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Kultur

Grütters: "Kultur baut Brücken zu Israel"

Kulturstaatsministerin Monika Grütters glaubt an die Macht der Kultur. Im DW-Gespräch auf der Leipziger Buchmesse wirbt sie daher für den deutsch-israelischen Kulturaustausch von Künstlern und Jugendlichen.

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Kulturstaatsministerin Grütters im DW-Interview

Selten war die

Leipziger Buchmesse

so politisch wie in diesem Jahr. Kein Wunder, dass auch die deutsche Kulturstaatsministerin Monika Grütters die Messe nutzt, um ihre Positionen zu Themen wie dem Freihandelsabkommen TTIP, dem

Urheberrecht

und dem Kulturaustausch zwischen Deutschland und Israel klar zu machen. Die Deutsche Welle hat Grütters auf ihrem Rundgang durch die Messehallen begleitet.

DW: Frau Grütters, in diesem Jahr feiern wir das 50-jährige Jubiläum der deutsch-israelischen Beziehungen. Gerade überschatten antisemitische Übergriffe die diplomatischen Bande. Was kann Kultur in solch einer Zeit bewirken?

Generell gilt ja – Kultur baut Brücken, wo Diplomatie und Politik an ihre Grenzen stoßen. Und wir sehen natürlich, dass die israelischen Jugendlichen in kaum eine andere Stadt der Welt lieber kommen als nach Berlin. Und wenn sie dann nach ein paar Jahren zurück gehen, weil ihnen die Sonne oder die Familie fehlen, dann erzählen sie über Deutschland. Über ein entspanntes, über ein junges, über ein weltoffenes, freundliches Deutschland. Und umgekehrt lernen wir natürlich voneinander.

Das heißt, um die kulturellen Beziehungen zwischen beiden Ländern muss man sich keine Sorgen machen?

Vertieft ins Gespräch: Monika Grütters mit DW-Reporter Rainer Traube auf der Leipziger Buchmesse 2015 (Copyright: DW)

Vertieft ins Gespräch: Monika Grütters mit DW-Redakteur Rainer Traube auf der Leipziger Buchmesse

Nein. Es gibt ja viele Austauschprogramme unter Künstlern aller Sparten – von der Literatur bis zur Musik. Wir werden in diesem Jahr zum ersten Mal den deutsch-hebräischen Übersetzerpreis verleihen, den wir extra angesichts des Jahrestages ins Leben gerufen haben. Und damit es genügend Übersetzer vom Deutschen ins Hebräische und andersherum gibt, veranstalten wir ab jetzt auch Workshops. Darüber hinaus wird in diesem Jahr erstmals die Sammlung des zeitgenössischen

Kunstmuseums in Tel Aviv

im Berliner Martin Gropius-Bau zu sehen sein. Und wir zeigen 50 Meisterwerke der Nationalgalerie wiederum in Jerusalem. Also das sind tolle Botschaften.

Das Freihandelsabkommen TTIP und der Schutz der Buchpreisbindung sind zurzeit die großen kulturpolitischen Themen. Und natürlich auch das Urheberrecht, für das Sie sich besonders einsetzen. Wo stehen die Verhandlungen im Moment?

Das

TTIP

ist aus weltpolitischen Gründen wichtig, aber es muss ein kulturverträgliches TTIP sein. Die ganz großen Ängste können wir glaube ich abfedern, indem wir zum Beispiel eine Generalklausel zum Schutz der Kultur reinbringen. Indem wir uns in einzelnen Kapiteln absichern, dass zum Beispiel Dinge wie die

Buchpreisbindung

nicht zum Diskussions- oder Streitgegenstand werden. Und beim Urheberrecht geht es mir darum, dass immer auch die Leistung der Künstler, die am Beginn der ganzen Verwertungskette steht, gewürdigt wird. Künstler, Kreative und Intellektuelle müssen von ihrer Leistung leben können, auch im digitalen Zeitalter , und nicht nur knapp überleben. Dafür kämpfe ich natürlich.

Wie wichtig ist bei diesen Themen die deutsch-französische Zusammenarbeit?

Beim TTIP bin ich mir sicher, das wir im engen Schulterschluss mit Frankreich einiges zum Schutz der Kultur erreichen können. Gemeinsam haben wir dafür gesorgt, dass die audiovisuellen Medien, also vor allen Dingen der Film, von den Verhandlungen ausgeschlossen sind. Und deshalb habe ich in Einzelfragen immer eine große Nähe mit meiner französischen Kollegin Fleur Pellerin.

Und wie sieht es beim Urheberrecht aus?

Beim Urheberrecht ist es weniger ein Problem einzelner Länder, sondern der IT-Branche hier und der klassischen Kulturlobby der Kreativen auf der anderen Seite. Das Urheberrecht ist gemacht, um den Urheber zu schützen. Dazwischen kommen die Verwerter und am Ende die Verbraucher. Und es gibt eine große Fraktion, die die heutigen gesetzlichen Rahmenbedingungen in der digitalen Welt mehr vom Verbraucher her denken. Und da müssen wir in der Tat gemeinsam mit Frankreich Positionen erarbeiten.

Frau Grütters, als Ministerin lesen sie eine ganze Menge, womöglich wenig Literarisches. Bleibt da noch Zeit für die schöne Literatur?

Das viele Aktenstudium kann man nur ertragen, wenn man zwischendurch eine Pause macht und sich beim Lesen von Belletristik erholt. Das tue ich nach wie vor mit großer Begeisterung. Und ich habe hier auf der Messe auch ein bisschen ʺBeuteʺ gemacht.

Und auf welche Lektüre freuen Sie sich besonders?

Ich habe gerade das jüngste Buch von

Amos Oz

bekommen. Er hat es mir sogar persönlich signiert und bei meinem nächsten Israel-Besuch werden wir bei ihm zuhause eine Tasse Kaffee miteinander trinken.

Das ist eine schöne Perspektive. Viel Spaß dabei und Danke für das Gespräch.

Das Gespräch führte Rainer Traube auf der Leipziger Buchmesse.

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