1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Grütters: Chancen für den deutschen Film

Cannes ist auch für die deutsche Filmindustrie das wichtigste Filmfestival der Welt. In diesem Jahr ist die deutsche Beteiligung jedoch nicht sehr hoch. Darüber hat die DW mit Staatsministerin Monika Grütters gesprochen.

DW: Frau Grütters, was hat Sie in Cannes am meisten beeindruckt?

Monika Grütters: Die Atmosphäre, die festliche Stimmung. Das ist ja wie ein Familientreffen der Branche, das zwei Dinge hat: einerseits Verkauf, Produktion und Business, und auf der anderen Seite diese herrlichen Filme und der festliche Charakter. Das ist in Cannes und vor dieser Kulisse und bei dem Wetter einfach einzigartig. Es ist das größte Festival der Welt, da will man dabei sein.

Beim Empfang von "German Films" war die deutsche Branche schon etwas unter sich. Muss man sich Sorgen machen?

"German Films" ist die Organisation, die dafür sorgt, dass deutsche Filme im Ausland bekannt werden, und dass die Deutschen bei internationalen Treffen vertreten sind.

Ich war hier auf dem Marché du Film, wo mit den Lizenzen gehandelt wird, wo deutsche Filme verkauft und andere gekauft werden, die dann auch in Deutschland gezeigt werden. Und alle sind zufrieden. Wir haben mit 26 Prozent deutschem Marktanteil ein hervorragendes Filmjahr hinter uns. Wir haben eine Milliarde Umsatz an den deutschen Kinokassen. Der deutsche Film ist international mit 214 Auszeichnungen auf Festivals dabei gewesen. Es geht uns im Moment ganz gut. Aber es kann immer noch mehr getan werden. Deshalb unterstützen wir ja auch Organisationen wie German Films.

Leider ist der deutsche Film auch in diesem Jahr weder im Wettbewerb des Festivals noch in anderen Sektionen vertreten. Wie erklären Sie sich das?

Monika Grütters in Cannes 2014

Monika Grütters beim Empfang von German Films

Beim französischen Kinopublikum kommt der deutsche Film ja gut an. Es gibt einige Produktionen, die in Frankreich mehr Publikum haben als in Deutschland, wie zum Beispiel "Die andere Heimat" oder "Hannah Arendt". Zudem ist Cannes ein kuratiertes Festival, das heißt, eine Jury entscheidet, welche Filme aus welchem Land aufgenommen werden. Da ist es gute Praxis, dass wir Politiker uns da mit einer Bewertung heraus halten. Es kommen auch wieder andere Jahre.

Und Wim Wenders, der letzte deutsche Gewinner der Goldenen Palme, ist mit seinem 1984 preisgekrönten Film "Paris, Texas" hier noch einmal in einer Sonderaufführung zu sehen.

Was kann man denn tun, damit neben den Altmeistern auch der deutsche Filmnachwuchs in Cannes wahrgenommen wird?

Ich habe mich hier mit deutschen Hochschulabsolventen getroffen, die ganz wunderbare, delikate Kurzfilme drehen. Die bringt German Films als "Next Generation Short Tiger 2014" auf das internationale Parkett. Deshalb fördern wir den Kurzfilm, deshalb fördern wir die Präsenz hier in Cannes. Ich bin aber ganz zuversichtlich, weil es inzwischen auch Produzenten und Regisseure gibt, die sich hier in den letzten Jahren etabliert haben wie Fatih Akin, Christoph Hochhäusler und Andreas Dresen. 2015 wird es wieder anders aussehen.

Filme wie "Sils Maria" von Olivier Assayas oder "Maps to the Stars" von David Cronenberg, die mit deutschem Geld kofinanziert worden sind und auf dem Festival im Wettbewerb laufen, werden nicht als deutsche Filme wahrgenommen. Schmerzt Sie das?

Manchmal schon, wenn zum Beispiel "Das weiße Band" 2009 die Goldene Palme bekommt und in Deutschland so einen Erfolg hat, hier aber dann als österreichische Produktion wahrgenommen wird, nur weil der Regisseur Michael Haneke Österreicher ist. Aber das muss die Branche regeln, die Produzenten sind ja clever. Wir unterstützen die Branche mit gut auf einander abgestimmten Förderinstrumenten wie den Deutschen Filmförderfond (DFFF) oder durch die Filmförderungsanstalt (FFA). Ich bin sicher, dass die Produzentenallianz und German Films als Marktmechanismus dafür sorgen werden, dass solche kleinen Schieflagen auch wieder ausgeglichen werden.

Welche Filme konnten Sie auf dem Festival sehen?

Monika Grütters und Hans Christoph von Bock in Cannes 2014

Ministerin und Reporter im Hafen von Cannes

Ich habe zwei sehr interessante Filme gesehen. Die auch deutsch mitproduzierte Amour-Fou-Geschichte vom Tod Heinrich von Kleists. "Amour Fou" von Jessica Hausner ist ein Kammerspiel, sehr mutig, mit ganz hervorragenden deutschen Schauspielern. Und ich habe mit meiner Kollegin, der französischen Ministerin für Kultur Aurélie Filipetti den Film "Saint Laurent" gesehen und sofort verstanden, warum die einen so opulenten Film über diesen Modedesigner machen. Yves Saint Laurent, diese Couturier-Ikone, ist eben so ganz französisch.

Was haben sie noch gemacht, ausser sich Filme anzuschauen?

Ich war beim Empfang von German Films, habe mich mit Filmkünstlern und mit meiner Kollegin Aurélie Filipetti abgestimmt, um in Brüssel gemeinsame Initiativen zu starten, zum Bespiel zur Berücksichtigung der Kultur im geplanten Freihandelsabkommen.

Monika Grütters ist seit Dezember 2013 Staatsministerin für Kultur und Medien. Unter anderem fördert sie Kultureinrichtungen und vertritt die kultur- und medienpolitischen Interessen Deutschlands bei der EU.

Das Interview führte Hans Christoph von Bock.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links