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Aktuell Deutschland

Großbongardt: "Ein Autopilot tut genau das, was die Piloten sagen"

Der Autopilot eines Flugzeugs warnt vor möglichen Gefahren, erklärt Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt im DW-Interview. Ein automatisches Eingreifen bei Kollisionsgefahr gebe es aber nicht - aus gutem Grund.

DW: Herr Großbongardt, die ersten Auswertungen des Flugdatenschreibers zeigen, dass der Copilot den Autopiloten der Germanwings-Maschine mehrfach verändert hat. Er soll bewusst den Sinkflug ausgelöst haben und den Flieger mehrfach beschleunigt haben. Lässt sich ein Autopilot so einfach auf einen Crashkurs setzen?

Heinrich Großbongardt: Ein Autopilot tut genau das, was die Piloten sagen. Er führt nicht automatisch einen Flug von A nach B durch, sondern die Piloten stellen bestimmte Werte ein, bestimmte Geschwindigkeiten oder an einem Drehregler oberhalb der Instrumente geben sie die Flughöhe ein. Und diese Flughöhe steuert der Autopilot dann automatisch an und hält die. Nichts anderes macht er.

Heinrich Großbongardt Experte (Foto: Expairtise)

Heinrich Großbongardt: Die Piloten müssen die Entscheidung in der Hand haben

Gibt es denn Warnungen, wenn es auf Kollisionskurs geht?

Jedes moderne Flugzeug hat ein sogenanntes "enhanced ground proximity warning system", ein Bodenannäherungswarnsystem, das die Piloten warnt, wenn sie dem Boden zu nahe kommen. Das ist wahrscheinlich auch in diesem Fall passiert. Im Ernstfall sagt es dann wirklich "Terrain! Terrain! pull up! Pull up", also "zieht die Nase hoch!" und das machen die Piloten dann ja. Normalerweise.

Automatisiert könnte ein Ausweichmanöver nicht stattfinden?

Nein. Man muss ja immer sehen: Die Piloten sind diejenigen, die die Situation kennen und es kann ja durchaus sein, dass dieses aus welchen Gründen auch immer gewollt ist. Zum Beispiel um einer anderen Gefahr auszuweichen. Und das ist die Entscheidung der Piloten. Die kennen die Situation und die müssen die Entscheidung in der Hand haben.

Die Meldung der Sensoren erfolgt dann aber nur an das Cockpit?

Alle Warnungen erfolgen nur an die Piloten. Die sind diejenigen, die handeln müssen und die einzigen, die die Situation einschätzen können.

Gilt das auch bei Kollisionsgefahr mit einem anderen Flugzeug?

Auch bei der Kollisionswarnung greift der Autopilot nicht ein. Auch hier gibt er nur eine kurze akkustische Warnung und eine klare Ansage, was die Piloten machen sollen: Nach unten oder nach oben ausweichen.

Das heißt, wenn jemand im Cockpit sitzt, der die Maschine willentlich zum Absturz oder zu einer Kollision bringt, gibt es keine Mechanismen, das zu verhindern?

Gegen jemanden, der willentlich ein Flugzeug zum Absturz bringt, wie wahrscheinlich in diesem Fall, gibt es keine Sicherung. Nein, auf keinen Fall.

Heinrich Großbongardt ist Luftfahrtexperte der Hamburger Expairtise Communications GmbH, einer unabhängigen PR- und Kommunikationsfirma mit Schwerpunkt Luftfahrt.

Das Interview führte Sven Pöhle