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Kultur

Große Retrospektive für Anselm Kiefer

Die Royal Academy of Arts widmet dem deutschen Maler und Bildhauer eine Ausstellung in London. Sie zeigt neben umstrittenen Werken der 1960er Jahre auch zeitgenössische Projekte und Installationen.

Anselm Kiefer, 1945 in Donaueschingen geboren, wächst in der Nachkriegszeit auf. Diese Erfahrung prägt den Beuys-Schüler. Kiefer beschäftigt sich in seinen Werken intensiv mit dem Holocaust. Er inszeniert sich als Kunststudent in seiner Serie "Heroische Sinnbilder" selbst: in Führerpose oder als Wasserleiche in der Haltung des ertrunkenen bayerischen Königs Ludwig II. Aus Familienerzählungen erinnert er sich, dass der Wald als Versteck für die letzten Kriegstage diente. Kiefer verwendet Materialien wie Holz, Lehm, Ton, Asche und Stroh, um seinen Werken Symbolcharakter zu verleihen.

Die Kraft der Zerstörung ein ästhetisches Mittel

Die britische Tageszeitung "Guardian" schreibt dazu, dass Kiefer wie kein anderer den Mut gezeigt hätte, sich mit der Last der Geschichte und dem Dunkel der Vergangenheit moralisch auseinanderzusetzen. Blutbefleckter Schnee ist bei Kiefer als Metapher für eine Landschaft zu verstehen, die auf Grund der Schrecken, die sie miterleben musste, abgestorben und erstarrt scheint. Für ihn ist die Kraft der Zerstörung ein ästhetisches Mittel. Das zeigt sich in Kiefers Werken, die sich neben dem Holocaust thematisch mit der Geschichte, der Philosophie, der Alchemie und der Mythologie beschäftigen.

Ende der 1980er Jahre ehrt ihn das "Time"-Magazin als "besten Künstler seiner Generation auf beiden Seiten des Atlantiks". Wenig später verlässt Deutschland, zieht ins südfranzösische Barjac und eröffnet dort sein Atelier auf einem 35 Hektar großen Gelände. Dann nimmt er sich eine Auszeit von der Malerei – reist, fotografiert, schreibt. Seit 1996 ist er Ehrenmitglied der Royal Academy of Arts. 2007 gestaltet er im Auftrag des Louvre ein Wandbild. Ein Jahr später wird er mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

Die Retrospektive in der Londoner Ausstellung zeigt eine chronologisch angeordnete Schau, beginnend mit der Installation "Schicksale der Völker", die an die Regel- und Sinnlosigkeit historischer Seeschlachten erinnern soll. Sie zeigt die umstrittene Serie "Heroische Sinnbilder" und die mythisch-inspirierten Dachbodengemälde "Vater, Sohn, Heiliger Geist". Präsentiert werden zudem seine Monumentalwerke "Schwarze Flocken" und "Die Orden der Nacht". Die Ausstellung ist noch bis zum 14.12.2014 zu sehen.

cc/rey (dpa, taz.de)

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