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Kultur

Große Kultur in kleiner Stadt

Bayreuth ist während der Richard-Wagner-Festspiele stets Weltstadt auf Zeit. Kartenbestellungen können bis zu sieben Jahre dauern. Warum finden die Wagner-Festspiele ausgerechnet in Bayreuth statt? Eine Spurensuche.

Wagner,Goetterdaemmerung / Bayreuth 1954 Wagner, Richard, Komponist, 1813-1883. Werke: Goetterdaemmerung (UA 1874) - Festspiele Bayreuth 1954: Szenenbild II. Akt. (Inszenierung und Spielleitung: Wieland Wagner). - Foto.

Szene aus "Götterdämmerung" von 1954

Bayreuth Festspielhaus

Bayreuth Festspielhaus

Vor vierhundert Jahren etablierte der Markgraf Christian seine Residenz in Bayreuth. Später machte die preußische Kunstliebhaberin Markgräfin Wilhelmine, Schwester Friedrichs des Großen, aus der Residenzstadt eine Kulturmetropole und ein barockes Juwel. Neben dem "Neuen Schloss" mit Hofgarten und der "Schlosspark Eremitage" ragt in der Stadt das Markgräfliche Opernhaus heraus, das als schönstes erhaltenes Barocktheater Europas gilt.

Es begann mit einem Traum

Wie entstand die so schicksalträchtige Verbindung von Wagner und Bayreuth? Wagner, der Komponist, Autor und Regisseur in Personalunion war, träumte vom Gesamtkunstwerk, also einer perfekten Verschmelzung von Wort, Gesang, Szene und Handlung. Für das ambitionierte Vorhaben waren die etablierten Theaterbetriebe in den Kunstmetropolen völlig ungeeignet. So ging mit seinem künstlerischen Traum auch der Traum von eigenen Festspielen einher. Das markgräfliche Opernhaus geriet in seinen Blick, weil es seinerzeit die größte Bühne im deutschsprachigen Raum war. Im Frühjahr 1871 kam Wagner mit seiner Frau Cosima nach Bayreuth, erkannte aber, dass ein höfisches Logentheater für seine Zwecke unbrauchbar war. "Dennoch hatten die Eigentümlichkeit und die Lage der freundlichen Stadt selbst meinen Wünschen entsprochen", schrieb er. "Ein unvergleichlich schönes und ausgiebiges Grundstück, unweit der Stadt selbst, ward mir zu dem Zweck der Errichtung des von mir gedachten Theaters geschenkt."

Der Grundstein zu Wagners Festspielhaus wurde im Mai 1872 gelegt. Darin verschloss Wagner diese Inschrift: "Hier schließ' ich ein Geheimnis ein, da ruh' es hundert Jahr': so lange es verwahrt der Stein, macht es der Welt sich offenbar."

Promis und Parteivorsitzende

Angela Merkel mit Ehemann Joachim Sauer gehören zum erlauchten Gästekreis - dieses Foto lösten einen Schweißfleck-Skandal aus, weil es beim Bayerischen Rundfunk manipuliert wurde (25. Juli 2005. AP Photo/Eckehard Schulz)

Angela Merkel mit Ehemann Joachim Sauer gehören zum erlauchten Gästekreis

Das Bayreuther Festspielhaus ist sowohl Welt-Kulturerbe als auch ein hochmodernes Theater. Dort werden einzig und allein die Werke Richard Wagners aufgeführt, die sich auf germanische Mythologie gründen. Am Abend tummeln sich Götter, Riesen und Nibelungen auf der Bühne. Schon frühmorgens stehen Kartensuchende draußen am Gelände. Auf dem offiziellen Weg dauert es bis zu sieben Jahren bis man eine Karte bekommt. Die Zahl der Kartenwünsche ist um ein zehnfaches größer als die des Angebots.

Am Eröffnungstag ist Bayreuth Mythos, Mode und Mediengipfel. Staatspräsidenten und Parteivorsitzende mischen sich mit Promis aus dem Show-Business. Die Musikkritiker aus aller Welt fallen weniger ins Auge, transportieren aber jede Nuance der Aufführungen in die Welt und machen Bayreuth zu einer Art Stimmungsbarometer der Nation und der Theaterwelt.

Katharina Wagners Rolle

Seit 1876 begleiteten die Bayreuther Festspiele alle Höhen und Tiefen der deutschen Geschichte. Inmitten dieses Nervenzentrums schaltet und waltet der Enkel des Komponisten, Wolfgang Wagner, 87 Jahre alt, Leiter der Bayreuther Festspiele seit 1951.

Der Prozess, für Wolfgang Wagner einen Nachfolger zu finden, scheiterte an seinem Vertrag auf Lebenszeit und an seinem erbitterten Widerstand gegen alle ihm nicht genehmen Lösungen. Als mögliche Nachfolgerin richten sich zurzeit alle Augen auf seine jüngste Tochter Katharina, die wie ihr Vater den Betrieb von der Pike auf kennen lernte. Als Regisseurin an anderen Orten erntete die 29-Jährige bereits einige Anerkennung der Kritik. Die kommende Festspiel-Saison beginnt am 25. Juli mit ihrer ersten Bayreuther Inszenierung. Sie wird "Die Meistersinger von Nürnberg" in Szene setzen.

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