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Wirtschaft

Griechenland bleibt ein Pokerspiel

Trotz der jüngsten Reformbeschlüsse wird Athen auf weitere Hilfsgelder warten müssen, weil sich die Gläubiger über die künftige Strategie nicht einig sind. Für manche Hedgefonds ist das Land schon wieder eine Wette wert.

Das griechische Parlament hat in der Nacht zum Montag ein neues Sparprogramm beschlossen, das dem schuldengeplagten Euro-Land den Weg für weitere internationale Finanzhilfen ebnen soll. Griechenland hat damit eine wesentliche Bedingung erfüllt, damit neue Hilfsgelder aus dem aktuellen Programm fließen können.

Athens Kassen leeren sich zusehends. Spätestens bis Anfang Juli muss frisches Geld nach Griechenland fließen, damit nicht erneut eine Pleite des Euro-Sorgenkindes droht. Bis zum 7. Juni müssen knapp 300 Millionen Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) gezahlt werden - Geld, das noch in der Athener Haushaltskasse vorhanden sein sollte.

Doch der weitaus wichtigere Brocken kommt einen Monat danach: Im Juli muss Griechenland an den IWF, an die Europäische Zentralbank (EZB) und anderen Gläubigern Schulden von 2,3 Milliarden Euro plus 1,6 Milliarden Euro an Zinsen zurückzahlen. Diese Summe hat Athen nicht.

"Ziele so gut wie erreicht"

Allerdings hat die Regierung Tsipras mit dem Parlamentsbeschluss aus der Nacht zum Montag eine große Hürde genommen, damit eine erste Tranche der Hilfsgelder in Höhe von 4,9 Milliarden Euro fließen kann. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sieht das Krisenland jedenfalls auf einem guten Weg. "Wir sind gerade bei der ersten Überprüfung des Programms, und die Ziele sind so gut wie erreicht", sagte er am Wochenende in einem Interview.

Vor allem der Internationale Währungsfonds (IWF) macht sich dafür stark, schnell über Schuldenerleichterungen zu verhandeln. Das Thema müsse "sofort auf den Tisch", schrieb IWF-Chefin Christine Lagarde an die 19 Eurozonen-Länder. Vor allem der IWF fordert weitere Sparanstrengungen in einem Umfang von 3,6 Milliarden Euro.

Die Schritte sollen aber nur in die Tat umgesetzt werden, falls das Krisenland Budgetziele nicht erreicht. Dieses "Sparpaket auf Vorrat" ist indes heftig umstritten: Der IWF hält die finanzielle Lage des griechischen Staates für weitaus prekärer als die Europäer. Diese wiederum unterstützten die IWF-Forderung, denn sie wollen den Weltwährungsfonds beim dritten Hilfspaket in Höhe von bis zu 86 Milliarden Euro mit an Bord haben. Die Regierung in Athen sieht indes keine Chance, einen solchen Vorratsbeschluss durchs Parlament zu bekommen.

Unrealistischer Haushaltsziele

Der IWF verlangt zudem von der Eurozone unverzügliche Verhandlungen über Schuldenerleichterungen für Griechenland. Einen entsprechenden Brief von IWF-Chefin Christine Lagarde hatte am Freitag ein IWF-Sprecher in Washington bestätigt. Die Vereinbarung mit der EU, mittel- und langfristig einen Haushaltsüberschuss (Einnahmen minus Ausgaben vor Abzug des Schuldendienstes) von 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erwirtschaften, sei unrealistisch. Dieses Ziel müsse auf 1,5 Prozent nach unten korrigiert werden.

Dieser Grundsatzstreit macht es unwahrscheinlich, dass die Euro-Finanzminister schon an diesem Montag bei ihrem Sondertreffen in Brüssel zu einer Einigung kommen. Diplomaten rechnen damit, dass sich die Verhandlungen noch bis zum regulären Treffen am 24. Mai hinziehen werden.

Hedgefonds wetten wieder

Unterdessen ist Griechenland schon wieder ins Visier der ersten Spekulanten geraten. So registriert die amerikanische Citibank eine Belebung im Handel mit europäischen Staatsanleihen, weil sich die Lage in Griechenland seit dem Höhepunkt im vergangenen Sommer stabilisiert zu haben scheint. Vor einem Jahr hatte es noch stark nach einem möglichen Austritt Griechenlands aus der Eurozone ausgesehen, dagegen werde es "in diesem Jahr keine große Griechenland-Krise geben", glaubt der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble.

So haben bereits einige Hedge-Fonds begonnen, Aktien griechischer Unternehmen zu kaufen. Diese sind im Moment noch zum Schnäppchenpreisen zu haben. Denn die Börse in Athen war im Februar auf ein Rekordtief gefallen – die Kurse lagen bis zu 85 Prozent unter dem Niveau von 2007. Ein Hedgefonds hatte 2012 eine Rendite von 30 Prozent erwirtschaftet, weil er mit einer ähnlichen Strategie auf eine Konjunkturbelebung in Spanien gewettet hatte.

Doch Aktien sind nicht die einzige Form, mit der man auf eine Erholung in Griechenland wetten kann. Andere Einstiegsgelegenheiten werden im Geschäft mit faulen Krediten gesehen, die in Griechenland rund 40 Prozent aller ausstehenden Darlehen ausmachen. Normalerweise sind Anleger hier zu Käufen zu bewegen, wenn sich der Preis auf lediglich 20 Prozent des Originalwerts beläuft. Der Hedgefonds PVE Capital will in diesem Jahr risikobehaftete Kredite in Griechenland erwerben, nachdem er dies schon in Italien getan hat.

Auch andere Fonds wetten inzwischen auf eine ökonomische Genesung Griechenlands. So plant eine Gesellschaft einen Spezialfonds, der in angeschlagene griechische Unternehmen investieren soll, ein anderer investiert gezielt in griechische Bank-Aktien. Denn die griechischen Banken profitieren von einer neuen Insolvenzordnung, sind im vergangenen Jahr rekapitalisiert worden und haben mittlerweile bessere Möglichkeiten, ihre faulen Kredite loszuwerden.