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Bücher

Grauen mit Kultstatus

Vier Romane und ein Taschenbuch im Monat. Auflage 260 Millionen. Kein deutscher Autor verkauft mehr Bücher als Helmut Rellergerd, alias "Jason Dark". Der 57-Jährige gilt als Produzent von Büchern von der Stange.

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Erfolgsserie - Band 1311

Er ist der Herr der Dunkelheit ... Doch seinen richtigen Namen kennt kaum einer. Seit 30 Jahren jagt die Romanfigur nun schon für Scotland Yard Gespenster. Mit der Nacht des Hexers fing damals alles an. Momentan arbeitet er an Band 1306 - Das Hexenbalg.

"Ich fing ´73 an, erfand den John Sinclair und schrieb dann alle fünf Wochen wieder einen Roman mit John Sinclair, weil ich zu faul war, mir einen anderen Helden auszudenken. Und dann merkte man, dass sich meine Romane besser verkauften als alles andere, koppelte aus, und dann ab 1978 eine Serie, und die hat dann alles geschlagen, was so auf dem Markt war."

König der Groschenromane

"Im Reich der Monsterspinnen", "Die Mumien kommen", "Der Sensemann als Hochzeitsgast" - nicht unbedingt Titel, deren Autor sofort ins "Literarische Quartett" eingeladen wird. Für schlaue Germanistenköpfe bedient Rellergerd die Schublade "Schundliteratur".

"Nee, stört mich nicht. Neulich schrieb das Börsenblatt des Deutschen Buchhandels: Der König der Groschenromane. Na ja, ich bin immerhin der König. Kann man auch positiv sehen. Ich weiß, was ich wert bin und zwar allein durch die Leserbriefe. Ich weiß, was ich den Lesern gebe. Dass ich denen viel Freude mache und das über Jahre hinweg."

Das Grauen wohnt in einem Reihenhaus am Stadtrand von Köln. Fünf Zimmer, Küche, Bad. Im Keller: acht Billy-Regale mit der großen Gruselserie. Im Dachgeschoss - die alte Olympia. 30 Seiten schafft Rellergerd am Tag. Das schaffen andere nicht mal beim Abtippen. Anderthalb Romane pro Woche. Kein deutscher Autor hält da mit. Helmut Rellergerd schreibt Bücher von der Stange.

Vampire am Fließband

"Als Mensch muss man sich ja immer etwas vormachen, das mache ich auch. Wenn ich aufstehe so früh und gehe ins Bad und mache das Radio an, dann höre ich schon die ersten Stauberichte hier um Köln herum und dann sage ich: verdammt nochmal, du hast es gut. Du kannst nach dem Duschen hochgehen, du kannst dich in dein Zimmer setzen, du kannst schreiben, während andere Leute im Stau stehen - und so treibe ich mich praktisch an."

Zombies, Vampire - Lady Bluthaar, Sherriff Tod und Reiter, die auf Feuerteppichen durch die Lüfte schießen - treffen den Geschmack der Massen. Rellergerds Heftchen verkaufen sich von Italien bis Norwegen. In Osteuropa haben sie Kultstatus. Die Gesamtauflage hat längst die 260 Millionen passiert. Was Rellergerd anpackt, wird gekauft. Nur der Jugendschutz muss es absegnen. Langweilig wird es dadurch nie. Und: echte Fans können sogar zwischen den Zeilen viel über den Vater des Geisterjägers lernen.

Geradlinig, ohne Schnörkel

"Sinclair ärgert sich, wenn es zu heiß ist, ich bin ein Freund von kühlem Wetter. Sinclair - sobald er in Deutschland ist, geht er zur Currywurstbude und isst erst mal 'ne Currywurst, mach ich auch oft. Sinclair ist geradlinig. Ich bin Westfale, ich bin auch geradlinig. Ansonsten. Sinclair ist ein Normalo. Der nicht mit jeder Frau ins Bett geht. Und das goutieren gerade die weiblichen Leser, von denen ich fast sechzig Prozent habe. Und er reagiert auch in vielen normalen Lagen wie ich auch reagieren würde."

So wie er das sagt, glaubt man ihm. Rellergerd hat nichts Selbstgefälliges an sich. Er schreibt wie er ist. Wie er redet. Geradlinig, ohne Schnörkel. Fährt lieber Zug, als dass er fliegt. Liebt Sylt im November und die Borussia aus Dortmund. Für einen Besessenen ist Helmut Rellergerd todlangweilig.

An ein Ende des Geisterjägers denkt er aber noch lange nicht. Ist es aber eines Tages so weit - verabschiedet sich sein sympathischer Held ehrlich und anständig: "Besoffen aus der Kneipe kommen. Nicht sehen, das der Gullideckel offen ist - und dann ist er weg ..."

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