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Asien

Grenzenloses Surfen trotz Zensur

Auf der Rangliste der Pressefreiheit landet China auf Rang 167 von 173 Staaten. Das schlechte Abschneiden Chinas hat auch mit der Internetzensur zu tun, die jetzt weiter verschärft werden soll.

(DW)

Zensur im Internet

Den chinesischen Behörden zufolge geht es bei der Einführung der neuen Zensursoftware "Green Dam" zum 1. Juli allein um den Schutz von Jugendlichen vor Pornografie und anderen "schädlichen" Inhalten. Dennoch hagelt es Proteste. Die Europäische Kommission etwa bezeichnet die zwangsweise Installation der neuen Filtersoftware schlicht als inakzeptabel. Ziel des neuen Programms sei es, "das Internet zu zensieren und die Freiheit zu beschränken", hieß es in einer offiziellen Stellungnahme aus der Woche.

China verfügt bereits jetzt über ein ausgefeiltes Filtersystem, und das chinesische Internet ist nur über wenige Knotenpunkte mit dem Ausland verbunden. Es werden Filter eingesetzt, die zum Beispiel auf bestimmte Schlüsselbegriffe reagieren. Doch auch ausgeklügelte Filtertechniken stoßen an Grenzen - wie Sicherheitsexperte einer deutschen Computerfirma Lars Fischer erklärt: "Informationstechnisch gesehen sind Filter nur beschränkt effektiv, weil es meistens Methoden gibt, da außen herum zu gehen."

Drohender Kontrollverlust

Deshalb sind in China auch noch schätzungsweise 30.000 bis 50.000 Internetpolizisten zusätzlich mit Kontrolle und Zensur der Inhalte beschäftigt. Mit der neuen Software geht die chinesische Regierung jetzt einen entscheidenden Schritt weiter, denn sie weitet dadurch ihre Kontrollmöglichkeiten noch mehr aus: von der Infrastruktur des Internets auf den Rechner des Users. Experte Fischer befürchtet durch die vorgeschriebene Installation der neuen Software auf seinem PC einen völligen Kontrollverlust. "Wenn es beispielsweise darum geht, eine Firewall zu umgehen, dann ist mein Rechner weniger mein Verbündeter als vielmehr mein direkter Gegenspieler."

Die neuen Programme ähneln so genannten "Trojanern", die die Fernsteuerung des Rechners ermöglichen. Ohne Wissen des Nutzers können zum Beispiel Updates oder auch andere Programme hochgeladen werden. Prinzipiell ist eine völlige Kontrolle des Computers möglich, sogar der volle Zugriff auf die Festplatte. Doch gegen diese weitreichenden Eingriffe in private Bereiche formiert sich auch in China bereits Widerstand. So ruft der Künstler Ai Weiwei zum Boykott des Internets auf: "Ich fordere alle auf, am 1. Juli auf alle Tätigkeiten zu verzichten, die mit dem Internet zu tun haben - sei es E-Mails schreiben oder abrufen, Online-Spiele spielen oder bloggen."

Inzwischen soll auch schon eine "Anti-Green-Dam-Software" zirkulieren, mit der man seinen Rechner von dem Filterprogramm reinigen kann.

Autor: Matthias von Hein

Redaktion: Michaela Paul