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Kultur

Grande Dame der Bühne: Inge Keller ist tot

Sie verkörperte Stil und preußische Tugenden, wie kaum eine andere. Inge Keller bewahrte sich ihre Spiellust auf der Bühne bis ins hohe Alter. Jetzt starb die vor allem in der DDR bekannte Schauspielerin mit 93 Jahren.

Sie galt wegen ihrer vornehmen Haltung und der ausgesprochen feinen Ausdrucksweise als "Gräfin" unter den deutschen Schauspielerinnen. Bereits mit 19 stand Inge Keller auf der Bühne, jetzt ist die in der DDR sehr bekannte Schauspielerin im Alter von 93 Jahren in Berlin gestorben.

Potsdam Ausstellung Lebenswerke Ronald Paris Heiner Müller Inge Keller (picture-alliance/dpa)

Der Maler Ronald Paris hat Inge Keller verewigt (rechts im Bild), links ein Portrait von Regisseur Heiner Müller

Geboren wurde Inge Keller am 15. Dezember 1923 in Berlin-Friedenau. Die Fabrikantentochter debütierte als "Tochter aus gutem Hause" im Theater am Kurfürstendamm, spielte dort verschiedene Rollen im Bouelvardfach. Preußisch erzogen, waren für sie Disziplin, ein hoher Arbeitsethos und Pflichtbewusstsein als Schauspielerin oberstes Prinzip. Nach dem Krieg hatte Keller erste Erfolge in Carl Zuckmayers "Des Teufels General", mit dem damals schon bekannten Filmschauspieler O. E. Hasse in der Titelrolle. 1950 wechselte sie ans Deutsche Theater in Ost-Berlin. Diesem Haus blieb sie ein Leben lang treu. Bis 2001 war sie dort festes Ensemblemitglied, danach war sie weiter bei Lesungen und Gastauftritten auf der Bühne zu sehen.

Inge Keller (picture-alliance/dpa/C. Esch-Kenkel)

Bei ihren legendären Lesungen hatte die bekannte Schauspielerin weiter Erfolg

Die letzte deutsche Diva

Im November 2013 wurde ihr in Berlin der Theaterpreis "Der Faust" für ihr Lebenswerk verliehen. Sie konnte damals nicht persönlich an der Festveranstaltung teilnehmen. Ihre Gesundheit reiche nicht aus, ließ sie ihre Tochter bei der Dankesrede ausrichten. Inge Keller war einer der meist gefeierten Film- und Bühnenstars der früheren DDR. Aber diesem Ruhm blieb sie ihr Leben lang gegenüber skeptisch und nahm den Rummel um ihre Person mit Humor. "Ach Stars! Die werden doch heute unentwegt an den Himmel geschossen und fallen ganz schnell wieder runter vom glitzernden Firmament. Das bin ich nicht. Ich bin Schauspielerin!"

Die für sie wichtigsten Regisseure am Deutschen Theater waren Wolfgang Heinz und Wolfgang Langhoff, von denen lernte sie ihr "Rüstzeug", wie sie es immer nannte. Die Eliza Doolittle in George Bernard Shaws "Pygmalion", die Emilia in William Shakespeares "Othello" und die Prinzessin von Eboli in Friedrich Schillers "Don Karlos" waren nur einige ihrer Glanzrollen. Auch unter der Regie von Benno Besson und Robert Wilson hat sie erfolgreiche Stücke gespielt. Ihre Biografie "Inge Keller - Alles aufs Spiel gesetzt" gab auch ihre Grundhaltung zum Theaterspielen wieder. Als die letzte Diva im deutschen Theaterbetrieb geht sie jetzt in die Geschichte ein - die einzige Aristokratin, die die DDR zumindest auf der Bühne hatte.

Theater Inge Keller in Elektra von Giraudoux (picture-alliance/dpa/G. Bratke)

Große Schauspielkunst: Inge Keller (rechts) als Klytämnestra in der Tragödie "Elektra" im Jahr 1978

Eine der ganz Großen im deutschen Theater

Zahlreiche Künstler und Schauspielkollegen würdigten Keller als große Persönlichkeit im deutschen Theater. "Ihr absolutes Beharren auf der Kraft und der Bedeutung von Sprache ragte wie aus einer anderen Zeit herüber", so die Präsidentin der Berliner Akademie der Künste, Jeanine Meerapfel. Der Schauspieler Ulrich Matthes zollte seiner verstorbenen Kollegin als Direktor der Akademie-Sektion Darstellende Kunst seine Hochachtung: "Ihre unverwechselbare Aura war nicht nur in ihren Rollen, sondern auch bei ihren zahlreichen Lesungen zu spüren. Das deutschsprachige Theater hat eine seiner prägnantesten Persönlichkeiten verloren."

Auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters drückte ihre Trauer über den Tod der hochbetagten Schauspielerin aus, die am Montag (06.02.2017) in Berlin gestorben ist. "Mit Inge Keller verlieren wir eine großartige Jahrhundert-Schauspielerin, die wie kaum eine andere deutsche Künstlerin das Theater in Berlin im Nachkriegsdeutschland geprägt hat." Grütters fügte noch hinzu: "Ihre schauspielerische Kultur, ihre Würde, ihre eiserne Disziplin und ihre fantastische Wandlungsfähigkeit waren in ihrem Zusammenspiel einzigartig und ein Glück für die deutsche Theaterlandschaft."