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Kultur

Granaten gegen die Arten

Trotz weltweiter Fangverbote machen Japan und Norwegen weiterhin Jagd auf die Meeresriesen - viele Arten sind bedroht. Auf einer UN-Konferenz in Bonn wurden nun Kompromisse gesucht.

Traurige Ironie: Während in Bonn vom 18. September bis heute (24.9.) die UN-Konferenz über Rettung bedrohter Tierarten tagte, erlegten Japans Walfänger 39 Seiwale. Eine Art, die vom Aussterben bedroht ist. Daher wurde sie jetzt unter den Schutz der Bonner Konvention gestellt. Die Konvention zum Schutz wandernder Tierarten ist seit 1983 völkerrechtlich in Kraft und wurde von 80 Mitgliedsstaaten unterzeichnet. Auf der Agenda der Bonner Konferenz stand die Aufnahme von weiteren 36 Arten in das Schutzabkommen - darunter neben einigen Walarten das asiatische Wildkamel und die Amazonas-Wildkuh.

Interessen-Kollision

Auf Drängen der australischen und deutschen UN-Delegation wurden noch weitere fünf Walarten wie der Brydewal und der Antarktische Zwergwal in die Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere aufgenommen - gegen die Einwände von Dänemark und Norwegen. "Dänemark will die Interessen der Walfänger auf den Faröer-Inseln und in Grönland schützen", sagt Gerhard Emonds, Artenschutzbeauftragter des Bundesumweltministeriums, im Gespräch mit DW-WORLD. Er betont, dass Deutschland "den Walfang generell ablehnt."

"Bestimmte Walarten unter den Schutz der Bonner Konvention zu stellen, ist wichtig und wird helfen", sagte Colin Galbraith, Vorsitzender des Wissenschaftsrates der UN-Organisation zum Schutz wandernder Tierarten (CMS).

Fragwürdige Tradition

Walfang

Für viele Völker hat Walfang eine lange Tradition: Makah Indianer

Ob der jetzt beschlossene Schutz hilft, ist fraglich. In Norwegen zum Beispiel wird harpuniert, was das Meer hergibt – besonders auf Zwergwale haben es die Jäger abgesehen. Um internationale Konventionen wie das Walfangverbot der Internationalen Walfangkommission oder das Washingtoner Artenschutzabkommen scheren sich Norwegens Harpuniere wenig. Mit der Begründung, dass die Jagd auf Wale in Norwegen Tradition habe. Eine Argumentation, die moralisch zweifelhaft, völkerrechtlich aber legitim ist. "Das Argument Tradition ist Humbug. Norwegen betreibt kommerziellen Walfang - und der hat erst im 20. Jahrhundert begonnen", sagt Nicolas Entrup von der Whale and Dolphin Conservation Society (WDCS) im Interview mit DW-WORLD.

Fangquoten-Roulette

Die Zahl der Zwergwale im Nord- und Mittelatlantik wird von den Norwegern auf 150.000 Tiere geschätzt. "Aber genaue Zahlen gibt es nicht, dazu wissen wir viel zu wenig über die Populationen dieser komplexen Tiere", sagt Entrup. Zudem würden norwegische Erhebungen, die auf Hochrechnungen beobachteter Tiere basieren, prinzipiell über denen anderer Forscher liegen. Die Fangquoten lege Norwegen selbst fest, Quotenerhöhungen seien "von keiner Kommission abgesegnet", so der Walschützer. Presse-Berichten zu Folge soll die Zahl der getöteten Wale in den nächsten zwei bis drei Jahren verdoppelt werden. Pro Jahr würden dann etwa 2000 Tiere getötet. Noch sind die Zwergwale nicht vom Aussterben bedroht, dennoch setzte sie die Internationale Walfangkommission 1985 auf die rote Liste.

Subventioniertes Töten

Wal

Auch die Verschmutzung der Meere wird vielen Walen zum Verhängnis

"Dabei können die Norweger ihr Walfleisch zur Zeit gar nicht absetzen", sagt Nicolas Entrup. Das Washingtoner Artenschutzabkommen untersagt generell den internationalen Handel mit Walprodukten. Ganze Kühlhäuser seien in Norwegen daher voller Walfleisch, denn die Regierung warte darauf, dass die Bestimmungen wieder gelockert würden. Solange sei der Walfang in Norwegen nicht einmal lukrativ und werde staatlich subventioniert. Aber ebenso wie das Fangverbot werden Entrup zu Folge auch diese Bestimmungen unterlaufen. Schon jetzt beliefere Norwegens Walindustrie beispielsweise Island mit Walspeck. Geschmacklos findet es Entrup dabei, dass das norwegische Gesundheitsministerium ausdrücklich vor dem Verzehr des Specks warnt: Dieser sei hochgradig schadstoffbelastet.

Blutrotes Meer

Beim Walfang geht es nicht zimperlich zu. Die Tiere werden mit einer Harpune geschossen, die sich tief in den Körper bohrt. Dort explodieren Granaten, die das Tier innerlich regelrecht zerfetzen. "Offiziell heißt es, das Tier sei nach zwei bis drei Minuten tot. Aber wenn man nicht richtig trifft, dann kämpfen die Tiere eine Stunde mit dem Tod", sagt Nicolas Entrup. Die Jagdsaison dauert in Norwegen von Mai bis August. In dieser Zeit halten sich besonders die Zwergwal-Weibchen an der Wasseroberfläche auf. Sie sind größer als die Männchen und daher eine leichteres Ziel. Viele dieser Weibchen sind trächtig: "Das ist zum einen eine ethische Frage – darf man das? – und zum anderen ist der Bestand dadurch doppelt gefährdet."

Angesichts der ablehnenden Haltung der Norweger und Japaner werden die Resolutionen der Bonner Konvention zum Walschutz nicht das Ende des Walfangs bedeuten. "Aber", so Colin Galbraith, "sie sind wichtig als Rahmenbedingungen, damit Regierungen und Nicht-Regierungsorganisationen Druck auf die Walfangnationen ausüben."

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