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Wirtschaft

Großbanken haben Stresstest bestanden

Europas Großbanken sind für neue Krisen im Großen und Ganzen gut gerüstet. Beim diesjährigen Stresstest der EU-Bankaufsichtsbehörde EBA erwiesen sich deutlich erhöhte Kapitalpuffer als vergleichsweise stabil.

Einzelne Banken zeigten allerdings deutliche Schwächen, so der EBA-Bericht, der am Freitag in London veröffentlicht wurde. "Das Ergebnis zeigt Widerstandsfähigkeit im EU-Banken-Sektor als Ganzes dank erheblicher Kapitalaufstockung", heißt es weiter.

Die neun deutschen Institute im Test erwiesen sich als ausreichend ausgestattet, wenn auch in einigen Fällen nur knapp. Am besten schnitt die NRW Bank ab, die sich auch im schlimmsten Schockszenario mit einer harten Kernkapitalquote von 35,4 Prozent bewährte. Die Deutsche Bank sackte auf 7,8 Prozent ab, die Commerzbank auf 7,4 Prozent. Die Deutsche Bank zeigte sich erleichtert. "Wir sind 2016 mit einem besseren Ergebnis aus dem Test herausgekommen als 2014, obwohl der diesjährige Test anspruchsvoller war", sagte Vorstandschef John Cryan. "Der Stresstest zeigt, dass die Bank auch für härtere Zeiten gewappnet ist."

Unter sieben Prozent wird's kritisch

Aus Sicht von Analysten werden alle Banken kritisch beäugt, deren Kapitalquote im Stress-Szenario unter sieben Prozent fällt. Das italienische Institut Monte dei Paschi und zwei irische Geldhäuser haben ihren Ruf als Sorgenkinder untermauert. Monte Paschi schnitt von den 51 geprüften Geldhäusern am schlechtesten ab, wie die EU-Bankenbehörde EBA mitteilte. Die Bank aus Siena hatte kurz vor der Bekanntgabe der Ergebnisse einen Rettungsplan vorgelegt. Den vorletzten Platz belegte die irische Allied Irish Bank (AIB), auf den Rängen davor liegen die Raiffeisen Zentralbank (RZB) aus Österreich und die Bank of Ireland.

Die Rettung der drittgrößten italienischen Bank Monte dei Paschi di Siena ist indessen in trockenen Tüchern. Wenige Stunden vor Bekanntgabe der Ergebnisse des Stresstests gab die Europäische Zentralbank (EZB) grünes Licht für den Plan, mit dem sich die älteste Bank der Welt bis zum Jahresende ihrer faulen Kredite entledigen will.

Monte dei Paschi gibt neue Aktien aus

Auch eine dringend benötigte Kapitalerhöhung über bis zu fünf Milliarden Euro ist unter Dach und Fach. Ein Konsortium von italienischen und ausländischen Banken - Finanzkreisen zufolge sechs Institute wie die Deutsche Bank, Credit Suisse und Goldman Sachs - sichert die Emission neuer Aktien ab. Ohne eine Lösung hätte der toskanischen Bank die Abwicklung gedroht.

Befreit von den ausfallgefährdeten Krediten und mit frischem Kapital käme die Bank nach eigenen Angaben auf eine stabile Kernkapitalquote von 11,4 Prozent. In der Hoffnung auf eine Lösung hatten die Aktien des Instituts am Freitag mehr als sechs Prozent zugelegt. Trotzdem ist die Bank, die in den vergangenen zwei Jahren acht Milliarden Euro frisches Kapital aufnahm, an der Börse in Mailand gerade noch 900 Millionen Euro wert. Auch andere Bank-Titel legten europaweit kräftig zu.

Die italienische Regierung hatte auf eine Lösung für Monte Paschi mit privatem Kapital gedrängt. Bei einer staatlichen Rettung hätten nach den neuen Regeln zur Abwicklung von Banken in Europa auch die Gläubiger einen Teil ihres Geldes verloren. Die Bank aus Siena hat Anleihen über rund fünf Milliarden Euro überwiegend an Privatleute verkauft. Ein Ausfall hätte nicht nur ein schlechtes Licht auf das ohnehin angeschlagene italienische Bankensystem geworfen, sondern auch Ministerpräsident Matteo Renzi unter Druck gebracht. Er stellt sich im Herbst einem Referendum zur Reform der Verfassung, an das er seine politische Zukunft geknüpft hat.

wen/fab (dpa, afp, rtrd)