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Wirtschaft

Großbritannien: "Stabile Wechselkurse sind vorteilhaft"

Interview mit dem britischen Notenbankchef Sir Edward George zum möglichen Beitritt Großbritanniens zur Euro-Zone

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Bisher hatte der Euro in London eher düstere Aussichten

Würden Sie gerne sehen, dass Großbritannien der Euro-Zone beitritt?

Nun, dies ist letztlich ein politische Entscheidung, und als Zentralbanker versuche ich, mich aus der Politik herauszuhalten. Aber ich sehe es als meine Aufgabe an, die Aufmerksamkeit auf die wirtschaftlichen Vor- und Nachteile zu lenken, denn es gibt Vor- und Nachteile.

Die nominelle Stabilität des Wechselkurses mit unseren wichtigsten Handelspartnern ist ein potentieller Vorteil. Auch die breiteren, liquideren Finanzmärkte, die entstehen würden, wenn das Pfund Sterling beim Euro dabei wäre, versprechen Vorteile.

Für einen Nachteil und potentielles Risiko halte ich die "One-size-fits-all" Geldpolitik, denn dieselbe Geldpolitik muss nicht für jedes Land zu jedem Zeitpunkt die beste sein. Die Frage ist, wie ernst man dieses Risiko nehmen muss, und ich halte es für meine Aufgabe, dass über die Vor- und Nachteile nachgedacht wird.

Sie können wohl keine Entscheidung über den Euro-Beitritt treffen, aber vielleicht haben Sie dennoch eine Meinung dazu?

Ich glaube, dass sich die wirtschaftlichen Argumente über die Vor- und Nachteile so ziemlich die Waage halten. Habe ich eine Meinung dazu? Ich glaube, es hängt sehr davon ab, wo wir stehen. Wie Sie wissen, wird unser Finanzminister vor der Mitte des Jahres 2003 seine Einschätzung zu fünf Kriterien abgeben, die er für wichtig hält. Nun, dies mögen für ihn wichtige Punkte sein.

Ich persönlich glaube, die wichtigen Fragen sind: Wo stehen wir dann im Hinblick auf den Wechselkurs zu Euro? Wo werden wir im Hinblick auf die relativen Konjunkturzyklen stehen? Das wird eine enorm wichtige Frage sein. Bevor wir an diesen Punkt kommen möchte ich daher keine Meinung äußern.

Für die Deutschen war es ein großes Dilemma, die D-Mark aufzugeben. Auch den Franzosen fiel es schwer, den Franc für die wirtschaftliche Einigung Europas zu opfern. Warum hat Großbritannien noch weit strengere Kriterien als andere starke Mitglieder der Europäischen Union?

Das ist eine extrem interessante Frage. Ich glaube, dass es vielmehr die Politik als die Wirtschaft war, die die Einführung des Euro in Kontinental-Europa vorangetrieben hat.

Ich glaube, die wirtschaftliche Debatte war hier im Vereinigten Königreich sehr viel entwickelter. Es waren Überlegungen über Krieg und Frieden im 21.Jahrhundert, die die eigentliche Dynamik für die Enführung des Euro auslösten.

Die britische Öffentlichkeit steht dem Euro offenbar recht kritisch gegenüber und die Regierung hat ein Referendum über den Beitritt zur Euro-Zone für den Zeitpunkt angekündigt, an dem ihre eigenen Kriterien erfüllt sind. Glauben Sie, zu diesem Zeitpunkt könnten die Bürgerinnen und Bürger den Euro akzeptieren?

Ich glaube, dass hängt ganz davon ab, wie energisch man die Sache angeht, inwieweit es möglich ist, klare und eindeutige Argumente vorzutragen. Ich glaube nicht, daß das eine Zustimmung unmöglich ist. Aber ich sehe die Meinungsumfragen wie Sie. Und im Moment wäre es sehr schwierig.

Seit seiner Einführung im Jahre 1999 hat der Euro bis zu zwanzig Prozent seines Außenwerts gegenüber dem Pfund Sterling eingebüsst. Dies hat auf der anderen Seite britische Produkte sehr teuer gemacht. Sehen Sie den Aussenwert des Pfundes als Hindernis für Exporte oder bedeutet er grössere Vorteile?

Grundsätzlich kann ein starker Wechselkurs in aussenwirtschaftlich exponierten Bereichen zu einer Verbesserung der Produktivität führen. Was wir im Moment beobachten, geht allerdings darüber hinaus: Ich glaube, unter den Bedingungen der Verlangsamung der Weltkonjunktur war der hohe Wechselkurs schlecht für das Vereinigte Königreich.

Tatsächlich kommen die meisten ökonomischen Probleme, mit denen wir derzeit konfrontiert, aus Übersee. Und es ist sehr schwierig für uns, daran etwas zu ändern.

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  • Datum 02.01.2002
  • Autorin/Autor Andrea Sanke
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  • Permalink http://p.dw.com/p/1fQm
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