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Politik

Großangriff auf Flüchtlingslager im Libanon

Im Libanon sind die Gefechte um das palästinensische Flüchtlingslager Nahr al Bared wieder aufgeflammt. Ein Armeesprecher sprach von einer "Entscheidungsschlacht".

Ein Feuerball steigt aus einem zerstörten Gebäude, Quelle: AP

Nahr el-Bared erneut unter Beschuss

Am Jahrestag des Beginns des Libanonkriegs hat die libanesische Armee am Donnerstag (12.7.) eine große Offensive gegen die seit fast acht Wochen im palästinensischen Flüchtlingslager Nahr al Bared verschanzten islamistischen Kämpfer begonnen. Die Armee feuerte mit schwerer Artillerie auf Stützpunkte der Islamisten in der Siedlung, über der schwarze Rauchwolken aufstiegen. Ein Armeesprecher sprach von einer "Entscheidungsschlacht". Nach Armeeangaben wurden drei Soldaten getötet.

Die Truppen griffen das Lager nach Angaben von Augenzeugen von mehreren Seiten gleichzeitig an. Panzer rückten auf die nördliche Zufahrt zu. Dutzende Granaten gingen im Minutentakt auf das Lager nieder, hieß es. Der rund fünfstündige Artilleriebeschuss begann am frühen Morgen (Ortszeit) und konzentrierte sich auf Stellungen der Fatah el Islam im Süden der Siedlung.

Siniora ruft zum Kampf gegen "Verbrecherbande" auf

Libanesische Soldaten rollen mit ihrem Panzer durch staubiges Gelände, Quelle: AP

Aufmarsch vor dem Flüchtlingslager

Die Zahl der noch in der Siedlung verbliebenen Palästinenser wurde auf einige hundert geschätzt, unter ihnen rund 80 Kämpfer der Fatah el Islam und deren Angehörige. Am Mittwoch hatten Helfer damit begonnen, die letzten noch in Nahr al Bared ausharrenden Zivilisten in Sicherheit zu bringen. Nach palästinensischen Angaben wurden auch 140 Angehörige der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) vom Militär in Sicherheit gebracht. Seit Beginn der Kämpfe am 20. Mai waren bereits Zehntausende der ursprünglich rund 31.000 Bewohner der Siedlung geflohen.

In seiner Rede zum ersten Jahrestag des Beginns des Krieges zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz hatte Ministerpräsident Fuad Siniora seine politischen Gegner am Mittwoch zu Dialog und Versöhnung aufgerufen. Gleichzeitig rief er die Armee auf, die "Verbrecherbande" Fatah al-Islam ein für alle Mal zu stoppen. Die Gruppe steht nach eigenen Angaben ideologisch dem Terrornetz El Kaida nahe. Einige Beobachter sahen in Sinioras Aufruf das Signal zum Sturm auf Lager. Bei den Kämpfen um Nahr al Bared sind bisher mindestens 174 Menschen getötet worden, darunter 86 Soldaten.

Amnesty: Vorwürfe gegen Israel und Libanon

Unterdessen hat die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) Israel und dem Libanon vorgeworfen, mögliche Kriegsverbrechen während der Kämpfe vor einem Jahr zu ignorieren. Die Vereinten Nationen müssten deshalb eine Untersuchungskommission einrichten, forderte AI am Donnerstag, dem ersten Jahrestag des Kriegsbeginns. AI warf der schiitischen Hisbollah-Miliz vor, fast 4000 Raketen auf israelische Städte abgefeuert zu haben. Israel wird vorgehalten, Wohngebiete in libanesischen Städten bombardiert und im Süden des Landes Streubomben eingesetzt zu haben.


Israel hatte im vergangenen Sommer einen Krieg begonnen, der 33 Tage andauerte, nachdem die radikale schiitische Hisbollah an der Grenze zwei israelische Soldaten verschleppt hatte. Dabei seien mehr als 1000 Zivilpersonen getötet worden, erklärte AI. Weitere 24 Menschen seien seitdem im Südlibanon bei der Explosion von Streumunition ums Leben gekommen. AI kritisiert, bislang habe die Parteienpolitik im UN-Sicherheitsrat eine unabhängige Untersuchung verhindert.

Olmert: "Fehler und Schwächen, aber bedeutende Erfolge"

Zum ersten Jahrestages des Kriegsbeginns am 12. Juli 2006 besuchte der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert die Grenze zum Libanon im Norden des Landes. An einem Militärstützpunkt informierte sich Olmert über die Sicherheitsvorkehrungen, außerdem sah er sich eine Schule an, die von Hisbollah-Raketen getroffen worden war. Es habe in dem Krieg Fehler und Schwächen gegeben, Israel habe aber bedeutende Erfolge erzielt, erklärte der Regierungschef.

Olmert sagte, er sei überzeugt davon, dass der Einmarsch im Libanon im Sommer vergangenen Jahres die richtige Entscheidung gewesen sei, um die Bedrohung an der israelischen Grenze zu beseitigen. Nie zuvor in den vergangenen 40 Jahren sei der Norden Israels derart ruhig gewesen, sagte Olmert bei einem Besuch im Grenzgebiet. Er habe sehen können, wie israelische Bauern in aller Ruhe ihr Land in Metulla an der libanesischen Grenze bestellten: "Das wäre vor einem Jahr unmöglich gewesen."


Viele Israelis betrachten den Krieg inzwischen als Fehlschlag. Eine Untersuchungskommission bescheinigte Olmert im April schwere Versäumnisse. Ihm und dem damaligen Verteidigungsminister Amir Perez wurde vorgeworfen, überhastete und fehlgeleitete Entscheidungen getroffen zu haben. Ein abschließender Bericht soll in den kommenden Wochen vorgelegt werden. Ausgelöst wurde der Krieg durch einen Hisbollah-Angriff auf eine israelische Grenzpatrouille, bei dem drei Soldaten getötet und zwei weitere gefangen genommen wurden. (je)



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