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Wirtschaft

Griechenland: Neue Urlaubssaison, neue Hoffnung

Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Griechenland - aber ausbaufähig: Ein junger Reiseexperte bringt frischen Wind in die regionale Tourismusbranche im verschlafene thessalischen Piliongebirge.

Mit 28 Millionen Besuchern rechnet die griechische Tourismusbranche in diesem Jahr. Vor einem knappen Jahr prophezeiten die Fachleute weitaus schlechtere Zahlen. Einerseits stimmte diese Prognose. Vor allem für die Ferieninseln entlang der kleinasiatischen Küste. Vermeintliche Flüchtlingsströme schrecken potenzielle Urlauber ab. Die Ankündigung hoher Steuerauflagen lässt Preissteigerungen befürchten – das hat das Image Griechenlands als attraktive Ferienregion stark beeinträchtigt. Es folgten Stornierungen in den Vorbuchungen. Auch stoppten zahlreiche Reiseanbieter ihre Direktflüge zu den Inseln.

Eine Zeit lang schien es, als könnte sich das Land nie wieder von dieser Rezession erholen. Trotzdem ist der Tourismus noch immer eine der zukunftsträchtigen Branchen im Land geblieben. Rund ein Fünftel des Bruttoninlandsprodukts wird in der Tourismusindustrie erwirtschaftet. Und jeder fünfte Beschäftigte findet in der Reisebranche Arbeit. Tendenz weiter steigend.

Engagement zahlt sich aus

Mit großen Zaubersprüchen hat der Erfolg im griechischen Tourismus weniger zu tun. Eher mit innovativen Ideen, neuen Marktstrategien und privaten finanziellen Vorleistungen, die viele Reisefachleute aufgebracht haben. Wie im Fall des Jungunternehmers Grigoris Fanoulas. Er hat die Krise in der Branche im thessalischen Pilion erlebt, einer klassischen Destination für Individualtouristen. Wer hier her reist, der möchte das echte Griechenland wie zu Großmutters Zeiten kennenlernen. Und ist auch bereit, ein bisschen tiefer in die Tasche zu greifen. Deshalb startete Reisefachmann Fanoulas 2012 mit einer ganz neuen Idee: Die Region soll sich zur eigenen Marke entwickeln.

Fanoulas investierte 35 000 Euro aus eigener Tasche, die Arbeitszeit nicht eingerechnet. Dreieinhalb Jahre suchte er nach kleinen Betrieben, die im gesamten Pilion verstreut lagen. "Alle konnten etwas Eigenes anbieten, wussten aber nicht so recht, wie sie auf sich aufmerksam machen können", erklärt er. Deshalb entwickelte Fanoulas einen eigenen Markennamen, speziell für diese Region "LLL" steht für "Live Like Local". Er soll dem Gast genau das bieten, was der Name verspricht – lebe wie ein Einheimischer. Zum Beispiel beim Töpfermeister mit töpfern, beim Ziegenbauern mit melken, beim Instrumentenbauer mit bauen, beim Gemüsebauer mit ernten.

Das Ganze verpackt er in ein attraktives Reisepaket, das jeder Gast mehr oder weniger für sich individuell oder in einer Gruppe von maximal zehn Personen mitgestalten kann. "Wir sollten nicht allein Projekte fördern, die vordergründig nur die Kassen füllen. Unsere Idee geht eher in die Richtung von mehr Qualität, steht für einen sanften Tourismus", erklärt der Jungunternehmer. Damit hat er etwas geschaffen, das für Griechen ganz und gar nicht selbstverständlich ist. "Die Griechen sind überzeugte Einzelkämpfer Das Schwierigste war, alle an einen Tisch zu bringen und ihnen klar zu machen, dass mit Live Like Local alle gemeint sind."

Im Trend

Die Zeichen stehen gut für neue Geschäftsideen wie die des jungen Reisefachmanns. Vor einigen Jahren hatte die griechische Reiseindustrie mit einem ähnlichen Mammutprojekt für ganz Griechenland begonnen. Zum ersten Mal in der Geschichte der griechischen Reiseindustrie wurde ein Werbeunternehmen, die "Marketing Greece Group", damit beauftragt, für alle Regionen des Landes einen jeweils dafür passenden Markennamen zu entwickeln. Vor einigen Wochen wurde das Profil für Thessalien und damit auch für die Pilion-Region präsentiert. Unter dem Titel: „Thessaly – handcrafted by time" soll nun Grigoris Fanoulas Heimatregion touristisch vermarktet werden.

Der junge Geschäftsmann zieht für sich daraus die Schlussfolgerung, in die richtige Richtung investiert zu haben. "Meine Idee war, die traditionellen Berufe im Pilion durch den Tourismus vor dem Aussterben zu retten und ihnen eine Zukunft zu geben. Das hat sich als sinnvoll erwiesen. Für mich ist dies in der Krise die wichtigste Erkenntnis gewesen, unsere lokalen Fähigkeiten zu erkennen und sie neu aufzuwerten", erklärt er, während sein Telefon unentwegt klingelt. Es ist ein Reiseanbieter aus den USA, der sich für das "Live Like Local Programm" interessiert. Wenn das Interesse weiter so groß bleibt, so glaubt Grigoris Fanoulas, hat sich seine Investition, die er vor drei Jahren begonnen hat, in den nächsten drei Jahren amortisiert.