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Wirtschaft

Griechenland pleite?! Und dann?

Deutsche Politiker denken inzwischen offen über eine Pleite Griechenlands nach. Was aber würde passieren, würde Griechenland wirklich umschulden?

Griechische Euro-Münze (Foto: dpad)

Die Folgen einer griechischen Staatspleite sind nicht vorhersehbar. Umschuldungen von Staaten hat es zwar schon gegeben, etwa in Argentinien oder Russland. Doch nie zuvor drohte einem Land die Pleite, das Mitglied einer Währungsunion war. Einer Währungsunion, in der auch andere Länder überschuldet sind. Einer Währungsunion, die bereits ein Rettungspaket von 110 Milliarden Euro geschnürt hat und ein weiteres in ähnlicher Höhe auf den Weg bringen will.

Für eine solche Pleite gäbe es also kein historisches Vorbild. Wohl auch deshalb lässt Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble von seinen Fachleuten gerade Szenarien erarbeiten, in der Hoffnung, danach etwas klarer zu sehen.

Unsicherheit an den Märkten

Philipp Rösler (Foto: dapd)

Rösler: "Keine Denkverbote"

Gleichzeitig lässt das Gerede über eine drohende Pleite an den Finanzmärkten die Unsicherheit wachsen – und erhöht so, wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, die Wahrscheinlichkeit der Pleite. Der deutsche Wirtschaftsminister Philip Rösler hatte am Wochenende einen Vorstoß gewagt.

Denkverbote dürfe es nicht mehr geben, dazu gehöre auch das Nachdenken über eine geordnete Insolvenz Griechenlands, so Rösler. Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer sagte, er sei "sehr froh", dass diese Gedanken jetzt auch mal ausgesprochen würden.

Die Reaktion der Märkte war eindeutig. Europaweit gaben die Aktienkurse nach, der Deutschen Aktienindex DAX fiel zwischenzeitlich sogar unter die Marke von 5000 Punkten, so tief wie seit zwei Jahren nicht mehr. Auch der Euro verlor gegenüber dem US-Dollar an Wert.

"Zerstörerische Raserei"

DAX-Tafel am 12.09.2011 (Foto: dpa)

DAX: zwischenzeitlich unter 5000 Punkte

"Die deutschen Politiker scheinen in einer zerstörerischen Raserei zu sein, mit all dem öffentlichen Gerede über eine mögliche Pleite Griechenlands oder gar den Ausstieg des Landes aus dem Euro", sagt Marc Oswald, Marktstratege von Monument Securities in London. "Man kann den Märkten daher nicht vorwerfen, dass sie jetzt in Richtung Bunker rennen und sich die Stahlhelme überziehen."

Und Schutz hätten sie nötig, denn im Fall einer Pleite wäre das Geld, das Griechenland bereits geliehen wurde, zum Teil verloren. Die Euro-Staaten haben Griechenland Milliarden geliehen oder für Kredite gebürgt. Wäre dieses Geld weg, würden sich ihre Schulden entsprechend erhöhen, sagt Stefan Homburg, Leiter des Finanzwissenschaftlichen Instituts der Universität Hannover. Wenn Griechenland seine Schulden nicht mehr bedienen könne, "dann steigt der Schuldenstand Deutschlands schlagartig an, und dann kann auch die deutsche Bonität gefährdet sein", so Homburg.

Höhere Zinsen für alle

Sigmar Gabriel (Foto: dapd)

Fürchtet die Finanzmärkte: Sigmar Gabriel, SPD

Träfe das ein, müsste Deutschland höhere Zinsen für seine neuen Schulden zahlen. Das an sich wäre noch kein Drama, aber bereits angeschlagene Länder wie Portugal, Irland, Italien und Spanien könnten durch höhere Zinsen schnell in Schwierigkeiten geraten.

An den Finanzmärkten wären dann zwei Reaktionen wahrscheinlich: Die Bereitschaft, den wirtschaftlich schwachen Euroländern Geld zu leihen, würde weiter sinken. Zum anderen würde gegen einzelne Euroländer spekuliert – ganz nach dem Motto: Griechenland ist pleite, wer ist der Nächste?

Nach Ansicht von Sigmar Gabriel, Chef der größten Oppositionspartei im Bundestag, der SPD, würde selbst ein Austritt Griechenlands aus der Währungsunion daran nichts ändern. "Dann testen die Finanzmärkte, wie ist denn das mit Irland, mit Portugal, mit Spanien, irgendwann mit Italien." Am Ende könnte die Währungsunion die meisten ihrer Mitglieder verloren haben, so Gabriel.

Banken in Gefahr

Auch viele Banken könnten durch eine Pleite Griechenlands in Gefahr geraten. Zwar haben viele Institute ihre Griechenland-Anleihen in den vergangenen Monaten bereits an die Europäische Zentralbank verkauft. Dennoch gehörten in den vergangenen Tagen Bank-Aktien in Deutschland und Frankreich zu den stärksten Verlierern. Im Zweifel müsste auch hier wieder der Staat einspringen und die Institute mit Steuergeld retten. Geld, das in der ohnehin angespannten Lage an anderer Stelle fehlt – und wahrscheinlich durch neue Schulden finanziert werden müsste.

Schließlich könnte auch der Euro selbst unter Druck geraten. Denn die Europäische Zentralbank sitzt schon jetzt auf einem riesigen Berg griechischer Schuldtitel. Würden die durch eine Pleite wertlos werde, würde auch der Kurs des Euro weiter nachgeben. Wie weit, ist nicht vorherzusagen.

Druck auf Athen

Giorgos Papandreou (Foto: dapd)

Ausgaben runter, Steuern hoch: Griechenlands Premier Giorgos Papandreou

Ein Ziel der derzeitigen Diskussion über eine Pleite Griechenlands ist es sicher, den Druck auf die Regierung in Athen zu erhöhen. Die soll noch mehr sparen und gleichzeitig die Einnahmen erhöhen. Andernfalls werden die Euroländer, die Europäische Zentralbank und der Internationale Währungsfonds die nächste Rate aus dem Rettungspaket nicht auszahlen.

Doch ob sich das Land wirklich aus der Krise herausparen kann, ist unwahrscheinlich. Die Rezession ist stärker als bisher angenommen. Finanzminister Evangelos Venizelos sagte am Samstag, die griechische Wirtschaft werde in diesem Jahr wohl um mehr als fünf Prozent schrumpfen.

Möglich ist deshalb, dass bald wieder verstärkt über gemeinsame Schuldtitel der Euroländer diskutiert wird, die sogenannten Eurobonds. Deren Risiken scheinen zumindest geringer als die Folgen einer griechischen Pleite.

Autor: Andreas Becker
Redaktion: Dirk Kaufmann

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