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Aktuell Kultur

Grimme Online Award für Rechercheteam

Es gibt sie, die herausragende Qualität im Internet. Seit 15 Jahren zeichnet das Grimme-Institut qualitativ hochwertige Online-Angebote aus. Diesmal sprach die Jury von einem "ungewöhnlich guten Nominierten-Jahrgang".

Eine Webreportage über den Absturz des Passagierflugzeugs in der Ostukraine hat den Grimme Online Award gewonnen. "MH17 - Die Suche nach der Wahrheit" verbinde klassischen Journalismus mit digitalen Erzählmethoden, befand die Jury in Köln. Die Reportage ist das Ergebnis einer monatelangen Vor-Ort-Recherche des unabhängigen Recherchebüros Correctiv, das sich über Spenden und Stiftungen finanziert.

Screenshot der Webreportage MH17 - Die Suche nach der Wahrheit (Foto: Correctiv

Screenshot der preisgekrönten Webreportage

In der Kategorie "Information" gab es noch zwei weitere Preise: Ausgezeichnet wurden das digitale Stadtmagazin "neukoellner.net" aus dem Berliner Bezirk Neukölln und "Checkpoint", ein Newsletter des "Tagesspiegel"-Chefredakteurs Lorenz Maroldt.

Gleich vier Preise vergab die Jury diesmal in der Kategorie "Kultur und Unterhaltung": Mit einem Award gingen die Macher der Arte-Webreportage "Polar Sea 360°" von der Bühne. Sie wollten den Klimawandel unmittelbar erfahrbar machen. So kann der Nutzer in dieser Reportage selbst entscheiden, was er sich näher ansehen möchte.

Zeitgemäße Museumspädagogik

Das Städel-Museum in Frankfurt/Main bekam einen Award für geschickt aufbereitete Hintergrundinformationen zu einer großen Ausstellung: das Digitorial "Monet und die Geburt des Impressionismus" senkt nach Ansicht der Jury die Hürden vor einem analogen Museumsbesuch. So funktioniere moderne Kunst- und Kulturvermittlung, loben die Experten.

Der YouTube-Kanal "Hyperbole TV" bestach in den Augen der Jury durch Witz und frische Professionalität. Einer der Macher sagte, "Hyperbole TV" tue, was die öffentlich-rechtlichen Sender nicht tun könnten, nicht tun wollten oder nicht tun dürften.

Ebenfalls in der Kategorie "Kultur und Unterhaltung" prämiert wurde das Webspecial "Mamour, mon amour" über die Liebesbeziehung zwischen der Schweizerin Lena und dem Senegalesen Mamour, der ohne Papiere in der Schweiz lebt.

In der Kategorie "Wissen und Bildung" ging ein Preis an "netwars/out of CTRL", eine interaktive Webserie über einen drohenden Cyberkrieg. Cyberattacken gebe es schon seit vielen Jahren, sagte einer der Macher. Die Webdokumentation wolle klarmachen, dass dies jeden betreffe, zeige aber auch, wie man sich schützen könne.

Der prominenteste Nominierte ging leer aus

In der Kategorie "Spezial" gab es dieses Jahr keine Auszeichnung. Astronaut Alexander Gerst ging somit leer aus - er war für seine Twitter- und Facebook-Beiträge aus dem Weltraum nominiert worden.

Den Publikumspreis erhielt die YouTube-Reihe "Shore, Stein, Papier", in der ein Ex-Junkie am Küchentisch Episoden aus seinem Leben als Süchtiger erzählt.

Der nicht dotierte Grimme Online Award zeichnet seit 2001 deutschsprachige Online-Angebote aus. Moderatorin Sandra Rieß bezeichnete ihn als den wichtigsten deutschen Preis für "qualitativ hochwertige Internetangebote". Für die insgesamt acht Preise waren diesmal 25 Webangebote aus 1400 Vorschlägen nominiert.

rb/kle (dpa, grimme-institut.de)