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Wirtschaft

Griechenlandkrise ausweglos?

Die Ratingagentur Standard & Poor's sieht Griechenland kurz vor der Staatspleite und stuft die Bonität des Landes gleich um drei Stufen herab. Das dürfte die Debatte um eine Umschuldung Griechenlands weiter anheizen.

Symbolbild Finanzkrise Griechenland (Grafik: DW)

Die Bilanz der einjährigen Griechenland-Rettung ist vernichtend. Der harte Sparkurs der Athener Regierung hat nicht gereicht, um die Konsolidierungsziele zu erreichen. So wurde 2010 das Haushaltsloch auf 10,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts beziffert, über ein Prozent mehr als geplant. Die Gesamtverschuldung kletterte auf knapp 150 Prozent der Wirtschaftleistung, Tendenz weiter steigend. Um den Schuldenberg abzutragen, brauchen die Hellenen mehr Steuereinnahmen. Sie sind aber nur möglich, wenn die Wirtschaft endlich wieder wächst und der landesübliche Steuerbetrug besser bekämpft wird. Beides ist laut der Troika aus IWF, EU-Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB) nicht in Sicht.

Angesichts dieser ausweglosen Lage fordern immer mehr Ökonomen in Deutschland eine harte Umschuldung Griechenlands. Mit anderen Worten: Die griechische Staatspleite wird eingestanden und ein Schuldenschnitt wird erzwungen. Die Inhaber zehnjähriger griechischer Anleihen müssten rund 40 Prozent ihrer Anlagewerte verschmerzen. Dies sei nicht nur notwendig, sondern wünschenswert, so die einen Experten wie der Ifo-Chef Hans Werner Sinn. Schließlich sind die Investoren das Risiko eingegangen und haben bisher auch gut daran verdient.

Ansteckungsgefahr befürchtet

Dr. Rolf Schneider, Leiter der Abteilung für Makro Research bei der Allianz (Foto: Allianz)

Dr. Rolf Schneider, Leiter der Abteilung für Makro Research bei der Allianz

Bloß nicht, meinen andere Ökonomen wie Rolf Schneider, Leiter der Makro Research der Allianz: "Es würde zwar den Schuldenstand reduzieren, hätte aber einschneidende Folgen für das Land, würde auch aller Voraussicht nach hohe Risiken für die Finanzmärkte in ganz Europa bedeuten", so Schneider zu DW-WORLD.DE.

Vor allem Ansteckungsgefahr für andere klamme Euro-Länder wie Irland, Portugal oder gar Spanien wird befürchtet. Zudem müssten Banken Milliarden abschreiben - schlecht für die ohnehin gebeutelte Bilanz europäischer Banken. Von daher plädiert die Bundesregierung für eine sanfte Umschuldung, bei der Banken freiwillig alte Staatsanleihen gegen neue mit längerer Laufzeit tauschen. Der Plan hat allerdings ein paar Schönheitsfehler.

Sanfte Umschuldung wird nicht reichen

Erstens gilt es nicht als ausgemacht, dass die Banken mitmachen; zweitens würde der Schuldenstand Griechenlands dadurch nicht signifikant sinken. Die Bank Credit Suisse hat ausgerechnet, dass eine Laufzeitverlängerung um fünf Jahre die griechischen Schulden nur um vier Prozent reduzieren würde. Schließlich ist nicht ausgeschlossen, dass auch eine sanfte Umschuldung Turbulenzen an den Finanzmärkten auslösen könnte. Die Ratingagenturen Standard & Poor's und Moody's haben bereits angekündigt, auch eine freiwillige Umschuldung als Zahlungsausfall zu werten.

Dr. Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank (Foto: Deutsche Bank AG)

Dr. Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank

Wäre eine harte Umschuldung doch sinnvoller? Zumindest greift das Argument mit den Bilanzen der Privatbanken aus deutscher Sicht nicht mehr ganz, seit letzte Woche bekannt wurde, dass der private Bankensektor seit Mai 2010 ein Drittel seiner Bestände in griechischen Anleihen abgebaut hat. Ein Zahlungsausfall Griechenlands wäre also für deutsche Banken zu verkraften. Kritisch würde es für griechische Banken, die naturgemäß auch die meisten griechischen Anleihen halten. Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank plädiert dafür, eine Auffanglösung für die griechischen Banken zu finden. Dies sei seiner Meinung nach nicht unmöglich. "Die griechischen Banken sind für das Eurolandbankensystem aller Wahrscheinlichkeit nach nicht systemwichtig", sagt Mayer gegenüber DW-WORLD.DE.

Dass das südeuropäische Land bei einer Staatspleite jahrelang von den Finanzmärkten abgeschnitten würde, berge für Athen sogar Vorteile, meint Mayer: "Das bedeutet für die Griechen, dass sie bis wahrscheinlich 2025, vielleicht sogar darüber hinaus nichts an den Kapitalmarkt netto zurückzahlen würden."

Neues Hilfspaket unumgänglich

Eine EU-Fahne weht über der Akropolis in Athen (Foto:dpa)

Die EU muss ein weiteres Rettungspaket schnüren

Die EU muss so oder so Griechenland aus der Patsche helfen. Um ein neues Hilfspaket wird gerade gerungen. Die Rede ist von 90 bis 120 Milliarden Euro bis 2014. Für Marco Bargel, Chefvolkswirt der Postbank, ist das der einzige, auch ökonomisch sinnvolle Weg, "weil nur dann auch wirklich eine Chance besteht, das Geld wieder vollständig zurückzubekommen, das man Griechenland bereits gegeben hat", sagt Bargel im Interview mit DW-WORLD.DE.

Vorausgesetzt, Griechenland nutzt die durch die Hilfspakete gewonnene Zeit und die Strukturreformen tragen in zwei, drei Jahren Früchte. Ansonsten droht der Fall Griechenland für den Steuerzahler zu einem Fass ohne Boden zu werden, prognostiziert Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank: "Der Privatanleger wird Schritt für Schritt herausgekauft und das Ganze verschiebt sich dann in die öffentliche Hand und die öffentliche Hand wird dann letztendlich der alleinige Gläubiger."

Autorin: Zhang Danhong
Redaktion: Rolf Wenkel

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