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Aktuell Deutschland

Grass attackiert Israels Premier Netanjahu

Nach massiver Kritik hat Literaturnobelpreisträger Günter Grass Formulierungen in seinem Israel-Gedicht relativiert. Der Autor sieht sich weiter als Opfer der Medien.

"Ich würde den pauschalen Begriff 'Israel' vermeiden", antwortete Günter Grass in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" auf die Frage, ob er den Text seines umstrittenen Gedichts "Was gesagt werden muss" inzwischen anders schreiben würde.

Er würde nun deutlicher machen, dass er sich in erster Linie gegen die derzeitige israelische Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wende, sagte der 84-Jährige. Grass wörtlich: "Die kritisiere ich: Eine Politik, die gegen jede UN-Resolution den Siedlungsbau fortsetzt. Ich kritisiere eine Politik, die Israel mehr und mehr Feinde schafft und das Land mehr und mehr isoliert." Netanjahu sei nach seiner Einschätzung der Mann, der Israel zurzeit am meisten schade.

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Grass wehrt sich gegen Kritiker

Grass wirft in dem Gedicht Israel vor, als Atommacht mit seiner Iran-Politik den Weltfrieden zu gefährden. Der Text hatte weltweit Aufsehen erregt und Grass unter anderem den Vorwurf des Antisemitismus eingebracht. Zu den Grass-Kritikern gehört auch Netanjahu. In einem von seinem Büro seinerseits als Gedicht deklarierten Text betonte der Ministerpräsident: "Der Iran, nicht Israel ist eine Bedrohung für den Frieden und die Sicherheit der Welt ... Der Iran, nicht Israel droht anderen Staaten mit der Vernichtung."

In dem SZ-Interview bekräftigte Grass zugleich seine Kritik am Umgang der Medien mit seinem Gedicht: "Ich vermisse die Bandbreite der Meinungen, die kontroverse Diskussion, wie sie zur Demokratie gehört. Es gibt einen Hordenjournalismus gegen mich, bis in die Formulierungen hinein", sagte der 84-Jährige der Zeitung aus München.

In einem Fernsehinterview hatte Grass zuvor die einhellige Kritik der Medien an seinem Text als "Gleichschaltung der Meinungen" bezeichnet. Der Begriff Gleichschaltung entstammt der Terminologie der Nationalsozialisten, die damit die Beseitigung der pluralistischen Gesellschaft durch die Auflösung oder Unterstellung ehemals freier Medien, Vereine, Gewerkschaften oder Organisationen unter die NS-Herrschaft bezeichneten.

wl/fab (dpa,afp,rtr,dadp)

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