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UEFA

Grindel: "Ich werde mir treu bleiben"

Am Mittwoch wird DFB-Chef Reinhard Grindel beim UEFA-Kongress in Helsinki aller Voraussicht nach in die UEFA-Exekutive und das FIFA-Council gewählt. Im DW-Interview verrät Grindel, was er sich vorgenommen hat.

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Grindel will weiter Klartext reden

DW: Herr Grindel, Sie haben gesagt, Sie wollten auch in internationalen Gremien Klartext reden. Können Sie das nach der Wahl noch oder müssen Sie vorsichtiger agieren?

Reinhard Grindel: Der neue UEFA-Präsident Alexander Ceferin spricht ja auch klare Worte. Ich habe den Eindruck, dass sich die Diskussionskultur verändert hat. Es ist ein völlig anderes Klima, in denen die einzelnen Mitglieder des Exekutivkomitees ihre Ansichten vorbringen können und nicht alles von einem Präsidenten und seiner Administration dominiert wird.

Das heißt, Sie werden auch mal auf den Tisch hauen?

Das muss man dann machen, wenn die Situation dazu angetan ist und die eigene Position glaubwürdig vermittelt werden kann. Das werde ich in UEFA und FIFA machen und mir treu bleiben. Aber man kann auch nicht immer mit demselben Kopf immer gegen dieselbe Wand laufen. Am Ende braucht man Mehrheiten. Deshalb schadet ein bisschen Diplomatie auch nicht. 

Gibt es ein spezielles Projekt, dass den Namen Reinhard Grindel tragen soll?

Die EURO-Bewerbung 2024 wird eine große Rolle spielen. Wir haben die Stadien und wir haben die Infrastruktur. Eine EURO in Deutschland wäre ökonomisch sparsam und ökologisch schonend. Das sind in der heutigen Zeit ganz wichtige Gesichtspunkte, wo man mit kritischem Auge auf sportliche Großveranstaltungen schaut. Wir haben Spiele anzubieten, bei denen Presse- und Meinungsfreiheit gewährleistet sind. Auch darauf wird die UEFA achten.

Damit heben Sie ab auf die Türkei, den einzigen Konkurrenten, den der DFB  hat. Das Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei ist zurzeit nicht ganz spannungsfrei. Wird sich das auch auf den Wettbewerb um die EURO 2024 auswirken?

Die Fußballverbände beider Länder arbeiten sehr gut zusammen. Wir unterstützen Servet Yardimci bei seiner Bewerbung um einen Sitz in der UEFA-Exekutive. Mir wurde von türkischer Seite gesagt, dass sie mich wählen. Wir haben eine gute Zusammenarbeit in vielen Bereichen. Die Politik hat insofern keinerlei Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen den Verbänden. Ich wünsche mir, dass das so bleibt.

Im Zuge der Bewerbung werden aus Freunden keine Konkurrenten?

DFB-Präsident Reinhard Grindel und UEFA-Präsident Aleksander Ceferin. Foto: dpa-pa

Grindel mit UEFA-Präsident Ceferin (r.)

Wir werden ganz auf uns schauen mit der Bewerbung. Wir haben gute Stadien anzubieten. Deshalb hoffe ich, dass unsere inhaltliche Arbeit, unsere Bewerbung Unterstützung findet. Wir werden für uns werben und nicht gegen den Mitbewerber.

Die deutsche Medien beschäftigt immer wieder die WM-Vergabe 2006. Jüngste Erkenntnisse scheinen darauf hinzudeuten, das diese WM doch gekauft war. Wie begründen Sie, das Deutschland nun das nächste Turnier ausrichten möchte ?

Bei allen Gesprächen mit Präsidenten anderer Fußball-Verbände in Europa hat dieses Thema überhaupt keine Rolle gespielt. Sie kennen unsere inneren Reformen. Sie kennen unseren Anspruch, die EURO-Bewerbung mit großer Transparenz und auch unter Einschaltung von NGOs vorzubereiten. Insofern sehe ich keine negativen Auswirkungen durch das, was uns durch die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wohl auch noch in Zukunft begleiten wird.

Die UEFA Nations League ist von 2018 an ein neues Format.Trägt noch mehr Fußball nicht zur Übersättigung bei? Schon jetzt sind DFB-Länderspiele sind nicht mehr ausverkauft.

Die Nation League erfordert keine zusätzlichen Spiele. Diese Partien finden auf den Terminen der Freundschaftsspiele statt. Es ist ein neuer Wettbewerb, den wir kreieren, um dafür zu sorgen, dass es bei diesen 'veredelten Freundschaftsspielen' auch um etwas geht. Ich glaube, das wird zu einer guten Zuschauerresonanz führen.

Von der UEFA zur FIFA. Vor gut einem Jahr wurde Gianni Infantino zum Präsidenten gewählt. Von einer 'neuen FIFA' war die Rede war. Unter dem Strich ist bei diesem Reformprozess nicht viel herausgekommen. Mit welchen Gedanken gehen Sie in dieses Gremium?

Wichtig ist, dass wir aus Europa nicht isoliert bleiben, dass wir Kontakte suchen nach Asien und Afrika. Ich habe das bei Reisen nach Kuala Lumpur und nach Johannesburg getan. Ich bin mit unseren Überlegungen für Transparenz und Compliance auf offene Ohren gestoßen. Man weiß dort, dass die Sponsoren und TV-Rechteinhaber genau darauf schauen, wie sich die FIFA entwickelt: Ist sie glaubwürdig oder fällt sie in alte Strukturen zurück? Davon hängt der wirtschaftliche Erfolg ab, nicht nur der sportliche. Auf wirtschaftlichen Erfolg sind viele Verbände in Asien und Afrika angewiesen.

Es gibt eine neue Studie in Sachen Doping mit beunruhigenden Fakten. Danach sind 43 Prozent der Bundesliga-Spieler in der laufenden Saison nicht ein einziges Mal kontrolliert worden. Wird das Doping-Problem im Fußball unterschätzt?

Nein. Ich bin dafür, dass wir alles tun, um Dopingsünder zu finden. Wir haben eine Absprache mit der NADA [Nationale Anti-Doping-Agentur], die für uns die Untersuchungen auch Blutproben und Trainingskontrollen macht. Ich habe mit deren Geschäftsführern gesprochen. Die NADA muss uns sagen, wenn sie den Eindruck hat, dass wir nicht genug tun. Dann machen wir mehr. Dazu sind wir gerne bereit.

Reinhard Grindel ist seit April 2016 Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Nach dem Jurastudium arbeitete er als Fernsehjournalist. Von 2002 an war er für die CDU 14 Jahre Abgeordneter im Deutschen Bundestag.

Das Interview führte Herbert Schalling.

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