Großbank Wells Fargo darf nicht weiter wachsen | Aktuell Amerika | DW | 03.02.2018
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Finanzinstitute

Großbank Wells Fargo darf nicht weiter wachsen

Den Wachstumsstopp verordnete die US-Notenbank Fed - ein einmaliger Schritt der US-Finanzaufsicht. Sie fordert bessere Kontrollen bei Wells Fargo. Die Großbank kämpft mit Folgen eines Skandals um fingierte Bankkonten.

Nach dem Skandal um Scheinkonten und andere dubiose Geschäftspraktiken haben die Aufseher der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) in einem bislang einmaligen Schritt empfindliche Strafen gegen den Finanzkonzern Wells Fargo verhängt.

Wells Fargo dürfe die Bilanzsumme von 1,95 Billionen Dollar (per Ende 2017) erst wieder steigern, wenn sie Unternehmensführung und Kontrollen ausreichend verbessert habe, teilte die US-Notenbank mit. So verlangte die Fed, dass der Finanzkonzern vier Verwaltungsräte austauscht - drei davon bis Ende April.

Fed-Chefin Yellen kritisiert anhaltendes Fehlverhalten

Die US-Zentralbank kritisierte, bei dem Konzern habe das Wachstum eine größere Rolle als effizientes Risikomanagement gespielt. "Wir können bei keiner Bank weit verbreitetes und anhaltendes Fehlverhalten tolerieren", erklärte die scheidende Fed-Chefin Janet Yellen. Wells Fargo werde "nicht mehr expandieren", bis die Bank in der Lage sei, sich gefahrlos zu vergrößern. Aus Behördenkreisen verlautete, die Zentralbank greife nur selten direkt in die Geschäfte eines Geldinstitutes ein. Ein Wachstumsverbot sei noch nie erteilt worden.

USA | Janet Yellen | US-Notenbank hebt Zins zum zweiten Mal in diesem Jahr leicht an (Reuters/J. Roberts)

Fed-Chefin Janet Yellen sanktionierte Wells Fargo

Wells-Fargo-Chef Timothy Sloan sicherte zu, das Finanzinstitut werde "sehr hart" daran arbeiten, die Vorgaben der Fed zu erfüllen. Es sei aber nur ein Schritt im Rahmen von Reformen bei Risikomanagement und Kontrollen in dem Unternehmen.

3,5 Millionen falsche Konten bei Wells Fargo

Im September 2016 war bekannt geworden, dass bei der Bank über die Jahre rund 3,5 Millionen falsche Bankkonten oder Kreditrahmen im Namen von Kunden eröffnet wurden, die davon gar nichts wussten. Wegen der Affäre wurde tausenden Mitarbeitern gekündigt, Vorstandschef John Stumpf nahm seinen Hut. Wells Fargo hat bereits eine Strafe von 185 Millionen Dollar gezahlt. Der Skandal hat dem Ruf der Großbank extrem geschadet.

John Stumpf (picture alliance/AP Photo/C.Owen )

Ex-Vorstand von Wells Fargo: John Stumpf

Wells Fargo hat nun zwei Monate Zeit, einen Plan einzureichen, wie sie ihre Probleme angehen will. Sollten ihn die Aufseher billigen, werden Experten von außen geholt, um die Umsetzung zu überwachen.

Nach dem verordneten Wachstumsstopp gab der Aktienkurs des Unternehmens um 6,1 Prozent nach. Wells Fargo geht nach eigenen Angaben davon aus, dass die Maßnahme der Notenbank-Aufseher in diesem Jahr mit 300 Millionen bis 400 Millionen Dollar beim Gewinn niederschlagen wird. Dies entspricht zwischen 1,5 und 1,9 Prozent der Gewinnsumme im vergangenen Jahr.

cw/se (afp, dpa, rtr)