Großdemonstration gegen Kompromiss im Streit um den Namen Mazedonien | Aktuell Europa | DW | 21.01.2018
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Griechenland

Großdemonstration gegen Kompromiss im Streit um den Namen Mazedonien

Im nordgriechischen Thessaloniki sind zehntausende Menschen gegen einen Kompromiss im Namensstreit mit dem nördlichen Nachbarstaat auf die Straße gegangen. Sie wollen den Namen Mazedonien mit Niemandem teilen.

Die Menge skandierte Sprüche wie: "Mazedonien ist griechisch und nur griechisch" - "Nur wir sind die wahren Mazedonier" - "Der Name Mazedonien gehört uns alleine". Zu der Kundgebung aufgerufen hatten nationalistische und rechtsextreme Gruppen. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich an der Kundgebung rund 90.000 Menschen. Die Teilnehmer kamen demnach mit fast 300 Bussen aus dem ganzen Land in die Hafenstadt Thessaloniki. Die Organisatoren sprachen von mehreren Hunderttausend Teilnehmern.

Griechen sehen ihr nationales Erbe gefährdet

Die Demonstranten versammelten sich um eine Statue von Alexander dem Großen, dem berühmtesten König des antiken Mazedonien. Am Rande der Protestaktion kam es zu Rangeleien zwischen Teilnehmern und Anarchisten, die eine Gegendemonstration organisiert hatten. Die Polizei setzte Tränengas ein.

Der Namensstreit belastet die Beziehungen zwischen Griechenland und seinem nördlichen Nachbarn schon seit mehr als 25 Jahren. Der Konflikt reicht ins Jahr 1991 zurück, als die ehemalige jugoslawische Teilrepublik ihre Unabhängigkeit erklärte und den Namen Mazedonien für sich wählte.

Aus Sicht Griechenlands ist der Name Mazedonien jedoch Teil des griechischen Nationalerbes und suggeriert einen Anspruch auf die nordgriechische Provinz gleichen Namens. Thessaloniki, Griechenlands zweitgrößte Stadt, ist die Hauptstadt der Provinz Mazedonien. Eine Folge des schwelenden Streits ist es, dass Mazedonien bei den Vereinten Nationen unter dem sperrigen Namen "Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien" geführt wird. Wegen des Namensstreits blockiert Griechenland zudem seit Jahren den Beginn von Beitrittsgesprächen Skopjes zu EU und NATO.

Nationalistische Griechen demonstrieren im Namensstreit mit Mazedonien (Reuters/A. Avramidis)

Im Hintergrund - der Nationalheld Alexander der Große

Kompromiss ohne die Bevölkerung

Zuletzt zeichnete sich eine Einigung zwischen den Regierungen beider Länder ab. Der UN-Vermittler in dem Streit, Matthew Nimetz, zeigte sich kürzlich "sehr optimistisch, dass der Prozess in eine positive Richtung geht". Nimetz hat laut Medienberichten fünf Namensvorschläge unterbreitet, die alle das Wort Mazedonien enthalten, unter anderem Nord-Mazedonien und Neu-Mazedonien.

Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras sagte, es sei logisch, dass der Name Mazedonien in der Bezeichnung des Nachbarn mit einer geografischen oder zeitlichen Definition im neuen Namen beinhaltet sein könnte. "Es wäre nationaler Unsinn, diese Chance (für die Überwindung des Streits) nicht zu nutzen", erklärte Tsipras in einem Interview mit der Athener Zeitung "Ethnos" am Sonntag.

qu/hf (dpa, afp)