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Welt

Großbritannien fürchtet Migrantenwelle

Ende 2013 wird Großbritannien die Grenzen für zwei weitere EU-Mitgliedsländer öffnen müssen: Rumänien und Bulgarien. Die Regierung plant eine genaue Kontrolle der Zuwanderung, denn sie fürchtet einen Ansturm.

Große Namen, bekannte Marken, ein "cooles" Land: So zeichnet eine Imagekampagne des englischen Außenministeriums das Vereinigte Königreich. Die sogenannte "GREAT"-Kampagne läuft bereits seit 2011, und sie lädt "die Welt ein, einen neuen Blick auf all das zu werfen, was Großbritannien zu bieten hat", steht auf der Webseite des Außenministeriums.

Die Stärken Großbritanniens soll sie präsentieren, das Ansehen des Landes im Ausland fördern, Besucher und Investoren anlocken, jetzt, da die Inselnation wie viele europäische Länder mit Sparmaßnahmen zu kämpfen hat. Gleichzeitig versucht die konservative Regierung jedoch, die Anzahl der Einwanderer nach Großbritannien zu senken. Neuerdings werde sogar überlegt, wie man das "GREAT"-Image zumindest in Ländern wie Rumänien und Bulgarien wieder los werde, hieß es in jüngeren Medienberichten.

Flaggen von Rumänien und Bulgarien (Foto: Vassil Donev / dpa)

Ende 2013 werden Rumänien und Bulgarien Vollmitglieder der Europäischen Union

Auf DW-Anfrage konnte das britische Innenministerium nicht bestätigen, woher diese Meldungen stammen. Immigrationsminister Mark Harper bestritt vor laufenden Kameras, man habe in Richtung Rumänien und Bulgarien eine "Anti-Imagekampagne" geplant. Tatsächlich sollen allerdings die Zuwanderungen nach Großbritannien gesenkt werden: "Wir arbeiten daran, bis 2015 die Migrationszahlen von mehren Hunderttausend auf mehrere Zehntausend zu senken. Unsere strengen neuen Regeln greifen bereits, die Einwandererzahlen sind im vergangenen Jahr um ein Viertel zurückgegangen."

Diplomatischer Eklat

Die Berichte über die angebliche Angst der Briten vor einer Invasion durch Rumänen und Bulgaren haben dennoch schon jetzt für einen diplomatischen Eklat gesorgt. Der rumänische Außenminister Titus Corlatean wird mit den Worten zitiert, seine Regierung mache sich "große Sorgen" über die britische Haltung. Und Rumäniens Botschafter Ion Jinga winkt ab: "Wir werden schon nicht bei euch einfallen!"

Es gebe Ängste vor einer Einwanderungswelle wie 2004, als Zuwanderer aus Polen, der Tschechischen Republik und Ungarn nach Großbritannien kamen, meint Jinga, "aber als Polen der EU beitrat, waren ja nur drei Länder für den Arbeitsmarkt geöffnet - und jetzt sind alle 25 Länder offen." 2004, bei der letzten EU-Erweiterung, erwartete die Labour-Regierung ein paar tausend polnische Migranten. Tatsächlich kamen allerdings viele Tausende mehr.

"Migration ist kein Hobby"

"Migration ist kein Hobby. Niemand macht das aus Spaß", erklärt ein rumänischer Akademiker, der anonym bleiben möchte, im Interview mit der DW. Auch er hat lange in Großbritannien gelebt. "Die meisten Leute entscheiden sich auszuwandern, weil sie keine andere Wahl haben."

Alina Branda untersucht seit längerem die Lage der Migranten in den Karpathen. Die Dozentin für Europäische Studien und Migration an der rumänischen Cluj-Napoca Universität erklärt gegenüber der DW, Migration sei ein zyklisches Phänomen: Die meisten Rumänen kehrten später wieder nach Rumänien zurück. Viele Migranten gingen außerdem an Orte, an denen bereits andere Rumänen lebten. In Italien ließen sich manche als "badanti" nieder, als Pflegekräfte für Senioren. "Dort verdienen sie etwa 600 bis 700 Euro im Monat - das Dreifache der durchschnittlichen staatlichen Rente in Rumänien", sagt Branda.

Roma-Frau (Foto: Kenzo Tribouillard)

"Migration Watch UK" rechnet mit unvorhersehbar vielen Zuwanderungen aus Rumänien

Rapider Anstieg der Zuwanderungszahlen

Seit 2001 verzeichnet Großbritannien fast drei Millionen Einwanderer, das bedeutet einen Anstieg der Zuwanderungszahlen um 66 Prozent. Sir Andrew Green, Vorsitzender der Organisation "Migration Watch UK", benennt die Risiken: Die Zuwanderungen haben "große Konsequenzen für den Wohnungsbau und die Stadtwerke. Zudem verstärken sie den Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt, mit dem junge britische Arbeiter konfrontiert werden." Seine Organisation schätzt, dass sich die Migration aus Rumänien und Bulgarien auf "durchschnittlich 50.000 Menschen pro Jahr, also 250.000 in fünf Jahren" belaufen könnte.

Die britische Regierung tüftelt derweil an den Gesetzen des Sozialstaats. Wie sich Gesetzesänderungen auswirken würden, könne man derzeit jedoch noch nicht sagen, meint das Innenministerium. Die Leistungen an Migranten würden zurzeit jedoch genau überprüft, um sicherzustellen, dass Großbritannien zumindest "nicht das leichteste Land" für eine Zuwanderung sei.

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