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Wirtschaft

Große Mehrheit für Mindestlohn

Die große Mehrheit der deutschen Bevölkerung befürwortet einer Umfrage zufolge weiterhin den Mindestlohn - trotz der Debatte um die als bürokratisch kritisierten Dokumentationspflichten.

Demnach halten 86 Prozent die Einführung der gesetzlichen Lohnuntergrenze in Höhe von 8,50 Euro nach wie vor für richtig. Nur etwa jeder Zehnte lehne das Gesetz ab, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf eine repräsentative Umfrage von Infratest Dimap im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

"Die Bürger lassen sich offensichtlich nicht davon irritieren, dass Teile der Wirtschaft und der CDU/CSU die Bürokratie-Keule aus der Ecke geholt haben und versuchen, völlig normale Vorgänge - wie die Dokumentation von Arbeitszeiten - zu diskreditieren", sagte das DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell dem Blatt. Gefragt wurden dem Bericht zufolge vom 21. bis 25. Februar gut 1000 repräsentativ ausgewählte Bürger.

Unterschiede in Europa

Die gesetzlichen Mindestlöhne in Europa haben zum Jahresbeginn nach einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung im Durchschnitt zugelegt. Deutschland liegt nach der Untersuchung nur am "unteren Rand der westeuropäischen Spitzengruppe". Die 8,50 Euro seien hier "moderat". Frankreich hatte seinen Brutto-Mindestlohn zum Jahresbeginn auf 9,61 Euro angehoben, die Niederlande auf 9,21 Euro. Großbritannien liegt mit umgerechnet 8,06 Euro unter dem deutschen Niveau. Dieser Wert sei aber stark von der Schwäche des Pfundes beeinflusst, so die Stiftung.

Die Unterschiede zwischen den einzelnen EU-Ländern bleiben laut der Analyse gewaltig: In Bulgarien müssen etwa nur 1,06 Euro pro Stunde gezahlt werden, in Luxemburg dagegen 11,12 Euro. Die Autoren der Studie plädieren für europaweite Mindestlohn-Standards. Dies würde Armutslöhne verhindern und die Volkswirtschaften in Europa gegen drohende Deflationstendenzen schützen, argumentieren sie.

ul/bea (dpa)