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Grau

Drückt das Grau in dieser Jahreszeit auch auf Ihre Stimmung? Dann lassen Sie doch einfach mal einen bunten Drachen steigen! Oder Sie lesen unser Stichwort, da bekommt das Grau richtig Farbe.

Es stimmt schon. Der Herbst ist schön. Die bunten Blätter. Die Farben. Jetzt aber, da fast alle Blätter von Bäumen und Büschen gefallen sind, wird es grau draußen. Grau und ungemütlich und kalt. Wir sind mitten drin in der dunklen Jahreszeit. Aber nicht "Dunkel" ist das Stichwort dieser Woche, sondern "Grau". Beide Wörter haben indessen miteinander zu tun und werden in ihrer Zusammensetzung zu dem Adjektiv "dunkelgrau". Die Tatsache, dass es auch das Farbadjektiv "hellgrau" gibt, macht deutlich, dass Grau nicht gleich Grau ist.

Keine Farbe für Optimisten

Aber so richtig mag uns das nicht trösten, wenn wir zum Fenster hinausschauen und die grauen Wolken vorüberziehen sehen. Wobei diese durchaus abwechslungsreich sein können. Ganz schlimm wird es – der November hat in dieser Beziehung einiges zu bieten – wenn alles, aber wirklich alles, grau in grau erscheint. Das drückt auf die Stimmung.

Aus gutem Grund ist die Redensart "Alles grau in grau malen" Ausdruck für eine durch und durch pessimistische Sichtweise, die nichts mit einer bestimmten Maltechnik zu tun hat. "Grau in grau", das bedeutet ohne Licht und Schatten, alles erscheint ohne Konturen. Müssen wir etwas über den sprichwörtlichen grauen Alltag erzählen? Wir alle kennen ihn zur Genüge, und hätte er nicht schon seine Farbe, wir würden ihm mit Sicherheit ein mittleres Grau zuordnen.

Von Mäusen und Menschen

Dass Grau durchaus in Nuancen erscheint, haben wir schon angedeutet. Da gibt es das doppeldeutige "Mausgrau", das einerseits die Farbe von Mäusen bezeichnet, andererseits im übertragenen Sinne – "er hat so was Mausgraues an sich" – Ausdruck für eine völlig uninteressante, unauffällige Person ist. Diese Person bezeichnet man dann als "graue Maus", wobei diese weibliche Form für Menschen beiderlei Geschlechts verwendet wird.

Wie relativ doch alles ist, zeigt sich an unserem Stichwort "Grau" unter anderem daran, dass ein Herrenanzug der Farbe "Mausgrau" alles andere als lediglich grau ist, wenn er aus edlem Tuch geschneidert und – beispielsweise – italienischer Herkunft ist. Gäbe es das Wort "Edelgrau", da hätte es seinen Platz.

In Ehren ergrauen

"Silbergrau" hingegen ist ein gängiges Farbadjektiv. Wir sprechen von "silbergrauem Haar" und meinen damit die besonders schöne Haarfarbe, die in Ehren ergrauten Damen und Herren ganz besonders gut steht. Angeblich sollen Männern grau melierte Schläfen besonders gut stehen und nicht wenigen Frauen gefallen. Im Allgemeinen aber ist das mit den grauen Haaren so eine Sache. "Grau werden", also graue Haare bekommen, heißt "älter werden"; und das ist nicht unbedingt ein Grund, aus lauter Freude Luftsprünge zu machen.

Allerdings sollten sich Frauen und Männer keine grauen Haare wachsen lassen, bloß weil die Haare grau werden. Sie vermuten richtig: Das mit den "grauen Haaren wachsen lassen" ist eine Redensart. "Mach dir darüber keine weiteren Gedanken, keine Sorgen" bedeutet sie. Ob man oder frau früher oder später ergraut und ob überhaupt; das ist Veranlagungssache und nicht zu ändern – höchstens durch farbige Strähnchen oder komplettes Färben zu verdecken. Nun denn.

Asche und Staub

Was hat uns "Grau" noch zu bieten? Das "Aschgrau" etwa oder das "Taubengrau", das "Staubgrau". Was auch immer, das Grau überwiegt. Was aber ist mit den "graublauen Augen"? Da hat man genau hingeschaut. "Graublau". Da war ein Blick, eine Frau, ein Mann.

Bei "Mann" fällt uns in diesem Zusammenhang natürlich die so genannte "graue Eminenz" ein. Père Joseph, der Berater Kardinal Richelieus und später der Baron Friedrich von Holstein, hatten diesen Beinamen. Die graue Eminenz ist eine Person, die zwar im Hintergrund agiert, aber maßgeblichen Einfluss auf das meist politische Geschehen hat.

Im Zwielicht

Man täte der grauen Eminenz Unrecht, würde man sie ausschließlich jenem Bereich zwischen Hell und Dunkel zurechnen, der "Grauzone" genannt wird. Als "Grauzone" definiert ein Lexikon einen "zwielichtigen oder zweifelhaften Bereich, besonders zwischen Legalität und Illegalität". Ebenfalls zwischen Hell und Dunkel findet das statt, was wir "Morgendämmerung" oder das "Morgengrauen" nennen. Letzteres kann aber auch scherzhafterweise bedeuten, dass uns das Grauen packt, wenn wir morgens aus dem Fenster schauen, und alles ist wieder "grau in grau".

Fragen zum Text:

Wer alles "grau in grau malt", der …?

1. hat eine pessimistische Lebenseinstellung

2. mag keine Kontraste

3. hält sich stets im Hintergrund

Was ist kein gängiges Farbadjektiv?

1. silbergrau

2. taubengrau

3. rattengrau

Eine unauffällige, uninteressante Person bezeichnet man auch als …?

1. graue Eminenz

2. grauen Star

3. graue Maus

Arbeitsauftrag:

Üben Sie sich als Pessimist. Beschreiben Sie einen beliebigen Tagesablauf und malen Sie dabei alles grau in grau.

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