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Global Ideas

Grenzüberschreitender Baum-Verkehr

Als ein Paket mit Baum-Setzlingen aus Kalifornien vor ihrer Berliner Haustür stand, ahnte unserer Autorin noch nicht, dass das Thema “Einpflanzen fremder Baumarten” mindestens so gewaltig würde, wie die Bäume groß.

Redwood-Bäume von unten nach oben fotografiert.(Photo: DW)

Können Redwood-Bäume nachhaltig das Klima schützen?

In der Welt der Bäume ist David Milarch ein Rockstar.

Ein Buch, das 2013 in den USA zum Bestseller wurde, erzählt seine Geschichte, die einer Verwandlung vom Holzfäller zum Vorkämpfer von Weltrang, wenn es um den Schutz von Bäumen geht. Milarch klont Riesenbäume, um damit alte Wälder auf der ganzen Welt wieder aufzuforsten. Auch eine Dokumentation über ihn soll in Produktion sein.

Ich hatte Milarch im Zuge der Berichterstattung ebenfalls interviewt. In einem Artikel wollte ich der Frage nachgehen, ob es auch in Deutschland sinnvoll sein könnte, Riesenbäume zu importieren, um die Wälder des Landes wieder aufzuforsten. Bäume, wie die Redwoods zum Beispiel, zu denen die größten lebenden Bäume der Welt gehören. Doch dann stellte Milarch mir unvermittelt die Frage: "Kann ich Ihnen einige Baby-Bäume zum Anpflanzen schicken?"

Ein Mann und eine Frau stehen unter einem Baum, Blick aus der Froschperspektive (Foto: USA Archiv 2004)

David Milarch, hier neben der Umweltschützerin Gloria Flora, ist der Popstar unter den Baumschützern.

Eine Frage, die in mir viele Erinnerungen wachrief, an unsere Familienurlaube im kalifornischen Muir Woods Nationalpark. Das ist ein Ort, an dem man schnell merkt, wie klein und unbedeutend der Mensch tatsächlich ist. Hier gibt es zwei Arten von Redwoods, den Riesenmammutbaum und den Küstenmammutbaum. Beide können überwältigende Ausmaße erreichen, bis zu 115 Metern wachsen sie in die Höhe und erreichen dabei acht Meter im Durchmesser. Manche übertreffen diese Werte noch. Der Nationalpark ist auf der anderen Seite aber auch ein Symbol für die Macht des Menschen: Hier steht nur noch ein kleiner Teil der ursprünglichen Bewaldung. Insgesamt stehen überhaupt nur noch fünf Prozent der Mammutbäume, die es vor mehr als hundert Jahren auf der Nordhalbkugel der Erde gab.

Es gibt Webseiten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die auf der Welt neu gepflanzten Mammutbäume aufzulisten. Auf einer solchen Seite - monumentaltrees.com - haben User Fotos hochgeladen. Sie zeigen rund 100 Riesen-Bäume, die in den letzten zwei Jahrhunderten in Europa gepflanzt wurden. Und dort nicht heimisch sind.

Ich willigte ein, dass Milarch seine Baby-Redwoods an meine Adresse schickt. Aber ich wollte mehr über diese Giganten erfahren und ging auf die Suche nach Experten.

Redwoods gegen den Klimawandel

"Es ist faszinierend zu wissen, wo auf der Welt Redwoods gepflanzt wurden", sagt Emily Burns. Sie ist die wissenschaftliche Leiterin bei Save the Redwoods League, einer gemeinnützigen Organisation, die diese Riesenbäume retten und Menschen über den Schutz miteinander verbinden will. In Neuseeland, fügt sie hinzu, habe die Holzindustrie Redwoods schon seit Jahrzehnten angepflanzt.

