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Global Ideas

Grünes Vorbild – Die schwedische Öko-Stadt Hammarby

Die Öko-Stadt Hammarby war 2004 eigentlich als olympisches Dorf geplant. Nachdem Stockholms Bewerbung aber scheiterte, wurde sie der neue Stern am europäischen Öko-Himmel.

Hammarby Sjöstad, Stockholm, Schweden (Foto: CC/Stefan Eklöf)

Hammarby liegt nur einige Kilometer südlich vom Stadtzentrum Stockholms. Hier leben 25.000 Menschen, bis 2015 sollen es 35.000 sein. Nichts erinnert mehr an den ursprünglichen Plan, in Hammarby ein olympisches Dorf entstehen zu lassen. Die Stadt wurde so konstruiert, dass die Einwohner mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit pendeln können. Sie sollen Fahrräder oder Carsharing benutzen und nicht individuell mit dem Auto zur Arbeit fahren.

1990, und damit lange bevor die Klimadebatte in den Massenmedien diskutiert wurde, begann der Stockholmer Stadtrat mit detaillierten Planungen, unter anderem für die Kanalisation.

Bis heute hat das Projekt dazu beigetragen, Emissionen erheblich zu reduzieren: um 30 – 40 Prozent. Allerdings lag das Ziel ursprünglich bei 50 Prozent. Der Erfolg von Hammarby hat auch dazu beigetragen, dass Stockholm den Titel „European Green Capital 2010“ (von der EU-Kommission) verliehen bekommen hat.

Wohngebiet in Hammarby (Foto: Johan Töpel/Image Bank Sweden)

Vom olympischen Dorf zum Öko-Star: Hammarby

Öko-Star mit Vorbildfunktion

Dass Modell Hammarby wurde kürzlich einem internationalen Publikum auf der Berliner Konferenz „Die große Transformation“ von Malena Karlsson vorgestellt. Karlsson arbeitet im so genannten „Stockholm Glashaus“, einem Gebäude, in dem über den Bezirk Hammarby informiert wird. Der Schlüssel zum Erfolg liege darin, sagt sie, dass die ökologischen Maßnahmen von Anbeginn in den Bau des gesamten Projekts integriert wurden.

„75 Prozent unserer Umwelt-Ziele sind schon allein mit den Gebäuden verwirklicht“, sagt Karlsson. Selbst, wenn die Bürger zuvor gar nicht so öko-bewusst seien, spätestens nach ihrem Einzug in Hammarby seien sie es.

Ein Pier in Hammarby (Foto: CC/La Citta Vita)

Entspannte Menschen – Ein Pier in Hammarby

„Es gibt einen Recycling-Raum in jedem Haus“, sagt Karlsson. Alle haben einen Abfallschacht, der mit unterirdischen Röhren verbunden ist. Der Müll wird dann abgesaugt und zu einer zentralen Sammelstation geleitet. Essensreste werden zu Biogas verarbeitet. Dieses wird unter anderem von den Stadtbussen genutzt. Das Abfallsystem stößt nur wenige Emissionen aus. Hausabfälle, die verbrannt werden, heizen die Häuser. Ein Solarsystem produziert immerhin die Hälfte der Energie, die für die Wassererwärmung benötigt wird.

Die Planer von Hammarby hatten aber auch die Lebensqualität im Blick. Naturparks und die Nähe zum Wasser waren ihnen wichtig. „Wir haben einen ganzheitlichen Ansatz und konzentrieren uns nicht nur allein auf die Kohlendioxideinsparung. Es gibt grüne Flächen mit entsprechender Biodiversität zum Wohlfühlen“, sagt Karlsson.

Müllsortierung in einem Wohngebiet (Foto: Envac/Image Bank Sweden)

Müllsortierung in einem Wohngebiet

Ihren Ausführungen nach ist das Abfallsystem dazu geeignet, verschiedene Stoffe zu unterschiedlichen Zeiten einzusammeln. Das bedeutet, dass weniger Lastwagen zur gleichen Zeit auf dem Gelände sind – damit sinkt auch die Unfallgefahr. Überall in der Stadt sind die Toiletten mit Wasser-Sparschaltern ausgestattet.

Umstrittenes Modell: Öko-Städte

Trotzdem: nicht alle nehmen die Veränderungen positiv auf, die sich durch die (geplanten) Öko-Städte ergeben. In Großbritannien beispielsweise gab es vor zwei Jahren Proteste. Die Befürchtungen: große Landschaftsflächen würden Öko-Städten zum Opfer fallen, Natur und Artenvielfalt könnten deshalb eher leiden, als geschützt werden und der ländliche Charakter der Gemeinden würde sich verändern.

Dennoch: Das Programm der Vereinten Nationen für menschliche Siedlungen, Habitat, schätzt, dass 2050 die kolossale Zahl von 5,3 Milliarden Menschen – das entspräche rund 70 Prozent der Weltbevölkerung – in städtischen Räumen leben wird.

Straßenbahn in München (Foto: CC/digitall cat)

Ökologisch korrekt unterwegs in München

Die Stadt München zum Beispiel plant vorzubeugen. Bis 2025 will es als grüne Stadt den Großteil der Energie aus erneuerbaren Quellen beziehen. Die Stadt fördert den öffentlichen Nahverkehr und hat eine ausgewiesene Umweltzone, in die nur Autos fahren dürfen, die festgelegte Abgaswerte nicht überschreiten.

Die Ideen von Hammarby sind untypisch für die westliche Welt des 20. Jahrhunderts. Weil billige fossile Treibstoffe immer verfügbar waren, sind die typischen amerikanischen Vororte entstanden, die vom Auto abhängig sind. Das trifft aber auch auf andere Gegenden der Welt zu, die wir nicht vermuten würden, wie beispielsweise Ägypten.

Die Aussage dieser Ausführungen ist eindeutig: innovative Stadtplanung, die langfristig erfolgreich sein soll, muss sowohl von der Politik als auch den Bürgerinnen und Bürgern unterstützt werden. „Hammarby wurde ein Erfolg, weil wir integrativ geplant haben“, sagt Karlsson. Die Stadt wird ihre grünen Errungenschaften vorstellen, im Oktober. Dann ist Stockholm Gastgeberin der Konferenz „Building Sustainability“.

Autor: Mark Notaras
Redaktion: Sascha Quaiser

Dieser Text ist in Zusammenarbeit mit OurWorld 2.0 entstanden, einem Web-Magazine, das sich mit dem Klimawandel, der Ölförderquote und der Artenvielfalt beschäftigt. OurWorld2.0 gehört zur Universität der Vereinten Nationen in Tokio.

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