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Politik

Grausames Morden im Sudan

Von einem neuen Massaker im Sudan berichtet die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Sudanesische Regierungstruppen und arabische Milizen hätten 136 Zivilisten gefangen genommen und brutal ermordet.

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Flüchtlinge in Sudan

Schon länger als ein Jahr dauern die Unruhen in Darfur an. Aber erst jetzt wird erstmals eine UN-Mission in der Konfliktregion erwartet, die den Ursachen auf den Grund gehen soll. Jedenfalls geht es hier nicht in erster Linie um einen religiösen Konflikt: die Bevölkerung ist so gut wie ausschließlich moslemisch. Ebensowenig geht es aber um wirtschaftliche Interessen, denn es gibt in Darfur kein Gold, keine Diamanten und kein Öl. Der wichtigste Faktor ist offenbar der Hass zwischen den Volksgruppen, daneben die allgemeine Rechtlosigkeit, die sich in zwei Jahrzehnten des Bürgerkriegs in Sudan breitgemacht hat.

Zusammenarbeit von Milizen und Armee

Nach Angaben der organisation Human Rights Watch (HRW) gab es allein im vergangenen Monat Dutzende von Angriffen, bei denen sudanesischen Regierungstruppen und arabische Milizen systematisch zusammen gearbeitet hätten. Den Angehörigen der Milizen werde totale Straffreiheit für ihre großen Verbrechen gewährt. Sie seien ähnlich wie die Regierungstruppen organisiert, erhielten Luftunterstützung der offiziellen Armee und patrouillierten auch gemeinsam durch Dörfer und Städte.

Bei den Opfern des jüngsten Massakers handelt es sich der Menschenrechtsorganisation zufolge um 136 Mitglieder des Stammes der Fur im Alter zwischen 20 und 60 Jahren. Die meisten von ihnen hätten nach der Zerstörung und Plünderung ihrer Dörfer Schutz in einem Wadi gesucht. Seit Februar 2003 gehen die Regierungsarmee und verbündete islamische Milizen brutal gegen aufständische Zivilisten in der Region vor.

Schleichender Völkermord

Flüchtlinge berichten übereinstimmend über gezielte Bombardierungen und das Abbrennen von Dörfern sowie über Fälle von Vergewaltigung und Mord an Frauen, Senioren und Kindern. Obwohl es zehn Jahre nach dem Völkermord von Ruanda auf der Hand liegt, dass sich nun hier im Herzen Afrikas ein schleichender Völkermord vollzieht, wagt noch niemand von offizieller Seite das Wort in seiner vollen Tragweite in den Mund zu nehmen. Dennoch: Seit Beginn der Unruhen in Darfur wurden Schätzungen zufolge rund 10.000 Menschen getötet. Bis zu einer Million Menschen sind auf der Flucht.

Die Gewalt ist allgegenwärtig: “Bewaffnete Reiter überfallen jeden, den sie einige Meter außerhalb des Lagers antreffen“, berichtet ein sudanesischer Polizist, der seinen Namen für sich behalten will. “Nachts überfallen sie sogar die Familien im Inneren des Lagers.“ Allein im Camp el Wahda bei Geneina fristen 12.000 Flüchtlinge ihr Leben - in der näheren Umgebung gibt es acht solche Lager. In Ardmata sind 40.000 Familien notdürftig untergebracht.

Terror und Anarchie

Vier Monate hat die französische Krankenschwester Coralie Lechelle für die Organisation Ärzte ohne Grenzen in Darfur verbracht. Jetzt, wo sie wieder in Sicherheit ist, erzählt sie der Pariser Tageszeitung 'Libération' freimütig von den Schrecken, die sie erlebt hat. “Die Milizen verbreiten Terror, sie brennen die Dörfer nieder, sie treiben die Bewohner in die Flucht.“ Zwischen Dezember und März hat Lechelle “Gewalt von unerhörter Grausamkeit“ miterlebt.

Im Lager el Wahda stehen die Frauen mit Kübeln an, um aus einem Brunnen Wasser zu schöpfen. “Bis vor ein paar Tagen mussten wir weit laufen“, sagt der 70-jährige Jaacub Ismail Ahmad. “Dann kam UNICEF und hat fünf Brunnen ausgehoben.“ Die Flüchtlinge leben in Strohhütten. Ahmad erzählt, er sei vor vier Monaten hier eingetroffen. Sein Heimatdorf Dukana ist “von den Rebellen angegriffen und niedergebrannt worden“. Die Atmosphäre des Terrors und der Anarchie hat dazu geführt, dass die Konfliktlinien nicht mehr klar festzustellen sind und dass alle Zivilisten um ihr Leben fürchten müssen.

Forderung nach “Blauhelmen“

Inzwischen forderte Entwicklungsministerin Heidemarie-Wieczorek-Zeul (SPD) eine Entsendung von UN-Friedenstruppen in die Region Darfur. In der westsudanesischen Provinz würden Hunderttausende von Menschen in ihren elementaren Menschenrechten verletzt, erklärte sie am Freitag in Berlin.

Die internationale Gemeinschaft müsse diesen Gräueltaten ein Ende bereiten. Die SPD-Politikerin appellierte gleichzeitig an die in Genf tagende Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen, den Druck auf die Regierung in Khartum zu erhöhen, um die Massentötungen und Massenvertreibungen zu beenden. (am)

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