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Kultur

Grelle Mode für Freidenker

Clever, bunt und selbstironisch. Die Mode des Designerteams "Smarteez" bringt Farbe in die Armenviertel von Südafrika. Was aus der Not heraus entstand, entwickelt sich zu einem erfolgreichen Unternehmen mit Einfluss.

Männliches Model präsentiert Mode des Labels Smarteez (Foto: Chris Saunders)

Die Maponja Mall ist das einzige westliche Einkaufszentrum in Soweto. Alle großen Modehaus-Ketten Südafrikas haben Läden hier. Fast alle verkaufen enge Röhrenjeans, übergroße Paillettenshirts und kniehohe Stiefel. Kepi Mngomezulu würde hier niemals einkaufen. Massenmode, nicht sein Ding. Seine Art sich zu kleiden, ist seine Art aus der Masse herauszustechen: eine pinkfarbene Hose, ein weißes Hemd mit pinkfarbener Fliege, ein dunkelblaues Jackett und eine übergroße Sonnenbrille. Kepi ist ein "Smartee" und damit Teil einer jungen Modebewegung in Südafrika.

Mode für Individuen

Zwei Models präsentieren Mode des südafrikanische des Labels Smarteez (Foto: Chris Saunders)

Chick und etwas politisch

Der Slogan der "Smarteez" lautet: Kampf gegen Angepasstheit. Kepis Eltern haben während der Apartheidzeit "für unsere Freiheit" gekämpft, erzählt der 26 Jahre alte Designer. Er kämpfe dagegen heute gegen Eintönigkeit und Angepasstheit. "Nachdem unser Land jetzt frei ist, können wir uns keinen Namen mehr als Freiheitskämpfer machen. Also stellt sich die Frage: wie können wir aus der Masse herausstechen. Es geht nicht mehr um den großen Freiheitskampf, es geht um unseren ganz persönlichen Kampf. Es geht darum, uns als Individuen zu befreien." Die "Smarteez", zu denen Kepi gehört, sind eine Gruppe von Männern und Frauen, alle Anfang bis Mitte Zwanzig, die die Modeszene in Südafrika auf den Kopf stellen wollen. Der Name des Labels ist ein Wortspiel aus dem Wort für die bunten Schokolinsen und dem englischen Wort "smart", also elegant, clever. Die Kleidung der "Smarteez" ist immer grell, bunt und auffällig.

Männliches Model präsentiert Mode des Labels Smarteez (Foto: Chris Saunders)

Mode für Selbstbewusste

Am Anfang haben sich die Leute auf der Strasse über sie lustig gemacht, sie als unmännlich und schwul beschimpft. Heute kommen die "Smarteez" mit der Produktion ihrer Entwürfe kaum hinterher. Im vergangenen Jahr haben sie ihr erstes Geschäft in Johannesburg eröffnet, momentan arbeiten sie an einem Online-Shop. Dabei war die Ursprungsidee für das Designerkollektiv aus der Not heraus geboren. Weil sie sich teure Markenklamotten nicht leisten konnten, seien sie einfach selbst kreativ geworden, erzählt Kepi. "Der 'Smarteez'-Stil hat keine spezielle Handschrift. Was aber ganz klar ersichtlich ist, ist dass er aus Afrika kommt, aus Südafrika. So etwas hat man noch nie in Amerika, Asien oder Europa gesehen. Das Wichtigste bei den 'Smarteez' ist Farbe. Und wir lassen uns von traditioneller Kleidung inspirieren, vor allem von der Zulu-Mode. Aus diesen Inspirationen zusammen mit viel Farbe entstehen dann unsere Sachen."

Kampf gegen koloniale Klischees

Es macht den "Smarteez" einen Riesenspaß, mit Klischees aus südafrikanischen Modegeschichtsbüchern zu spielen. Dort sehe man immer nur Kolonialmode, sagt Kepi. Schwarze Anzüge, weiße Hemden, schwarze Fliege und Lackschuhe. Die "Smarteez" wiederum lassen diese Kolonialmode und den eigenen afrikanischen Hintergrund zu gleichen Teilen aufeinander stoßen - um als lachende Dritte da zu stehen, wie sie sagen. Die schwarzen Anzüge sind bei den "Smarteez" zum Beispiel lila oder blau und die weißen Hemden rosa mit Rüschen.

Zwei Models präsentieren bunte Kleider des südarfrikanischen Labels Smarteez (Foto: Chris Saunders)

Hauptsache bunt und anders

Für die afrikanische Note integrieren die Designer Accessoires aus Perlen und Leder. Auch Stoffe mit typischen afrikanischen Drucken verwenden sie gern. Ein "Smarteez"-Outfit soll einen schwarzen Townshipbewohner mit kolonialer Vergangenheit widerspiegeln: "Die Botschaft unserer Bewegung ist, dass man sein Leben frei leben sollte. Man soll sich nichts und niemandem anpassen. Niemand muss dieses ewig gleiche Leben, die immer gleich Routine leben, wie es unsere Eltern getan haben. Man geht arbeiten, kommt man nach Hause, schläft. Und das Gleiche am nächsten Tag. Wir drücken unsere eigenen, ganz individuellen Bedürfnisse aus. Wir machen was wir wollen, wann wir es wollen", sagt Kepi.

Selbstbewusst und global

Nach seiner Erfahrung kommt die Mode, die jetzt in Amerika und Europa angesagt ist, in Südafrika erst in vier bis fünf Jahren an. Gleichzeitig ist diese Verzögerung wiederum die große Chance für die "Smarteez". Tatsächlich lassen südafrikanische Modeketten jetzt schon die Stile des kreativen Designer-Teams in ihre Kollektionen einfließen. Kepi Mngomezulu vergleicht die "Smarteez" deshalb ganz selbstbewusst mit Hip Hop. Er glaubt, dass sie für die weltweite Modeszene einmal das bedeuten werden, was der Hip Hop für die globale Musikszene bedeutet.

Autorin: Kerstin Poppendieck
Redaktion: Marlis Schaum