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Ostmitteleuropa

Graue Eminenz und Arbeitstier

- Porträt der Spitzenkandidaten der tschechischen Sozialdemokraten Vladimir Spidla

Prag, 12.6.2002, PRAGER ZEITUNG, deutsch, Till Janzer

CSSD-Spitzenkandidat Vladimir Spidla gilt als Linker in seiner Partei. Als Arbeitsminister im Kabinett Zeman konnte er sich als Workaholic beweisen.

Der Sozialdemokrat Vladimir Spidla ist anders als sein Gegner Vaclav Klaus ein Newcomer. Der Parteivorsitzende und Minister für Arbeit und Soziales gelangte erst 1997 in die engere Parteispitze. Damals unterstützte ihn CSSD-Jungstar Stanislav Gross, der lange als Nachfolger des Parteivorsitzenden Milos Zeman gehandelt worden war.

Spidla galt nicht gerade als Anhänger Zemans, einmal bemerkte er "sowohl im Inhalt, als auch im Stil bei der Lösung von Problemen" mit seinem Chef nicht übereinzustimmen. Zemans mal schulterklopfende, mal polternde Art liegt dem eher nüchternen Menschen Spidla fern. Trotz der Unterschiede hatten sich beide bereits ein Jahr später angenähert. Zeman präsentierte den studierten Historiker aus Jindrichuv Hradec zu aller Verwunderung als seinen neuen Nachfolger und ließ ihn im vergangenen Jahr zum Spitzenkandidaten küren.

Vladimir Spidla ist ein Verfechter des Sozialstaats und damit scharfer Gegner von Vaclav Klaus' radikalen Deregulierungsideen. Deswegen wird er in Tschechien gerne als "Linker" bezeichnet und damit in Opposition zu seinem Parteikollegen und Blair-Anhänger Stanislav Gross gestellt. Doch der Eindruck tauscht. Denn noch ferner liegen Spidla die verknöcherten staatswirtschaftlichen Vorstellungen seines Amtskollegen aus der Wirtschaft und Temelin-Verfechters, Miroslav Gregr.

Vor der Wende war Spidla im Kreismuseum seiner Heimatstadt tätig. Eine wissenschaftliche Laufbahn soll ihm nach eigenen Aussagen versagt geblieben sein, weil er nie im "Bund der sozialistischen Jugend" war. Stattdessen arbeitete der Absolvent der Prager Karlsuniversität zeitweise in einer Molkerei, war Postbote und stand an der Drehbank. Erst nach 1989 ging er in die Politik, dann aber sehr schnell: Er gehört zu den Gründungsmitgliedern der CSSD. Im selben Jahr übernahm er die Leitung des Arbeitsamtes in Jindrichuv Hradec.

Spidla gilt als Workaholic, nach eigenen Aussagen ist er meist von 6 Uhr früh bis 22 Uhr im Büro. "Ich bin sehr ausdauernd", sagt er, und das bezieht sich auch auf sein Hobby: Er läuft wie der deutsche Außenminister Joschka Fischer und der slowakische Premier Mikulas Dzurinda Marathon.

Spidla, der zum zweiten Mal verheiratet ist und aus seiner ersten Ehe zwei erwachsene Söhne hat, wirkt farblos neben solch schillernden Politikern wie Klaus und Zeman. Dennoch ist er beliebter als sie, in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts SC&C von Anfang vergangener Woche bewerteten ihn und seine Arbeit als Minister für Arbeit und Soziales 56 Prozent der Befragten positiv. (ykk)

  • Datum 13.06.2002
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2Ptq
  • Datum 13.06.2002
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