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Aktuell Nahost

Großangriff der Assad-Armee in Aleppo

Rund drei Wochen haben die Aufständischen in der syrischen Metropole den Truppen des Regimes standgehalten. Nun hat die Armee die möglicherweise entscheidende Bodenoffensive begonnen.

"Wir sind auf dem Rückzug, weg von hier", rief ein einzelner Kämpfer der Aufständischen Journalisten der Agentur Reuters zu, als diese im bislang von den Rebellen kontrollierten Stadtbezirk Salaheddin eintrafen. Ein vergangene Woche noch von den Rebellen kontrollierter Checkpoint war nicht mehr zu sehen, wie die Reporter weiter berichten. Lediglich eine Fahne der Opposition habe den ehemaligen Übergang noch markiert.

Video ansehen 01:30

Schwere Kämpfe um Aleppo

Ein Kommandeur der Freien Syrischen Armee, FSA, der Aufständischen teilte der Deutschen Presseagentur dpa telefonisch mit: "Die Entscheidungsschlacht um Aleppo hat begonnen." Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, die Armee von Präsident Baschar al-Assad habe die Kontrolle über Salaheddin errungen. Dem widersprachen FSA-Offiziere in Telefonaten mit der Agentur AFP. Es gebe allerdings "barbarische und wilde Angriffe". Nach Angaben von Assad-Gegnern wird auch in anderen Stadtvierteln heftig gekämpft. "Jede Minute schlagen Dutzende Granaten ein und das grollende Geräusch der Panzer hallt durch die ganze Stadt", sagte ein Aktivist der dpa.

Salaheddin hat als südwestliches Einfalltor ins Zentrum der größten Stadt Syriens strategische Bedeutung. Die Rebellen hatten sich in dem Bezirk seit rund drei Wochen gegen Angriffe der Regimearmee behauptet und in dieser Zeit sogar noch die Kontrolle über weitere Stadtteile übernommen. In der Wirtschaftsmetropole stehen die bis zu 8000 Rebellen rund 20.000 Soldaten gegenüber. In den vergangenen Tagen hatte die Armee frische Kräfte und zusätzliche Waffen herangeführt. Beide Seiten messen dem "Kampf um Aleppo" entscheidende Bedeutung für den weiteren Verlauf des Bürgerkrieges zu.

Aufständische kämpfen in Aleppo (Foto:Reuters)

Aufständische kämpfen in Aleppo

Vor der Bodenoffensive hatten die Regierungstruppen die von den Rebellen gehaltenen Stadtviertel überwiegend aus der Luft und mit Artillerie beschossen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International dokumentiert in einem neuen Bericht die verheerende Wirkung dieser Angriffe auf Wohnbezirke. Die Organisation veröffentlichte Satellitenbilder aus Aleppo, die 600 Einschlagkrater von schwerkalibrigen Artilleriegranaten zeigen. Man werde auch künftig alle Angriffe auf die Bevölkerung genauestens dokumentieren, sagte Amnesty-Experte Christoph Koettl, der die Satellitenbilder auswertet. "So können die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden."

Iran sichert Assad Unterstützung zu

Die Offensive der Armee in Aleppo erfolgte nur einen Tag nachdem der Iran seine Unterstützung für Assad bekräftigt und versichert hatte, man werde den Verbündeten unter keinen Umständen fallen lassen. "Wir werden es nicht zulassen, dass irgendjemand die Achse des Widerstands (gegen Israel) zerbricht", hatte der iranische Spitzenpolitiker Said Dschalili am Dienstag bei einem Treffen mit Assad in Damaskus erklärt. Der syrische Staatschef wiederum hatte betont, seine Regierung werde weiter mit aller Härte gegen die Aufständischen vorgehen und die Rebellion niederschlagen.

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Syrien: Assad empfängt iranische Gesandte

Unterdessen räumte die Regierung in Teheran ein, dass sich unter den am Wochenende von syrischen Rebellen entführten Iranern auch Mitglieder der Revolutionsgarden im Ruhestand sowie pensionierte Armeeangehörige und Beamte befänden. Außenminister Ali Akbar Salehi betonte zugleich erneut, die Männer seien als "Pilger" nach Syrien gereist, um schiitische Heiligtümer in Damaskus zu besuchen.

Die 48 Iraner waren von der zur Freien Syrischen Armee gehörenden Al-Baraa-Brigade entführt worden. Drei der Geiseln seien bei einem Angriff durch Regierungstruppen in Damaskus getötet worden, teilten die Entführer mit. Bei den Iranern handele es sich "erwiesenermaßen" um Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden, einer Elitetruppe der Führung in Teheran.

Immer mehr Flüchtlinge

Angesichts der eskalierenden Gewalt in Syrien verlassen immer mehr Menschen ihre Heimat. Nach einem Bericht der halbamtlichen Nachrichtenagentur Anadolou kamen allein in der Nacht zu Mittwoch rund 2.400 Syrer in die Türkei, damit befänden sich bereits rund 50.000 Flüchtlinge in den Auffanglagern an der Grenze. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR sind insgesamt mehr als 200.000 Syrer vor den Kämpfen in die Nachbarländer geflohen, die meisten nach Jordanien. In Syrien selbst sind nach UN-Angaben rund 1,5 Millionen Menschen auf der Flucht vor den Kämpfen.

wl/rbi (dpa, afp, rtr, dapd, epd)

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