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Griechenland meldet Vogelgrippe

Die Vogelgrippe hat ein Land der Europäischen Union erreicht: Die Krankheit wurde in Griechenland nachgewiesen, ein Dorf unter Quarantäne gestellt. Auch Kroatien meldete Verdachtsfälle.

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Vögel scheren sich nicht um Grenzen

Experten der Universität Athen haben Antikörper gegen den Vogelgrippen-Typ H5 bei einem Truthahn festgestellt. Das berichtete das staatliche griechische Fernsehen (NET) am Montag. Wenig später bestätigte die griechische Regierung den Ausbruch der Seuche. Die Proben stammen aus der kleinen Ostägäisinsel Oinousses, die nur rund zwei Kilometer vor der türkischen Küste liegt. Endgültige Erkenntnisse werde es in den nächsten Tagen geben, da Griechenland Proben zum Speziallabor der EU geschickt habe, hieß es. Auf der Insel Oinousses habe bereits die Tötung aller Hausvögel begonnen. Die Ortschaft wurde unter Quarantäne gestellt. Ob es sich in Griechenland um den auch für Menschen gefährlichen Virus-Subtyp H5N1 handelt, wird sich in den nächsten Tagen herausstellen.

Virus auch in Kroatien?

Pelikane, Vogelgrippe in der Türkei

Pelikane in der Türkei

Das Vogelgrippe-Virus H5N1 war in der vergangenen Woche in der Türkei und in Rumänien nachgewiesen worden. Zwei EU-Experten unterstützen die nationalen Behörden in den beiden Ländern dabei, die Infektionsherde einzudämmen. Das Team in der Türkei habe am Montag (18.10.2005) die Arbeit aufgenommen. Das Virus hat in Asien bislang mehr als 60 Menschen getötet. Experten fürchten eine Mutation des Erregers, durch die er leicht von Mensch zu Mensch übertragen werden könnte.

Nach einem mysteriösen Vogelsterben im EU-Anwärterstaat Kroatien hat die EU-Kommission schnelle Tests an den Tieren gefordert. Es müsse herausgefunden werden, ob die Vögel an der hoch ansteckenden Vogelgrippe gestorben seien, sagte ein Kommissionssprecher am Montag in Brüssel. "Wo es Verdachtsfälle dieser Art gibt, müssen die Tests so schnell wie möglich gemacht werden." In Kroatien wurden den Behörden zufolge in den letzten Tagen etliche tote Stare gefunden.

Über Russland in die EU?

Experten gehen davon aus, dass der Erreger von Zugvögeln aus Russland eingeschleppt wurde. Angesichts der unsicheren Erkenntnisse über das Virus und den Ausbruch der Vogelgrippe in Rumänien und der Türkei befinden sich die Politiker nach Einschätzung des Leiters der Vogelwarte Radolfzell des Max-Planck-Instituts für Ornithologie, Wolfgang Fiedler in einer "schwierigen Abwägesituation". Einerseits müssten sie die Bestände vor Ansteckung schützen, womöglich mit einem Verbot der Freilandhaltung von Geflügel. Andererseits könnten Betriebe mit ausschließlicher Freilandhaltung in ihrer Existenz bedroht sein. Falls die Türkei die Seuche nicht in den Griff bekommen sollte, dürfte das Problem einer möglichen weiteren Ausbreitung der Vogelgrippe laut Fiedler im nächsten Frühjahr massiv auf Deutschland zukommen. Dann kommen die Zugvögel aus Afrika über Kleinasien zurück nach Mitteleuropa. Hauptbetroffen von der Seuche sind nach diesen Angaben Wasservögel, die offenbar eine natürliche Anfälligkeit für das Virus haben, wie Fiedler sagt. Die so genannten Hot Spots sind entsprechend Wassergebiete, also Seen, Staustufen oder Flussarme sowie die Küste.

Bestände aufstocken

Die Europäische Union muss sich auf das Auftauchen neuer Fälle von Vogelgrippe einstellen. Dies sagte EU-
Gesundheitskommissar Markos Kyprianou am Dienstag nach einer Sondersitzung der EU-Außenminister in Luxemburg. Zugleich müsse sich die Union besser auf eine Grippe-Pandemie vorbereiten. Ein solcher massenhafter Grippe-Ausbruch bei Menschen über mehrere Länder oder
Kontinente sei möglich, habe aber mit der Vogelgrippe nichts zu tun.

Notfallplanung

"Wir können nicht ausschließen, dass es in anderen Mitgliedstaaten zu weiteren Ausbrüchen der Vogelgrippe kommt", sagte Kyprianou. Und wir haben dafür eine Notfallplanung. Er hoffe, dass sehr bald feststehen werde, ob es nach den EU-Anrainern Türkei und Rumänien auch bei EU-Mitglied Griechenland den auch für Menschen gefährlichen
Virus-Subtyp H5N1 gebe. Bis dies klar sei, gehe man aber von der Annahme aus, dass dies der Fall sei.

Abstimmung der nationalen Grippepläne

Eine gefährliche Grippe-Epidemie für den Menschen in der EU könne nach Ansicht aller Experten von einem völlig anderen Virus als dem Vogelgrippe-Virus ausgelöst werden. Es sei keineswegs sicher, dass es zu einer solchen Krankheitswelle komme: "Aber wir müssen auf eine solche Pandemie vorbereitet sein", sagte der Kommissar. In der kommenden Woche wollten die Gesundheitsminister über die nationalen
Vorbereitungen auf eine solche Pandemie beraten. Dabei werde es auch darum gehen, dass die nationalen Grippeplanungen aufeinander abgestimmt seien.

Die Kommission werde auch mit der Industrie Kontakt aufnehmen, um zu klären, in welchem Umfang Medikamente vorhanden seien und schnell produziert werden könnten. "Die Wahrheit ist doch, dass es eine große Nachfrage gibt oder geben wird, falls wir eine Pandemie bekommen. Wir
müssen schauen, wie wir die Produktionskapazitäten von Medikamenten erhöhen können." Diese Vorkehrungen müssten völlig unabhängig von der Vogelgrippe getroffen werden.

"Weltweite Bedrohung"

Auch in einer Erklärung der Außenminister wird die Vogelgrippe als "weltweite Bedrohung" bezeichnet. Eine effektive Koordination auf der Ebene der Union könne die Wirksamkeit der einzelstaatlichen Maßnahmen verstärken. Verschiedene Ministerräte wollen sich im Laufe
dieses Jahres immer wieder mit der Vogelgrippe befassen, doch wollten auch die Außenminister "die Situation aufmerksam beobachten".

Kyprianou sagte, die EU-Öffentlichkeit müsse wissen, dass das Vorkommen der Vogelgrippe die Wahrscheinlichkeit einer Grippe-Pandemie nicht erhöhe. Die EU müsse Solidarität mit den am meisten von der Vogelgrippe betroffenen Ländern Asiens zeigen. (sams/chr)

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