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Wirtschaft

Griechenlands vergessener Autobauer

Der griechische Autobauer Namco verkaufte fast ein halbes Jahrhundert Autos mit westeuropäischer Technik nach Asien und Afrika. Doch das weiß kaum jemand. Aus Thessaloniki Marianthi Milona.

Der über 80-Jährige Chef von Namco, Petros Kondoguris, ist ein Visionär. Er glaubt fest an das Fundament, dass "griechisches Handwerk" heißt. Nur verzweifeln er und seine Mitarbeiter im Augenblick an der griechischen Bürokratie, wie im übrigen viele andere neue griechische Kleinbetriebe auch. Dabei könnten sie für den lädierten griechischen Arbeitsmarkt neue Arbeitsplätze schaffen und wären trotz Krise bereit zu investierten. Dabei hofft er Kondoguris auch auf Unterstützung aus Deutschland.

Auf Griechenland setzen

Er ruft Deutschland dazu auf, die griechische Industrie mit allen Mitteln zu unterstützen. "Damit das Land wieder stärker exportieren kann." So könnte eine Brücke der Zusammenarbeit entstehen, die beispielhaft für viele zukünftige Investitionsmodelle angesehen werden könnte. Griechenland könnte dauerhaft nur so geholfen werden. "Alles andere, wie zum Beispiel der Tourismus, ist ja gut und schön, aber es bringt für die Wirtschaft nicht dieselben Resultate."

Ionna Papapanagitou und Petros Kondojouris

Ionna Papapanagitou und Petros Kondogouris

Mehr Tempo in der griechischen Bürokratie

Der Chef der griechischen Autofabrik wartet auf die notwendigen staatlichen Baulizenzen und die Genehmigungen einer griechischen Prüfungsabteilung, ähnlich dem TÜV, dann kann er mit dem Bau der vierten Generation seiner Marke namens Pony starten. Doch wie lange kann er noch warten? Namco ist nicht die einzige griechische Firma, die von staatlichen Genehmigungsinstanzen an der Arbeit gehindert wird, aber sie ist eine der größten. Mit langjährigen Beziehungen auch nach Deutschland.

Erfolgreiche griechisch-deutsche Koproduktion

Was viele nicht wissen: Seit 1973 arbeitete der griechische Autobauer bereits mit deutschen Firmen, wie Intelco und der Fahr AG in Gottmadingen zusammen, die ihr die Maschinen und die Ersatzteile zum Bau der hauseigenen Marke lieferten. Im griechischen Autowerk wurden diese Maschinen dann etwas simplifiziert, um sie weiter in südlichen Ländern, nach Afrika, Asien und Südamerika, zu vermarkten. Durch dieses erfolgreiche griechisch-deutsche Arbeitsmodell sind Geländewagen, Feuerwehrautos, Lastfahrzeuge und Militärtransporter entstanden, die immer noch in den Ländern des Orients und Afrikas genutzt werden, und damit den Stempel "garantiert unverwüstlich" tragen.

Namco-Werk in Thessaloniki

Namco-Werk in Thessaloniki

Verzicht auf Elektronik

Die Maschinen wurden von Citroen, Ford, Volkswagen und Deutz geliefert, wir kümmerten uns um die Karosserie", erklärt Chef Kondogouris. Damit habe man lange Zeit nicht nur den griechischen, sondern auch den westeuropäischen Mittelstand gestützt. Die Vereinfachung der Technik sei eingutes Modell gewesen: "Wir verzichteten bewusst auf Elektronik, die in den heißen Entwicklungsländern sowieso nicht funktioniert." Auch jetzt in der Krise baue man auf das Triptychon aus Industrie, Handwerk und Export. "Das ist das eigentliche Rückgrat der griechischen Wirtschaft."

Hoffnung auf neue Arbeitsplätze

Namco könnte heute mit den Kapazitäten, die im Werk in Thessaloniki zur Verfügung stehen, jährlich 6000 bis 8000 neue Autos produzieren. Und sich damit auf dem Weltmarkt wieder positionieren. Noch wird sie als reine Produktionsfirma der weltweit vertriebenen Marke Pony angesehen, eines Wagens, der dem Jeep sehr ähnlich ist, aber für nur ein Drittel des Jeep-Preises zu haben ist. Die älteren Modelle genießen auch als Oldtimer einen guten Ruf und werden in den Pony-Fanclubs weltweit hoch gehandelt. Inzwischen ist die Entwicklungsphase für das Folgemodell, dem "Pony 4" abgeschlossen und könnte in Produktion gehen. Allein: die notwendigen staatlichen Genehmigungen fehlen. 2800 neue Arbeitsplätzen können so in der stark gebeutelten nordgriechischen Region nicht geschaffen werden.

Namco-Autos auf einer Werktafel

Namco-Autos auf einer Werktafel

Auf eine bessere Zukunft bauen

Im kommenden Jahr, so hofft Petros Kondogouris, soll es dann aber endlich losgehen mit dem "Pony 42. Denn der erfahrene Geschäftsmann hat sich für die Zukunft viel vorgenommen. Er will dabei auch auf altbewährte Finanzmodelle zurückgreifen. Sein momentanes Aktienpaket im Wert von 17 Millionen Euro will er durch die Ausgabe einer sogenannten Volksaktie auf 30 bis 40 Millionen Euro aufstocken. Und hofft natürlich auch auf die Unterstützung der Auslandsgriechen.

Keine Hilfen vom griechischen Staat

"Wir glauben nicht an die Banken und ihre Kreditpolitik, die ein weltweites wirtschaftliches Chaos angerichtet haben", bekräftigt Kondogouris. "Wir bauen auf eine Volksbeteiligung." Es habe in all den Jahren kaum Menschen auf politischer Ebene gegeben, die an ihn und seine Mitarbeiter geglaubt haben. "Dennoch sind wir im Augenblick auf den Märkten Ägyptens, Tunesiens, Algeriens, Mosambiks und Vietnams präsent. Wir könnten momentan für Vietnam ein Auto mit der Maschine des Toyota Yaris bauen." Griechenland, so fügt er hinzu, besitze sehr fähige Experten für den Autobau. Leider fänden sie kaum mehr Arbeit. In Deutschland wisse man das, weil viele dieser Menschen dorthin ausgewandert sind. "Nun wird es langsam Zeit, dass wir diesen Menschen in Griechenland wieder eine Arbeit geben."

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