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Wissen & Umwelt

Grauwal bricht Schwimmrekord

22.511 Kilometer schwimmen - in weniger als einem halben Jahr? Einer Grauwalkuh ist das jetzt gelungen. Und Schuld daran ist der Mensch.

Große Fischtrawler und weitläufige Netze - wegen des Walfischfangs haben die Grauwale ihre Wanderrouten und Fortpflanzungsgebiete stark verändert. Diesen Wandel wollten US-Forscher von der Oregon State University untersuchen und haben Wale mit Sendern ausgestattet und überwacht. Eine Grauwalkuh machte dabei einen Umweg und schwamm so in 172 Tagen insgesamt 22.511 Kilometer. Damit schlägt der Grauwal den bisher bekannten Rekordhalter um Längen: Im Jahr 2010 war die Reise eines Buckelwals von einem Nahrungsgrund zum nächsten über knapp 10.000 Kilometer aufgezeichnet worden.

Grauwale können bis zu 35 Tonnen wiegen und bis zu 14 Meter lang werden. Sie leben heute nur noch im Pazifik, wobei Forscher zwischen einer westpazifischen und einer ostpazifischen Population unterscheiden. Während die ostpazifischen Bestände als gesichert gelten, sehen Meereswissenschaftler die westpazifischen Grauwale als stark gefährdet an. Forscher gehen insgesamt nur noch von 130 Tieren aus. Die Westpazifik-Wale halten sich im Sommer normalerweise vor der russischen Insel Sachalin nördlich von Japan auf. In der Vergangenheit überwinterten sie dann vor der Südküste Chinas.

Der neue Rekordhalter gehört zur westpazifischen Population. Die Rekordstrecke kam nun zustande, weil eine der Walkühe von Sachalin 10.880 Kilometer bis vor die Küste Mexikos schwamm. Hier überwintern vor allem die ostpazifischen Grauwale. Bei seinem Rückweg nutzte das Tier eine andere Route und kreuzte dabei die östliche Beringsee - so kam es insgesamt auf eine Strecke, die gut der Hälfte der Erdumrundung entspricht.

Vielleicht schon ausgestorben?

Die aktuelle Studie ist auch aus anderen Gesichtspunkten für die Forscher interessant: Die Walkuh schwamm, ebenso wie die anderen beobachteten Tiere, auf dem Hinweg geradewegs durch das offene Meer und nicht entlang der Küsten. Dies zeige die hervorragenden Navigationsfähigkeiten der Wale, sagen die Forscher. Überraschend sei aber vor allem, dass die gefährdeten westpazifischen Wale in Regionen schwimmen, die eigentlich von den ostpazifischen Grauwalen bewohnt werden. Die Wissenschaftler vermuten daher, dass es sich bei einigen westpazifischen Grauwalen eigentlich um ostpazifische Tiere handelt, die ihre Wanderziele verändert haben.

Es könne sogar sein, dass die komplette westpazifische Gruppe ausgestorben sei, schreiben die Forscher, oder aber, dass sich beide Populationen mittlerweile die gleichen Nahrungsgründe teilten. Um dem auf den Grund zu gehen, sollen nun die Gene der vermeintlichen westpazifischen Population vor Sachalin untersuchen werden.

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