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Politik & Gesellschaft

Großaufgebot der Polizei stoppt Krawalle

In Großbritannien ist es nach den Krawallen der vergangenen Tage in der Nacht verhältnismäßig ruhig geblieben. Die ersten Randalierer wurden zu Haftstrafen verurteilt. Die Menschen trauern um drei getötete Männer.

Londoner Polizei in der Nacht (Foto: dapd)

Tausende Polizisten in der Nacht auf den Straßen

Polizisten, Polizisten und keine Randalierer. - Das Großaufgebot von 16.000 Polizeibeamten in der Nacht zu Donnerstag (11.08.2011) hat Wirkung gezeigt. In keiner britischen Stadt gab es Krawalle, Brandschatzungen und auch keine Verletzten oder Tote.

Neben der großen polizeilichen Präsenz könnten aber auch die Ankündigungen von Premierminister David Cameron Grund für die angespannte Ruhe gewesen sein. Am Mittwoch hatte der Regierungschef erklärt, dass alle denkbaren Schritte ergriffen werden müssten, "um die Ordnung wiederherzustellen". Cameron hatte etwa damit gedroht, Gummigeschosse und Wasserwerfer einzusetzen.

Mahnwache und Trauer

Polizisten in Birmingham (Foto: dpa)

Nach vier Krawallnächten in Folge blieb es ruhig

In London herrscht aber nach wie vor eine Ausnahmesituation. Über die ganze Nacht hinweg wurden in Gerichten Urteile gegen festgenommene Randalierer gesprochen. In der Hauptstadt bleiben drei Gerichte durchgehend geöffnet. Seit Beginn der Proteste wurden landesweit mehr als 1300 Randalierer festgenommen. 300 wurden bereits angeklagt.

In Birmingham versammelten sich hunderte Menschen bei einer Mahnwache mit Kerzen in der Hand, um drei Männern zu gedenken, die in der Nacht zuvor offenbar mutwillig auf einem Bürgersteig überfahren worden waren. Die Männer im Alter von 21, 30 und 31 Jahren gehörten nach Augenzeugenberichten zu einer Gruppe, die Geschäfte ihrer Wohngegend vor Plünderern schützen wollte. Die Polizei erklärte, sie ermittle wegen Mordes gegen einen 32-Jährigen. Außerdem sei ein Fahrzeug beschlagnahmt worden. Der Vater eines der Getöteten sagte, die Gewalt müsse enden "um das Andenken an unsere Söhne zu respektieren".

Sondersitzung über Krisensituation

Polizisten nehmen in London einen Mann fest (Foto: dapd)

Bislang wurden mehr als 1100 mutmaßliche Randalierer festgenommen

Am Donnerstagmittag ist das Parlament erstmals zu einer Krisensitzung zusammengetroffen. Dabei verurteilte Cameron die Gewalt und betonte, es gehe den Randalierern nicht um Protest oder politische Aussagen. Es gehe ihnen um Diebstahl. Er hatte die Delegierten für die Sondersitzung aus dem Urlaub zurückgerufen, um gemeinsam über die gewaltsamen Ausschreitungen zu beraten. Der Premierminister selbst hatte bereits Anfang der Woche seinen Italien-Urlaub abgebrochen, um eine Krisensitzung der Regierung in London zu leiten.

Vor der Sondersitzung hatten Politiker der Opposition aber auch aus dem Regierungslager den Premierminister aufgefordert, die beschlossenen Sparmaßnahmen bei der Polizei zurückzunehmen. Die vorgesehenen Ausgabenkürzungen um 20 Prozent und der damit verbundene Stellenabbau seien ein Jahr vor den Olympischen Sommerspielen in London unrealistisch, betonte der konservative Bürgermeister der Hauptstadt, Boris Johnson.

Großbritannien ist seit vergangenem Samstagabend von den schwersten Ausschreitungen seit rund 20 Jahren erschüttert worden. Ausgelöst hatte die Krawalle der Tod eines vierfachen Familienvaters, der Anfang August von der Polizei im Londoner Stadtteil Tottenham erschossen worden war. Untersuchungen ergaben, dass der Mann selbst nicht auf die Polizisten geschossen hatte. Das hatte Scotland Yard zuvor behauptet.

Autorin: Naima El Moussaoui (afp, dpa, dapd)

Redaktion. Marion Linnenbrink

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