Um den Wert von Bäumen grundsätzlich zu verstehen, muss man wissen, dass sie zwar kein Kohlendioxid mehr aufnehmen, wenn sie gefällt werden und dass bei ihrem Transport auch weiteres CO2 frei wird. Doch der Kohlenstoff, den die gefällten Bäume bereits aufgenommen haben, bleibt zum größten Teil im Holz gespeichert. Selbst in den Holzprodukten, die am Ende aus den Bäumen entstehen.

"Wenn wir wissen, wo genug der Bäume stehen, können wir eine Klimaanalyse machen und mehr darüber lernen, unter welchen Klimabedingungen Redwoods tatsächlich leben können", sagte mir Burns. "Das könnte uns helfen zu entscheiden, wo angesichts des Kimawandels Redwoods gepflanzt werden können."

Herbstwald im Nebel (Foto: Thorsten Schier - Fotolia.com)

Selbst die Europäische Buche ist in einigen Teilen des Kontinents invasiv.

Anthony Ambrose erforscht die Bäume an der University of California, Berkeley. Was die Kohlenstoffspeicherung und die Resistenz gegen den Klimawandel angeht, sind die Bäume keineswegs etwas Besonderes, sagt er. Seine Forschung zeigt zwar, dass die kalifornischen Küstenmammutbaumwälder zu den größten lebendigen Kohlenstoffspeichern der Erde gehören. Doch sie nehmen CO2 aus der Atmosphäre nicht schnell genug auf, um die Klimaerwärmung zu verlangsamen.

"Sie saugen das Kohlendioxid nicht schneller als andere Bäume auf, aber sie speichern es für eine längere Zeit", erläutert Ambrose.

Durch den Klimwandel verschieben sich die Klimazonen. Das macht es noch schwieriger herauszufinden, welche Arten wo gepflanzt werden sollten. Am Ende entscheidet eine jede Gesellschaft selbst, wo sie die Bäume tatsächlich pflanzen will.

Und dann ist da die Politik…

So hat das Europa-Parlament im April 2014 eine Verordnung verabschiedet, durch die das Einführen von 50 Pflanzen- und Tierarten nach Europa verboten wird. Und die Zahl könnte sich noch auf Hunderte oder gar Tausende erhöhen. Es sei noch nicht klar, ob große Baumarten auch auf dieser ersten Liste stehen, sagt Frank Krumm, Forscher am European Forest Institute.

Gemäß der internationalen Pflanzenschutz-Konvention (https://www.ippc.int/) ist es jedenfalls illegal, lebende Pflanzen einzuführen, wenn keine Erlaubnis und entsprechende Dokumente vorliegen. Würde ich also meine Baby-Redwoods in einem Park anpflanzen, könnte ich Probleme bekommen. Selbst Labore brauchen manchmal Jahre, bis sie von den Behörden die Erlaubnis bekommen, bestimmte Arten für Forschungszwecke zu importieren.

Solche Regeln stehen im Widerspruch zur Realtität, mit denen Europas Wälder konfrontiert sind. Nachdem sie über Jahrhunderte gerodet wurden, sind Forstwirte gezwungen gewesen, für die Wiederaufforstung auch nicht-heimische Arten zu pflanzen.

"Eine natürliche Dynamik wird nicht zugelassen", sagt Krumm. "Das Waldmanagement in Europa unterscheidet sich von dem in den USA - in Europa gibt es einfach keinen Platz um große Schutzflächen zu etablieren."

Selbst heimische Arten, wie die Rotbuche könnten einen invasiven Charakter haben, je nachdem wo sie gepflanzt werden, ergänzt er. Was gepflanzt werden soll und wo, ist daher ständig eine Herausforderung.

"Man muss nachweisen, dass die (neu gepflanzten) Arten nicht invasiv sein würden, aber diese Sicherheit zu haben, kann Generationen dauern."

Weder die Zeit noch das Gesetz sind eindeutig auf meiner Seite - so viel habe ich herausgefunden, seitdem die Setzlinge aus den USA bei mir angekommen sind.

Sie standen auf meiner Veranda. Dort sind sie mittlerweile eingegangen.