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Wirtschaft

Griechen-Anleihen nur noch Ramsch

Die Lage der Griechen wird immer dramatischer: Die Ratingagentur S&P stufte die Kreditwürdigkeit auf "Junk"-Status herab. Ministerpräsident Papandreou rief in einer emotionalen Rede seine Landsleute zum Zusammenhalt auf.

Mitarbeiter einer Ratingagentur vor Bildschirmgeräten (Foto: Archiv)

Griechen erneut herabgestuft: Kredite werden jetzt noch teurer

Die internationale Ratingagentur Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit Griechenlands am Dienstag (27.04.2020) auf ein Ramsch-Niveau gesenkt und damit Besorgnis bis Panik in dem Land ausgelöst. Die Aufnahme neuer Kredite für Athen wird damit noch schwieriger und vor allem teurer. Schon am Vortag hatten die Zinsen auf zehnjährige griechische Staatsanleihen an den weltweiten Finanzmärkten den Rekordstand von knapp zehn Prozent erreicht.

Die weitere Abwertung von BBB+ auf BB+ durch die Agentur S&P wurde in Athen als "unerklärlich" bezeichnet. Es sei nunmehr "ein klar europäisches Thema", sagte der Regierungssprecher Giorgos Petalotis im griechischen Radio wenige Minuten nach der Abwertung. Es ist das erste Mal, dass der Sprecher in Athen so schnell auf eine Abwertung reagiert.

Chor der Beschwichtigung

Papandreou (Foto: AP-Archiv)

Eindringlicher Appell an die Nation: Premier Papandreou

"Die Geldeinlagen in Griechenland sind sicher", versuchte der Regierungssprecher zu beruhigen. Die Verhandlungen mit dem IWF und der EU gingen bald zu Ende, Griechenland werde bald Unterstützung bekommen, hieß es. Ministerpräsident Giorgos Papandreou hatte in einer emotionalen Rede seine Landsleute zum Zusammenhalt aufgerufen. Das Land gehe durch "eine der schwierigsten Phasen seiner Geschichte". Ganze Generationen seien für viele Jahre betroffen.

Im staatlichen Fernsehen hieß es pathetisch: "Es ist eine Attacke gegen das Land. Etwas muss jetzt dringend geschehen". Viele Sender unterbrachen ihr Programm und berichteten vom "neuen Schlag gegen die Wirtschaft" des Landes. Die Athener Börse war bereits am Nachmittag um sechs Prozent auf ein Jahrestief von 1696,68 Punkten gefallen.

Trichet: Kein Bankrott zu befürchten

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, sah sich veranlasst, Befürchtungen vor einem Zahlungsausfall Griechenlands oder anderer hochverschuldeter Euro-Länder entgegenzutreten. Ein Bankrott sei ausgeschlossen, sagte Trichet bei einer Podiumsveranstaltung in Chicago. Die spanische Ratspräsidentschaft der EU schlug die Einberufung eines Gipfeltreffens der Euro-Zone vor.

Griechenland ist vom finanziellen Zusammenbruch bedroht. Deswegen hatte Athen die EU und den Internationalen Währungsfonds (IWF) am Freitag offiziell um Hilfe gebeten. Die Euro-Länder wollen Athen allein 2010 mit bis zu 30 Milliarden Euro unter die Arme greifen - Deutschland würde davon bis zu 8,4 Milliarden Euro übernehmen. Auf den IWF könnten zusätzlich bis zu 15 Milliarden Euro zukommen.

Trotz der schwierigen Lage wurden am Dienstag weider öffentliche Verkehrsmittel in Athen lahmgelegt. Und zahlreiche Gewerkschaften kündigten weitere Streiks für Anfang Mai an.

Autor: Siegfried Scheithauer (apn, rtr, dpa)

Redaktion: Manfred Götzke

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