

Große Verunsicherung nach neuen Anschlägen auf dem Sinai

Zwei Tage nach den Anschlägen von Dahab sprengten sich am Mittwoch im Norden des Sinai zwei Selbstmordattentäter in die Luft. Vieles deutet auf einen Zusammenhang zwischen den Anschlägen hin.

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Die Aufräumarbeiten in Dahab sind noch nicht abgeschlossen, da schlagen Selbstmordattentäter erneut zu

Nur zwei Tage nach dem tödlichen Dreifachattentat im ägyptischen Badeort Dahab wurde die Sinai-Halbinsel am Mittwoch (26.4.2006) erneut Ziel von Terroristen: Zwei Selbstmordattentäter sprengten sich vor einem Stützpunkt der multinationalen Beobachtertruppe MFO in die Luft.

Keine Verletzten bei Anschlägen auf internationale Beobachtertruppe

Die MFO-Mitarbeiter waren mit zwei Wagen vom Gazastreifen in Richtung El Gora unterwegs, als sie, rund fünf Kilometer von der dortigen MFO-Basis entfernt, angegriffen wurden. Als ein Polizeiwagen zum Ort des ersten Anschlags fuhr, löste ein zweiter Attentäter östlich von El Gora eine Explosion aus. Bei den beiden Anschlägen wurde laut ägyptischem Innenministerium niemand verletzt. Die beiden Selbstmordattentäter starben.

Die MFO ist eine von der UNO unabhängige Mission, die seit dem Rückzug Israels vom Sinai 1982 auf der Halbinsel stationiert ist. Zu ihr gehören elf Länder unter US-Führung. Sie überwachen die Einhaltung des Friedensabkommens von 1979 zwischen Israel und Ägypten.

Attentäter gingen mit äußerster Präzision vor

Dahar am Tag danach

Dahab am Tag danach

Die Ägpyter sind angesichts der neuerlichen Gewalt der Extremisten tief verunsichert und verängstigt. Bei den Bombenanschlägen in Dahab waren am Montag (24.4.2006) unterschiedlichen Angaben zufolge 18 bis 24 Menschen ums Leben gekommen. Dabei gingen die Attentäter gingen mit einer Präzision vor, die auf einen hohen Organisationsgrad schließen lässt.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Anschlägen?

Auch am Mittwoch verging nicht viel Zeit zwischen den beiden Angriffen. Dies lässt die vom ägyptischen Innenministerium verbreitete Version von der Unheil stiftenden Beduinen-Truppe aus Sicht der meisten Beobachter unglaubwürdig erscheinen. Seit den Bombenanschlägen von Dahab nahmen die ägyptischen Sicherheitskräfte rund dreißig Verdächtige, vor allem Beduinen vom Sinai, fest. Sicherheitskreisen zufolge deutet die Vorgehensweise der Täter in Dahab allerdings vielmehr auf eine enge Verbindung zum Terrornetzwerk El Kaida hin.

Außerdem bekräftigen Sicherheitskreise am Mittwoch die These, dass es einen Zusammenhang zwischen den Anschlägen von Dahab und jenen von Taba 2004 und Scharm-el-Scheich 2005 geben könnte. Zu diesen hatte sich die islamistische Gruppe Al-Tawhid wal Dschihad bekannt.

UN-Sicherheitsrat verurteilt Terroranschläge

Demonstration gegen den Terror

Ägypter demonstrierten am Dienstag in Dahab gegen den Terror

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verurteilte die Terroranschläge in Ägypten aufs Schärfste. Er forderte alle Länder zur Zusammenarbeit auf, um die Täter, ihre Hintermänner und die Geldgeber zur Rechenschaft zu ziehen. In einer von allen 15 Mitgliedern gebilligten Erklärung hieß es, der Terrorismus sei eine "der ernstesten Bedrohungen des internationalen Friedens und der Sicherheit" und könne nie gerechtfertigt werden.

Unterdessen trafen am Mittwoch die beiden bei den Anschlägen von Dahab verletzten Deutschen in der Bundesrepublik ein, wie ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin mitteilte. Beide seien nicht schwer verwundet gewesen und hätten in ihre Heimat fliegen können. Es handelt sich um eine Frau aus Baden-Württemberg und deren Lebensgefährten. Der zehnjährige Sohn der Frau war als einziger Deutscher bei den Anschlägen ums Leben gekommen.

Reiseveranstalter fliegen Ägypten weiterhin an

Derweil wollen die deutschen Reiseveranstalter nach den erneuten Bombenanschlägen ihr Reiseangebot nach Ägypten unverändert aufrecht erhalten. Die für die kommenden Tage geplanten Flüge zu den Urlaubsorten auf dem Sinai würden stattfinden, sagten Sprecher der beiden führenden Touristikunternehmen TUI und Thomas Cook am Mittwoch. Es gebe weiterhin nur eine geringe Anzahl von Umbuchungen oder Stornierungswünschen von Ägypten-Urlaubern. Bis jetzt hat das Auswärtige Amt keine formelle Reisewarnung für Ägypten ausgesprochen. (ana)

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