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Amerika

Große Bücherschau am Malecón

Für Presse- und Meinungsfreiheit ist Kuba nicht eben berühmt. Doch ausgerechnet Havanna richtet jedes Jahr eine der größten Buchmessen der Region aus. Den Kubanern eröffnen sich dadurch ungewohnte Möglichkeiten.

Havanna Blick auf die Bucht von Havanna mit der Uferpromenade Malecon und dem Stadtteil Vedado, aufgenommen am 29. Februar 2000.

Kulisse der Bchmesse: die Bucht von Havanna.

Die alte Festungsanlage San Carlos de la Cabaña am Eingang des Hafenbeckens in Havanna ist ein geschichtsträchtiger Ort. Im 18. Jahrhundert von den Spaniern erbaut, saß hier der kubanische Volksheld José Martí während des Batista-Regimes hinter Gittern und kein Geringerer als Ernesto "Che" Guevara richtete hier seine Kommandantur ein.

Vom 12. bis zum 21. Februar 2010 verwandelt sich das ehemalige Gefängnis in einen riesigen Buchladen. Dann öffnet die Buchmesse in Havanna ihre Pforten, eines de wichtigsten Kulturereignissen auf der Karibikinsel. Es werden bis zu 600.000 Besucher erwartet.

Internationales Publikum

Die Publikumsmesse richtet sich vor allem an die Kubaner und ist ein Treffpunkt für Fachbesucher vor allem aus dem karibischen Raum und dem nördlichen Südamerika. Aber es sind nicht nur die lateinamerikanischen Nachbarn anwesend.

Als Gastland ist diese Mal Russland mit einem umfangreichen literarischen und kulturellen Programm vertreten. Russland und Kuba feiern in diesem Jahr das 50-jährige Bestehen ihrer diplomatischen Beziehungen.

Als Ehrengast wird Nadine Gordimer erwartet. Die südafrikanische Nobelpreisträgerin hatte vor kurzem in einem Interview mit der kubanischen Zeitschrift La Jiribilla die Aufhebung des von den USA in den 60er-Jahren gegen Kuba verhängten Embargos gefordert.

Am Deutschen Gemeinschaftsstand stellen 150 Verlage etwa 500 Titel aus, die meisten davon in spanischer Übersetzung. Hervorgehoben werden die Gewinner des Deutschen Buchpreises 2009 und der Themenschwerpunkt "auf Humboldts Spuren".

Ungewohnte Auswahl

2004 war Deutschland Gastland bei der Buchmesse in Havanna. Aber es kamen nur 35 deutsche Verlage. Die Frankfurter Buchmesse und das Auswärtigen Amtes beteiligten sich nicht, da weil die Europäische Union als Reaktion auf Repressionen der Regierung Fidel Castros gegen politische Dissidenten und Bootsflüchtlinge die Beziehungen auf Eis gelegt hatte.

Auch in Sachen Meinungsfreiheit gerät Kuba immer wieder in die Kritik. Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen fand sich Kuba 2009 auf den letzten 5 Plätzen wieder.

Laut Dieter Schmidt, für die Frankfurter Buchmesse vor Ort in Havanna, sind die deutschen Aussteller nicht von einer inhaltlichen Zensur betroffen. "Wir aus Deutschland haben überhaupt keine Probleme", so Dieter Schmidt gegenüber DW-WORLD.DE. Es gäbe allein ein "zolltechnisches Verfahren wie überall".

Viele Bücher finden schon allein deswegen nicht den Weg nach Kuba, weil sie gar nicht erst ins Spanische übersetzt werden oder sich kein Verlag findet, der sie auf dem kleinen kubanischen Markt vertreiben würde.

Auf der Messe können die Kubaner jetzt zehn Tage lang in einem ungewohnt großen Angebot von Lesestoff stöbern - und Bücher auch kaufen. Und laut Dieter Schmidt zeigen sie dabei auch großes Interesse an der deutschen Literatur.

Autor: Julia Belke

Redaktion: Sven Töniges

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