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Wirtschaft

Griechische Krise trifft auch Tourismusbranche

Die Griechen leben vom Tourismus. Auch auf der größten Insel Kreta setzt man voll auf die Urlauber. Doch die Krise stellt viele Betriebe vor große Herausforderungen.

Kreta - Ziel vieler Touristen (Foto: DW/Klausner)

Ein kleiner fensterloser Raum neben der Rezeption des Vier-Sterne-Hotels "Irini Mare". Chefin Irini streicht sich die wilden Locken aus dem Gesicht. Gebannt starren sie und ihre Mitarbeiter auf den dunkelblauen Computerbildschirm. Weiße Zahlenreihen bewegen sich, das Ganze ähnelt einem Börsenbildschirm. Irni zeigt auf die kryptischen Zahlenreihen. "Hier kommen die Buchungen rein. Wir müssen wirklich permanent schauen, wie sich die Buchhungszahlen entwickeln und entscheiden, ob wir bremsen, oder ein Angebot rausgeben. Es ist schon ein bisschen wie an der Börse!" 230 Betten hat ihre Anlage im Fischerdörfchen Agia Galini im Süden Kretas.

Buchungen in der Krise schwer zu kalkulieren

Chefin des Hotels Irini Mare (Foto: DW/Klausner)

Hotelchefin Irini ist skeptisch, dass Hoteliers in diesem Jahr Gewinn machen

Irini klickt sich durch das Zahlengewirr, sie ruft die Juli-Buchungen auf. Gerade einmal ein Drittel ihrer Zimmer sind bis jetzt belegt. Sie runzelt die Stirn und gibt zu, dass das nicht gerade viel sei. Immerhin ist der Juli der erste Monat der Hauptsaison. Doch dann schüttelt die Chefin den Kopf. Eigentlich würde noch alles offen sein, denn "die meisten sind Last-Minute-Bucher – in Deutschland ist das der Renner“.

Das heißt: Hoteliers wie Irini wissen erst in der letzten Minute, ob sie das Haus voll kriegen. Jetzt in der Krise sei alles aber noch schwieriger zu kalkulieren. Der Saisonstart war dürftig. Kommen die Touristen wenigstens zur Hochsaison? Lassen sie sich von den schlechten Nachrichten über das bankrotte Griechenland abschrecken? 35 Mitarbeiter hat Irini. Doch die braucht sie eigentlich erst zur Hauptsaison. Momentan käme sie mit weniger Leuten aus.

Run auf die Saison-Jobs

"Genau darüber mache ich mir ja große Sorgen", sagt die Hotelchefin. "Ich schlafe deshalb nächtelang nicht, das ist kein Witz." Sie fühlt sich verantwortlich für ihre Mitarbeiter. "Und ich bringe es nicht übers Herz, die Leute bis Juli ohne Arbeit lassen und dann auf einmal zu sagen, dass ich sie jetzt für zwei Monate brauche." Viele ihrer Hotelier-Kollegen machen das aber genau so.

Ständig klingelt bei Irini das Telefon – ob sie nicht einen Job für die Saison habe. Es sind nicht wie sonst Albaner, Bulgaren oder Türken am Apparat. Sondern Griechen. Oftmals Leute vom Festland, wo die Arbeitslosigkeit gerade bei rund 16 Prozent liegt. Doch Irini hat keine Jobs, sondern kämpft mit ständig steigenden Kosten. Die Mehrwertsteuer ist zum Beispiel in kürzester Zeit von 19 auf 23 Prozent geklettert.

Alles nur noch gegen Vorkasse

Gemüseauslage auf Kreta (Foto: DW/Klausner)

Einheimisches Gemüse ist billig – aber Importware ist sehr teuer

Irini legt bedächtig ihr Handy auf den Balkontisch. "Ich denke, wenn es so weiter geht, dann wird es kritisch. Wir werden keine Produkte mehr aus dem Ausland importieren können.“ Das Fleisch für das Hotel importiert sie nämlich seit Jahren aus Deutschland. Normalerweise, erzählt die Chefin, habe sie 20 Prozent des Preises vorab bezahlt und den Rest ein paar Monate nach Erhalt der Ware. "Doch jetzt sagt der Lieferant zu mir, dass wir das ab sofort nicht mehr so machen können. Wir müssen jetzt den gesamten Betrag vorab bezahlen."

Genauso sei es mit der Shampoobestellung aus Italien gewesen, oder beim Geschirr. Irini zuckt mit den Schultern. Griechische Geschäftsleute würden eben alles nur noch gegen Vorkasse bekommen. Und das sei ein Problem, denn erwirtschaftet habe sie das Geld ja noch nicht. Sie schirmt die Augen ab, und schaut zu den Tavernen unten am Strand. Bisher saßen da am Wochenende immer die griechischen Großfamilien. Doch seit diesem Jahr – nichts. Sie gehen nicht mehr aus.

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