1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Griechischer Tourismus mit deutschem Know-How

Hohe Arbeitslosigkeit und die Krise der lokalen Pelzindustrie zwingen die nordgriechische Stadt Kastoria, sich neu zu orientieren. Die beste Alternative sieht man im Tourismus. Dabei könnte auch Deutschland helfen.

Touristen besuchen die Akropolis in Athen (Foto: dpa)

Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle für Griechenland

Kastoria gilt in Griechenland als eine reiche Stadt. Rund vier Prozent der weltweit hergestellten Pelze werden hier genäht. Früher lag der Anteil viel höher, doch dann wurde die Konkurrenz aus China immer stärker. In der griechischen Stadt ist die Zahl der Beschäftigten zurückgegangen, die Arbeitslosigkeit in der Region stieg über 30 Prozent. Wer jung und gut ausgebildet ist, sucht sein Glück an anderen Orten.

Gefrorener Kastoria-See im Januar 2012 (Foto:AP/dapd)

Der Kastoria-See ist im Januar gefroren

Um diesen Exodus aufzuhalten und der Region neue Perspektiven zu eröffnen, möchte man jetzt verstärkt den Tourismus fördern. Darüber diskutierten in Kastoria Kommunalpolitiker und Experten auf einer Tagung der deutschen Friedrich-Ebert-Stiftung, die im Rahmen der bikommunalen Deutsch-Griechischen Versammlung organisiert wurde.

Ohne Umweltschutz kein Tourismus

Die natürlichen Bedingungen für den Aufbau des Tourismus sind sehr gut: Kastoria liegt 700 Meter über dem Meeresspiegel inmitten einer reizvollen Berglandschaft an einem fast 30 Quadratkilometer großen See. Allerdings ist die Wasserqualität des Sees so schlecht, dass weder Touristen noch Einheimische darin schwimmen wollen.

Porträt von Stérgios Gargálas, Umweltbeauftragter der griechischen Stadt Kastoria (Foto: DW/ Panagiotis Kouparanis)

Stérgios Gargálas macht sich Sorgen um den verschmutzten Kastoria-See

Früher wurde der See hauptsächlich durch städtische Abwässer verschmutzt, beklagt der Umweltbeauftragte von Kastoria, Stérgios Gargálas. Eine Kläranlage habe dieses Problem nicht endgültig gelöst, da es immer noch Siedlungen gebe, die nicht an die öffentliche Kanalisation angeschlossen wurden. Hinzu kämen Industrieabfälle, aber auch Pestizide, die der Regen von den angrenzenden Feldern in den See spült.

Die Probleme sind Heinz Gerd Schröder nicht fremd. Der Leiter des Instituts für Seenforschung am Bodensee berichtet, dass auch dieses Gewässer wegen zunehmender Verschmutzung durch ungereinigte Abwässer bedroht war: Es kam zu einem Nährstoffüberangebot und damit zu einer massenhaften Vermehrung der Algen. Mit einer großen Anzahl von Kläranlagen und strengen Maßnahmen ist es nach Jahrzehnten gelungen, eine sehr gute Wasserqualität zu gewährleisten. Entscheidend für das Gelingen ist immer, so Heinz Gerd Schröders Erfahrung, dass die Bevölkerung mitmacht. "Wenn das nicht so ist", sagt er, "dann wird es länger dauern. Denn es wird Leute geben, die sagen: Das betrifft mich ja gar nicht."

Wenig Vertrauen in einheimische Experten

Porträt von Heinz Gerd Schröder, Leiter des Instituts für Seenforschung am Bodensee (Foto: DW / Panagiotis Kouparanis)

Heinz Gerd Schröder will seine Erfahrungen mit den griechischen Partnern teilen

Am Bodensee hat sich der lange Atem gelohnt: Der Gewässerschutz hat nicht nur ein Trinkwasserreservoir für die einheimische Bevölkerung gesichert, sondern auch den Tourismus angekurbelt. Über 1,2 Millionen Urlauber pro Jahr reisen an den Bodensee. Das saubere Image der Region wird auch dadurch gefördert, dass das Obst dort biologisch angebaut wird. Die Bauern haben Genossenschaften gegründet, so der Bundestagsabgeordnete Lothar Riebsamen, damit sie ihre Produkte vermarkten und auch direkt an die Touristen verkaufen können. Dadurch haben die Landwirte einen unmittelbaren Nutzen vom Tourismus. Das könne auch ein Beispiel für die Region Kastoria sein.

Der christdemokratische Politiker macht den Griechen den Vorschlag, Entscheidungsträger und Fachleute für ein paar Wochen oder Monate an den Bodensee zu schicken, um bei der dortigen Verwaltung zu hospitieren, damit sie sehen, wie diese "mit den Herausforderung im Bereich Umweltschutz umgehen." Das könne dazu beitragen, dass in Griechenland nicht die Fehler wiederholt werden, die bei der Umsetzung der Maßnahmen am Bodensee gemacht wurden.

Porträt von Irini Georgosopoulou-Miskia, Vize-Bürgermeisterin der griechischen Stadt Kastoria (Foto: DW/ Panagiotis Kouparanis)

Irini Georgosopoulou-Miskia: "Mit greifbaren Beispielen überzeugen"

Soweit ist man in Kastoria allerdings noch nicht. Man ist sich aber der Probleme bewusst und kennt deren Ursachen. Auf der Tagung wurden sie von griechischen Experten detailliert und sachkundig analysiert. Doch besonders wichtig sei etwas ganz anderes: "Wenn Griechen anderen Griechen erzählen, was sie tun sollen, dann wird das nicht angenommen", meint die Vizebürgermeisterin von Kastoria, Irini Georgosopoulou-Miskia. "Wenn wir aber anhand von greifbaren Beispielen aus Ländern, die nicht weit von uns entfernt sind, auf Erfolge hinweisen können, dann glaube ich, wird das die Menschen nach und nach überzeugen."

Von deutscher Seite steht das Angebot zur Zusammenarbeit - allerdings muss zunächst eine konkrete Anfrage aus Griechenland kommen.