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Europa

Griechenland macht Ernst an der Grenze

Mazedonien verweigerte Flüchtlingen die Einreise, deshalb kampierten sie an der Grenze. Nun droht tausenden Flüchtlingen die Abschiebung. Ihr Lager hat die griechische Polizei geräumt. Aus Idomeni berichtet Diego Cupolo.

Sie kamen in den frühen Morgenstunden. Polizisten umstellten das Flüchtlingslager in Idomeni gegen 3 Uhr nachts am Mittwoch. Am Nachmittag sei das Camp geräumt gewesen, sagte ein Helfer des Roten Kreuzes. 2000 Aslysuchende wurden in Bussen nach Athen gebracht. Vier Journalisten wurden verhaftet. Pressevertreter durften erst am Abend wieder auf das Gelände.

Es gibt deshalb keine unabhängigen Berichte von der Räumung selbst. Laut einem Vertreter der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" hat es jedoch keine Verletzten gegeben. "Es waren so viele Polizisten, dass niemand an Widerstand gedacht hat", sagte der Helfer, der anonym bleiben möchte.

Wie ausgestorben

Fast drei Wochen lang hatte es zuvor Proteste und gewaltsame Ausschreitungen gegeben. Mazedonien hatte am 18. November entschieden, nur noch Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Afghanistan ins Land zu lassen. Hunderte Iraner, Pakistaner und Menschen aus afrikanischen Staaten sahen daraufhin ihren Weg nach Nordeuropa versperrt. Sie kampierten an der Grenze, einige blockierten den Übergang sowie die Zugverbindung nach Norden.

Griechenland Mazedonien Grenze Flüchtlinge

Räumung in der Nacht

Nun ist ihr Lager an der Grenze wie ausgestorben. "Das ist merkwürdig, hier durchzulaufen", sagt Christian Wilbers von der Hilfsorganisation "Save the Children". "Ich denke immer noch, hier müsste es doch überfüllt sein wie in den vergangenen Wochen auch. Aber plötzlich ist es das nicht mehr."

In der Wartezone

Während der Lagerräumung wurden zehn Busse, die auf dem Weg von Athen nach Idomeni waren, an einer Tankstelle 20 Kilometer südlich der Grenze angehalten. Rund 400 Flüchtlinge warteten dort auf ihre Weiterreise. "Warum lassen sie Leute aus Athen abfahren, wenn wir eh nicht über die Grenze dürfen", fragte Mohammed Bashir, Elektrotechnik-Student aus Somalia. "Ich weiß, die Antwort lautet: Politik. Aber sie sollten humaner sein. Hier stehen Leute in der Kälte, es sterben Menschen, und niemand will Verantwortung übernehmen."

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An einer Tankstelle warteten rund 400 Flüchtlinge auf die Weiterfahrt

Schließlich konnten die Busse weiter nach Norden in Richtung Idomeni fahren. Dort jedoch soll nur noch eine Transitzone erhalten bleiben. Registrierte Flüchtlinge sollen in Zukunft in einer Kaserne auf mazedonischer Seite untergebracht werden.